Tatort: Auf einen Schlag (2016) von Richard Huber

Tatort Dresden, Folge 978

Das ist es nun, das neue Ermittler-Team. Die drei Engel von Dresden nach Saalfeld und Keppler, die sich ja jetzt in ihrem Liebesnest suhlen dürften. Im Dresdner  Zwinger tummeln sich nun Henni Sieland (Alwara Höfels), Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Maria Mohr (Jella Haase) und natürlich der dazugehörige Charlie, hier verkörpert von Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) als Bezwinger der starken Damen.

Die bekommen es alle auch ganz dicke, nämlich in Form von Schlager. Sänger Toni Derlinger von „Toni & Tina“ wird während der Proben für ein Schlagerkonzert erschlagen aufgefunden. Und natürlich verstehen sich in der Schlagerwelt alle ganz prächtig. Keiner wars und die beiden Damen, nebst der Polizei-Anwärterin Maria Mohr, müssen sich zwangsweise durch die schrägen Melodien wühlen, während Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (es gibt Menschen, die kann man nur im Ganzen betiteln) den Mädels Stütze und Widerspruch zugleich ist. Ein wunderbar chaotischer Haufen.

Dass Drehbuchautor und Produzent Ralf Husmann (Stromberg) für das Skript verantwortlich ist, merkt man diesem Tatort in jeder Sekunde an. Der Fall, eher Schauplatz einer dem Zuschauer nicht immer zugänglichen Nebenhandlung, kommt hier wie gehabt und leider nicht sehr einfallsreich. Bemüht komisch und gewohnt klischeeüberladen wälzt dieser Tatort am Anfang konstruierte und emanzipierte Probleme und vergisst darüber seine Mitspieler. Die bekommen dafür ab der zweiten Hälfte umso mehr Raum und wirken mit weniger schnoddrigen Sprüchen im Nacken -die aber durchaus zu unterhalten wissen- wesentlich authentischer und spielfreudiger. Dennoch wird die Botschaft vom neuen Tatort immerzu rausgebrüllt. Altherren raus, Frauen an die Macht und Kaffee heißt ab heute Café Cinnamon Latte für 4,95 Euro. Frischer Wind soll rein und der kommt: Im Sturm.

Die Dynamik der beiden Ermittleren Sieland und Gorniak macht durch und durch Spaß und wenn man den Ton noch etwas zügelt und sinnstiftender einsetzt nimmt man den beiden Frauen auch die Polizistin ab. Dass sich hier zudem auch eine Frauenfreundschaft andeutet ist ebenfalls jeder Zeit nachvollziehbar. Ja, diese Frauen haben auch Probleme, aber sie haben auch vor allem einen Job. Und auch Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel rundet dieses Team hervorragend ab, wenn er ernstere Töne anschlägt und ihm statt Frauenquote und politisch korrekten Formulierungen, echte Probleme an die Hand gegeben werden.

Natürlich muss man auch ein paar Worte zur Sozialkritik verlieren, die hier ja mit Pegida und Co. mehr als im Fokus stehen. Der Sachse nämlich, der ist dümmlich und mags nicht fremd, pardon: der alte, sächselnde und an alten Werten festhaltende Sachse mags nicht fremd, und Frauen schon gar nicht. Aber schön hat er es im barocken Dresden. So ungefähr jedenfalls der Tatort, der heute ohne Pegida auskam, aber mit Springerstiefeln vor einer Schlager-Bühne zu begeistern weiß. Ja, dieser Tatort nimmt sich nicht sehr ernst, aber: Weniger wäre hier durchaus mehr gewesen. Denn auch das ist Zutrauen. Thematische Bezüge anzudeuten, und dann so dermaßen zu überspitzen, dass auch wirklich niemand mehr auf die Idee kommt, es wäre auch nur irgendjemanden ernst damit, ist letzten Endes eben nur safe. „Auf einen Schlag“ kommen hier die Frauen-Figuren (allen voran Alwara Höfels), teils sehr flotte schnippische Dialoge und Schnabel (gut, es geht wohl doch ohne). Mehr davon, dann klappts vielleicht auch mit einem richtigen Mord.

 

Advertisements

9 Gedanken zu “Tatort: Auf einen Schlag (2016) von Richard Huber

  1. Ein bisschen weniger Holzhammermodernität und ein bisschen weniger reingequetschte moderne Probleme wären auch noch genug gewesen 🙂 mir hat es trotzdem gefallen, hoffentlich dürfen sich die Figuren noch etwas entwickeln. Schade um MMM 😀

    Gefällt mir

    • Das Drehbuch habe ich ja auch nicht in Gänze bemängelt, nur den Mord und das Dazugehörige^^ Und ein paar der Dialoge hätten durchaus einen Sinn haben dürfen. Oft wirkte es so dahingesagt, damit man mal einen feinen Sinnspruch zwischenballert. Mit der Ermittlung oder dem Fortkommen der Protagonisten hatte das mMn nicht viel zu tun. Das macht die Sprüche aber nicht schlecht. Da waren wirklich ausgezeichnete dabei!

      Gefällt mir

  2. Hach Mensch, ich muss gestehen, das mir das Duo noch nicht so wirklich gefällt. Die Handschrift Husmanns bei den Dialogen war erkennbar, aber die beiden Protagonistinnen setzten diese besonders zu Beginn ziemlich holprig in Szene. Gefallen hat mir allerdings Jella Haase. Schade, das ihr Auftritt im Dresdner Tatort so kurz ausfällt. Da hätte man sich doch gern noch mehr gewünscht.

    Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.