Die Kirche bleibt im Dorf (2012) von Ulrike Grote

I fasch desch ma kurz zusamme… Totschlach, Unnerlaschene Hilfeleischtung, Körperverleschtzung, Hosfreidnsbruch, Betruch, un Alkoholmischbrauch… Un desch allesch uf Schwäbisch!

Wo sie sind? In Ober- und Unterrieslichen! Und die beiden Ortschaften trennen eigentlich nur zwei Dinge. A Kirsch un a Friedhoff. Denn diese beiden Stätten muss sich der gemeine Rieslinger teilen, was ihm schon mal so gar nicht gefällt.

Die Oberrieslinger haben die Kirche und die Unterrieslinger den Friedhof, aber eines haben sie gemeinsam: Ein Schlagloch. Dieses liegt genau zwischen den beiden Gemeinden und wird der Verantwortungslosigkeit überlassen bzw. ist der jeweils andere, wenn überhaupt, verantwortlich. Dumm nur, dass Oma Häberle aus Oberrieslingen nun ausgerechnet dieses mitnimmt und gemeinsam mit ihrem Motorrad das Zeitliche segnet bzw. hats sies dohin bräzelt. Aber das ist nicht das einzige Problem:

Denn jetzt kommt auch noch Robert Redford, um die Kirche zu kaufen! Ob das gut geht…

Ulrike Grote nimmt hier im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön Fahrt auf, dass einem das Herz ab- und aufgeht. In typisch dörfischen Stereotypen wird hier geschwäbelt, was das Zeug hält, Wortwitz und Verwechslung reichen sich genauso die Hand, wie Vorurteile und Zänkerei. Die verschwörerische Pseudo-Mystery-Story umrahmt das Ganze, und driftet damit in völlig andere, manchmal aber auch unnötige Sphären ab. Skurril, frisch, locker und vor allem urkomisch kommt diese Komödie nicht nur um die Ecke, sondern auf dem Trekker angezappelt, dass einem ab und an der Riesling durch die Nase läuft.

Dabei werden alle Klischees bedient, die ein Dorf so hergibt, allen voran schwäbische! Oin dudla, Bemmbra und  buabala. Wer schon immer mal, mit Omi im Grab Schlittenfahren üben wollte, Shakespeare-Strümpfelbach-Vergleiche nicht scheut oder wirklich wissen möchte, was es heißt, die Kirche im Dorf zu lassen, ist hier goldrichtig. Und wer nachhaltig Spaß hatte, kann die Fortsetzung vom SWR in Serie betrachten.

Nur düstern Frieden bringt uns dieser Morgen.

Die Sonne scheint, verhüllt vor weh, zu weilen.

Zur richtigen Aussprache gehäuft vorkommender Wörter sei eine kleine Einführung empfohlen.

Außerdem zur Einstimmung auf diese Komödie dringend zu empfehlen:

 

Ganz herzlich bedanke ich mich an dieser Stelle bei Liegeradler von der Seite Kinogucker, der mir diese DVD freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat! 

Regie: Ulrike Grote

Drehbuch: Ulrike Grote

Darsteller: Rolf Schübel, Karoline Eichhorn, Natalia Wörner, Ulrich Gehbauer, Hans Löw, Christian Pätzold, Dietz Werner Steck, Peter Jordan, Stephan Schad, Julia Nachtmann, Elisabeth Schwarz, Hans-Joerg Frey, Dominik Kuhn, Gary Francis Smith

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4 Gedanken zu “Die Kirche bleibt im Dorf (2012) von Ulrike Grote

  1. So sieht also jemand aus Nordeutschland dieses schwäbische Bauerntheater…
    Ich habe diesen Film, der in meiner Heimatstadt Heilbronx die meisten Zuschauer im Ländle hatte, von Anfang an gehasst und mir deswegen den zweiten Teil, der dann im Norden spielt, gleich ganz geschenkt…

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    • Haha. Nun ja, der Film lebt von der schwäbischen Mundart. Ohne wäre es vermutlich null lustig, sodass es mich nicht wundert, dass ein Schwabe damit wohl nicht so viel anfangen kann. Ich habe am lautesten gelacht, als der Bürgermeister zu einem historischem Artefakt sagte: A Bescher, der schwätzt, wenn ma Wein hneinschüttet.“ Ein Schwabe findet das wahrscheinlich überhaupt nicht lustig, weil einfach nur gesagt wird: „Ein Kelch, der reden kann.“ Vielleicht schaue ich mir bei Gelegenheit dann den zweiten an und berichte dir.

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