Vergiss mein nicht (2012) von David Sieveking

David Sieveking stellt in dieser Doku über seine an Alzheimer erkrankte Mutter Gretel immer die Authentizität voran. So agiert er meist hinter der Kamera, um den Einzelpersonen, allen voran Gretel Raum zu geben und zeigt sich selbst nur, wenn die Familie im Vordergrund steht. Der Kameramann begleitet alle so eindringlich und bedingungslos nah, dass man nie die Bequemlichkeit hat, sich von zu intimen Aussagen oder Gegebenheiten zu distanzieren. Dabei verzichtet D. Sieveking aber genau auf das, was man weitläufig als intim bezeichnen oder innerhalb dieses Themas vielleicht erwarten würde. Wenn Gretel ihn mit ihrem Mann verwechselt oder sagt, dass sie sich fürchtet, hat man das Gefühl, einen äußerst privaten Bereich zu betreten.

Behutsam und mit sehr viel Respekt arbeitet er die Geschichte seiner Eltern auf und entdeckt diese als Erwachsener neu, wird dabei aber nie rührselig. Sehenswert, aber auch aufwühlend. Gerade am Anfang kommt man schnell an empfundene ethische Grenzen. Darf man das? Kann man das zeigen? Sie kann ja nicht mehr selbst für sich sprechen. Die Doku zeigt durchgehend wie aufgeschlossen seine Eltern sind und waren. Ob nun vor oder hinter der Kamera, Gretel bekommt genau das, was sie früher auch ausgemacht hat. Eine Stimme, eine Meinung und ein Leben, das nicht durch ihre Krankheit vordefiniert wird.

 

 

Erscheinungsjahr: 2013 DE

Regisseur: David Sieveking

Drehbuch: /

Mitwirkende: Margarete Sieveking, Malte Sieveking, David Sieveking

Bildquelle: © farbfilm

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