Der Marsianer-Rettet Mark Watney (2015) von Ridley Scott

„Der Marsianer“ fußt auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir und handelt von Mark Watney (Matt Damon), einem Astronauten und Botaniker. Dieser bleibt während einer Mars-Mission am Tag 18 (Sol 18) unter unglücklichen Umständen zurück und muss, auf sich allein gestellt, sein Überleben sichern. Mittels persönlichem Logbuch und Selbstgesprächen erfahren wir von seinem Plan, sich 4 Jahre lang über Wasser zu halten, um am Ende dieser, die Raumstation Ares IV zu erreichen und mit der dortigen Crew wieder zur Erde zu kommen. Es soll ein langer Weg werden.

Als einziger Mensch auf dem roten Planeten, zeigt sich Watney sofort von seiner derben Seite. Das einzige, was ihm in seiner Erkenntnis noch zu sagen bleibt, ist: „Fuck“. In Anbetracht der Lage mehr als angemessen und nahezu gemäßigt. Statt zu verzweifeln, überlegt er sich nun aber, wie er zu Nahrung und Wasser kommt. Ist es beim Wasser noch ein komplizierter Prozess, wird es beim Essen schon einfacher. Mars-Erde + Crew-Exkremente= Kartoffeln. Durchkalkulierte, auf 4 Jahre ausgelegte Feldarbeit.

Mittels eines persönlichen Logbuchs zeichnet er diese und andere Vorhaben auf. So ersinnt er im Laufe vorüberziehender Sols auch einen Weg mit der NASA zu kommunizieren, was nicht nur der NASA gefällt, sondern der ganzen Welt, die nun an dieser Misere teilhaben darf. Allein auf einem Planeten und die ganze Welt fiebert mit.

(Wer sich dafür interessiert, was Watney der NASA in der Romanvorlage übermittelte, nachdem sie ihn darauf hinwiesen, gemäßigtere Worte zu finden, der wird am Ende fündig)

Diese ganze Szenerie wirkt vorerst so unwirklich, dass man meinen könnte, man stecke in einem Wunschbild von Watney, der davon träumt Astronaut zu werden oder einem Traum der NASA, die fortan nur noch Bauern ins All schießt. Denn die Erwägung des Survival-Dramas kontert hier mit flotten Sprüchen, menschlichem Geschick und viel Erfindungsreichtum, ganz gemäß des hochgelobten technischen Feingefühls der Romanvorlage. Durch die anhaltende filmische Umsetzung selbiger, befindet man sich in einem immerwährenden Kontrast, der einem ein inneres Schmunzeln aufzwingt. Alles verkommt zur Farce, ohne jemals surreal zu sein. Selbst Anspielungen auf Fantasy-Verfilmungen wirken hier nicht deplatziert, genauso wenig wie Watney, der eben auf einem Planeten hockt und darauf wartet, dass ihn jemand abholt.

Sich dieser komischen Situation durchaus bewusst, verhält er sich nur folgerichtig und sorgt nicht nur bei der NASA für viel Erheiterung. Vor allem deshalb, verliert dieser Film nicht an Authentizität, sondern bildet ungehemmt eine mögliche Realität ab.

Die Rettung von Mark Watney ist großes Unterhaltungskino, das nicht auf profane Effekte setzt, sondern Einfallsreichtum, vor sich hinschleichende Spannung und subtilen bis frechen Humor in den Vordergrund stellt. Die homerische Odyssee bekommt hier einen aktuelleren Anstrich und wird über Schmerzgrenzen hinaus ausgereizt. Das Leben ist manchmal schrecklich banal und überdies vernetzt. Man kann nur damit umgehen und aufpassen, dass man nicht in seine eigenen Exkremente tritt.

„Seht mal da! Zwei Titten! –› (.Y.)“

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Drew Goddard

Darsteller: Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara, Kristen Wiig, Sean Bean, Sebastian Stan,Chiwetel Ejiofor, Mackenzie Davis, Benedict Wong, Donald Glover

Beitragsbild: © Twentieth Century Fox of Germany GmbH

 

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7 Gedanken zu “Der Marsianer-Rettet Mark Watney (2015) von Ridley Scott

  1. Zum Thema Buch: Das Buch ist gerade am Anfang und am Ende sehr technisch. Als ich damit anfing, dachte ich mir nur: wenn ich noch eine weitere Seite darüber lesen muss, wie man am besten Wasser aus Eigenurin herstellt oder wie man am besten Kartoffeln pflanzt, dann werfe ich das Ding in die Ecke.

    Dann wendete sich das Blatt und der Roman wurde wirklich sehr unterhaltsam. Eines der wenigen Bücher in letzter Zeit, bei dem ich in der S-Bahn beim Lesen laut gelacht habe. Es ist schon ein echt guter Roman, der technisch extrem akkurat ist, was allerdings nicht immer so hilfreich ist.

    Zum Thema Film: Den mochte ich auch sehr, vor allem wenn ich bedenke, wie viel Angst ich vorher hatte, ob ein Ridley Scott den doch sehr komischen Ton des Films treffen könnte. Ich fand’s zwar ein bisschen schade, dass die Fahrt von dem einen MAV zum anderen so kurz abgehandelt wurde (da entsteht gerade im Buch noch einmal ordentlich Spannung), aber im Großen und Ganzen ist es doch ein sehr unterhaltsamer Film geworden.

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  2. Interessant, dass du auf Homers Odyssee verweist. Ich fühlte mich während des ganzen Films an Defoes Robinson Crusoe erinnert. Der Schiffbruch, die einsame Insel (Mars ), der Erfindungsreichtum beim Bau der Hütte, bei der Nahrungsbeschaffung, das Abzählen der Tage, die Kommunikation mit Freitag (Nasa) und schließlich die Flucht. Mir hat der Film sehr gut gefallen. Ich fand es erfrischend, dass der Kampf ums Überleben mal nicht überdramatisiert wurde. Eine Frage: Hast du das Buch gelesen?

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