Zoomania (2016) von Byron Howard, Rich Moore & Jared Bush

Judy Hopps hat Träume. Als zu den kleinen Säugetieren zählende Häsin, hegt sie nur einen Wunsch! Sie will zur Polizei. Von ihren ängstlichen Eltern ermuntert, nur Träumen nachzuhängen, die sie zur Karottenfarmerin befördern, schafft sie es trotz aller Widerstände und dank des Programms zur Eingliederung kleiner Säugetiere zum Zoomania Police Department.

Das ZPD liegt, wie der Name andeutet, in der Metropole Zoomania und beherbergt alle Arten von Säugetieren in ihrem natürlichen Habitat, welche als klimatische Versorgungsbereiche fungieren, wie z.B. „Tundratown“, „Sahara Square“ und die Nager-Miniatur-Stadt „The Burrows“. Doch die Eingliederung in Stadt und ihrem neuen Arbeitsgebiet soll sich schwieriger gestalten, als gedacht, denn durch altbackende Überzeugungen in selbigem bleiben Judy Hopps nur 48 Stunden, um den Fall eines vermissten Otters aufzuklären.

Nick Wilde, ein gelegenheitskrimineller Fuchs entpuppt sich dabei als große Hilfe und schnell wird aus dem diametral angelegten Paar eine spürnasige Schicksalsgemeinschaft. Fuchs und Has nehmen gemeinsam die Fährte auf und sind einem gigantischem Verbrechen auf der Spur.

Entgegengesetzte Konstellationen von Raubtier und Beutetier sind in Zoomania aufgehoben und durch ein gemeinsames Zusammenleben ersetzt worden. Die Tiere sind anthropomorph angelegt, verhalten sich also wie Menschen. Das wirklich Bemerkenswerte aber daran ist, dass die Macher es geschafft haben, für menschliche Wesenszüge wirklich treffende tierische Entsprechungen zu finden. Nicht nur das beseelte Yak in der Yoga- Oase für Nudisten oder das schnellste Bürokraten-Faultier namens Flash aus der Zulassungsstelle sorgen für, vor Lachen rote Augen, sondern auch die vielen anderen Bewohner von Zoomania, die irgendwie alle miteinander klarkommen müssen.

Demnach nennenswert ist die Art des Humors, der sich aus dem „normalen“ Verhalten seiner Bewohner ergibt und uns aus einem, äußerst groß geratenen Spiegel heraus, zuzwinkert, und das so schnell, dass man den Film sicherlich mehrmals sehen muss, um alles aufzusaugen. Ob Missverständnisse, natürliche Verwicklungen, reichlich popkulturelle Referenzen oder Slapstick-Einlagen, hier hält sich alles angenehm die Waage und wirkt nie aufdringlich. Vielfalt und Erfindungsreichtum beweisen ebenso die Dialoge und Beziehungen, die nicht nur amüsieren, sondern auch die Utopie (im Original deshalb auch „Zootopia“) plausibel aufrechterhalten, kultureller Overlap inbegriffen. So prototypisch die Charaktere sind, so einzigartig werden sie durch ihr Verhalten.

Zoomania hat sich thematisch ein ganz schönes Paket aufgeladen. Hauptsächlich werden hier Vielfältigkeit, Diskriminierung und gesellschaftliche Missstände angesprochen, aber auch Zutrauen, Mut und Freundschaft sind Inhalt. Der ZPD-Leitbüffel Bogo bringt in einer kurzen Ansprache die Herausforderung auf den Punkt.

“It’s not about how badly you want something. It’s about what you are capable of!”

Es scheint, als hätte man der Häsin diese Worte von Geburt an auf den Leib tätowiert, denn aus ihr spricht genau der Widerstand, der diese Worte verinnerlicht und aufgezogen hat und sie genau deshalb konsequent ablehnt. Von der Opfer-Häsin keine Spur. Ihr Handwerkszeug ist Wille, Überzeugung und manchmal herzzerreißende Aufrichtigkeit. Und dass ist es auch, was Zoomania von anderen Animationsfilmen abhebt. Disney spielt hier zwar auch mit der empathischen Grundhaltung der Zuschauer, nimmt sie und ihre Themen dabei aber vollkommen ernst. Probleme, die sich aus Vielfalt ergeben werden hier nicht einfach als solche hingestellt, sondern als natürlicher Faktor behandelt, der keiner weiteren Sinndeutung bedarf. Man könnte auch in den Himmel schreiben: „Wir sind eben alle unterschiedlich!“ Große und kleine Zuschauer werden somit mit nachvollziehbaren Hindernissen konfrontiert, aber nicht belehrt. Integration als Kinderspiel. Eben nicht.

Was einen nämlich restlos überzeugt sind die Problemlösestrategien, die Judy Hopps und Nick Wilde anwenden, um an ihr Ziel zu kommen. Sie nutzen die Vielfalt oder Besonderheiten der Bewohner für ihr Ermittlungen und arbeiten sich somit dahin, wo Hopps engstirnige Kollegen bisher gescheitert sind.

Das alles ist in der Welt der Animation bei Weitem nicht neu, wirkt hier aber nicht so bemüht, sondern rundum gelungen. Auch die Verknüpfung von zwei Zielgruppen ist ausgezeichnet gelungen und spricht für die Hingabe an diesen Animationsfilm. Integration wird hier ganz neu und außerdem sinnig gedacht. Mit anderen Worten: Zoomania schafft es, dieses Paket und  noch mehr zu schultern. Ein großer und wichtiger Film, der zu begeistern vermag.

Zum Schluss reiche ich das Mikro an Häsin Judy Hopps, die da sagt:

“Life’s a little bit messy. We all make mistakes. No matter what type of animal you are, change starts with you.”

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3 Gedanken zu “Zoomania (2016) von Byron Howard, Rich Moore & Jared Bush

  1. Jupp… volle Zustimmung. Ein rundum gelungener Spaß in einer sehr faszinierenden Welt… bei dem Film frage ich mich allerdings schon, ob Disney uns da demnächst noch mit Dutzenden Fortsetzungen quälen wird. Schließlich könnte man in der Stadt bleiben und andere Charaktere verfolgen.

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