North & South (2004) von Brian Percival

Vier Stunden sind für diese Verfilmung nicht zu lang, sondern höchstens ausreichend. North & South wird innerhalb der Literatur von manch Abtrünnigen als das bessere Stolz und Vorurteil gehandelt. Immerhin hat man mich nun so weit, dass ich dazu keine Stellung mehr beziehe, bevor ich das Buch nachgeholt habe.

Zur Sache: Niemals gefühlsduselig, fesselnd und nie auch nur einen Schritt daneben, präsentiert sich diese Verfilmung von Elisabeth Gaskells Roman. Um Stolz und Vorurteile dreht sich auch hier alles, aber vor allem handelt es auch von Sitten und Sittlichkeit. Sittlichkeit kommt immer mit gemein akzeptierten gesellschaftlichen Regeln und Bestimmungen. Diese stellt hier auf, wer sich auch anderweitig an der Macht bedient und diese für sich zu gebrauchen weiß. Sie begrenzt das Denken Untenstehender und verwehrt ihn das Emporkommen. Mit den Erschwernissen an Bildung, Nahrung und Meinung zu kommen, hält man den denkenden Geist fest im Zaum, die Tugend gilt dabei als Wert der Vermarktung und Chance des Emporkommens in der Welt.

Dies sind alles keine neuen Themen aus dieser Zeit und unter anderem auch bei Charles Dickens sehr gut aufgehoben, dennoch weiß dieser Film diese einzelnen Stränge in Schönheit und mit Liebe zu verpacken, ohne je willkürlich zu wirken. Es ist somit ein aktuelles Portrait einer Gesellschaft, wie sie heute existiert, wenn auch mit feineren Abstufungen. Eine Liebesgeschichte, die eigentlich von der Liebe der Menschen handelt, die sich in verschiedenen Ansichten, aber in der gleichen Lage wiederfinden und gemeinsam etwas bewegen wollen. Menschen, deren Interessen und Leidenschaften nicht so entfernt voneinander sind, wenn sie sich die Mühe machen, einander zuzuhören. Sehr sehenswert!

 

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2 Gedanken zu “North & South (2004) von Brian Percival

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