Ida (2013) von Pawel Pawlikowski

Was ist Glaube? Was ist Überzeugung?

In zwei Ebenen versucht Pawel Pawlikowski sich diesem Thema anzunähern. Einmal auf der naheliegenden religiösen Ebene und einmal auf der zutiefst menschlichen Ebene. Ist der Glaube (oder Überzeugung) etwas, was man erlernt, was man in der Konsequenz einfach befolgt oder ist es etwas, dass jemanden innewohnt. Und was resultiert daraus? Dabei wird uns Ida als die Verkörperung des Glaubens und die blutige Wanda als eine Frau, die den Glauben verloren hat, präsentiert.

Beide verfolgen ein Ziel, haben eine Vergangenheit: Die Reise zum Grab von Idas Eltern oder Wandas Schwester und Ehemann. Im Verlauf lernen wir beide näher kennen und können sie gegeneinander abwägen, Glaube und Unglauben (Überzeugungen) miteinander konfrontieren. Ida betet, Wanda macht sich ausgehfertig. Ida zieht sich zurück, Wanda rebelliert. Ida vertraut auf den Menschen, Wanda verachtet sie, stellenweise so fanatisch, dass sie in Konflikt mit dem Gesetz (als Staatsanwältin ihre frühere höhere Instanz) kommt. Beide vereint ein loses familiäres Band, eine nicht zu verleugnende Faszination füreinander sowie die Reise zu ihrer Vergangenheit. Beide Figuren werden also wieder an ihre Anfänge geführt. Da, wo sich damals alles entschied, dort wo Gott einst weggesehen hat, dort wo Leben missachtet wurde.

„…was ist, wenn du hinfährst und feststellen musst, dass es Gott nicht gibt.“

An dieser Stelle beginnt dann auch alles zu wackeln. Wanda wird von ihrer Vergangenheit heimgesucht und findet keinen Halt, Ida versucht sich in ihren Glauben zu flüchten, findet dort aber auch nur Unsicherheit. Kann es nun eine Vermittlung zwischen beiden Charakteren geben? Können beide in ihrer gemeinsamen Vergangenheit Trost finden, sich gegenseitig Trost spenden? Gibt es etwas zwischen Glauben und Unglauben, zwischen Überzeugungen, einen überdauernden Kompromiss?

—Spoiler—

Schaut man auf die geplante Ablegung des Gelübdes , welche den ganzen Film über wie ein Damoklesschwert über den Köpfen hängt, muss man sagen: Nein. Eine Entscheidung muss hier gefällt werden. Die Suizidierung von Wanda, welche uns so harsch und fast beiläufig präsentiert wird, geht dabei noch einen Schritt weiter und zeigt, dass eine gebrochene Überzeugung nur noch im Tod einen Ausweg findet. Der Zuschauer kann, wie Ida auch, die andere Welt ausschnittshaft betreten und in ihr eintauchen, darf aber nicht an ihr haften, sich nicht allzu sehr vertiefen. Auf eine starke emotionale Beziehung wird hier verzichtet. Schwarz/weiß präsentiert sich die Welt von Ida und Wanda. Schwarz/weiß sind ihre Antworten.

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