Cowspiracy (2014) – Das Geheimnis der Nachhaltigkeit von Kip Andersen und Keegan Kuhn

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Der etwas reißerisch geratene Titel, führt bereits zum Kern dieser Umwelt-Dokumentation. Das Thema Nachhaltigkeit dürfte wohl schon jedermann aus den Ohren hängen, obwohl sicherlich nicht mal die Hälfte genau weiß, wovon man eigentlich spricht. So auch Dokumentarfilmer Kip Anderson, der sich zwar umweltpolitisch beteiligt, aber von den Informationen der großen Umweltorganisationen abhängig ist, wie wir alle. Dieser nimmt uns mit auf einen Streifzug durch die amerikanische Nahrungsmittelindustrie und erklärt uns die Hauptproblematik der Nachhaltigkeitsdebatte. Das Problem ist auch hier natürlich der Mensch, aber, etwas differenzierter, ist es hier vor allem die Agrarwirtschaft des Menschen. In kurz: Wir sind zu viele und entnehmen mehr als wir zurückgeben. Nichts Neues? Doch! Denn wir Menschen entnehmen auch unter dem Siegel der Nachhaltigkeit zu viel. Wer sich als darauf ausgeruht hat, Fisch aus nachhaltigerer Fischerei zu kaufen oder aufgrund von Energiesparlampen erst mal im Dunkeln zu sitzen, tut sicherlich etwas für (bzw. gegen) die jeweiligen Bereiche, hier Massentierhaltung und Energieverbrauch, trägt aber wenig zum Thema Nachhaltigkeit bei.

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Auch „glückliche Kühe“ benötigen Land, für das Platz geschaffen werden muss (Regenwald weg), benötigen Wasser (extremer Wasserverbrauch), werden durch Getreide ernährt (Wasserverbrauch hoch, Land weg), produzieren Unmengen an Methan und Dung (Umweltverschmutzung hoch), und werden schlussendlich geschlachtet (Refund: wenig bis gar nicht). Weiterhin wird durch den rasanten Bevölkerungszuwachs immer mehr Vieh benötigt, um die durchschnittlichen Anforderungen zu bedienen, was nicht nur zu den genannten Problemen führt, sondern auch zur Verdrängung  anderer Arten führt und damit das gesamte Ökosystem kippen lässt. Warum nun Cowspiracy? Die beiden Produzenten gehen dem Problem der Offenlegung nach, denn sie fragen sich, warum offenbar viele Organisationen, die sich der Umwelt verschrieben haben (wie z.B. Greenpeace),  wissen, dass wir schlicht und ergreifend zu viel Fleisch essen, jedoch keine dieses als Kernthema aufnimmt, geschweige denn etwas dagegen tut. Die Antwort ist hier, wie überall die gleiche. Lobbyismus, Geld und Druck von oben.

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Andersen und Kuhn produzierten das Ganze und finanzierten es ursprünglich durch Crowdfunding auf Indiegogo. Der in San Francisco lebende Andersen ist unter anderem Unternehmer und Yoga-Lehrer, welcher sich seit der Sichtung des Al Gore-Films „Eine unbequeme Wahrheit“ für den Umweltschutz engagiert. Er gründete AUM Films and Media, eine gemeinnützige Organisation, die sich mit Filmbeiträgen dem Mitgefühl und der Harmonie aller Lebewesen verschrieben hat. Keegan Kuhn stammt ebenso aus San Francisco und ist Video- sowie Dokumentarfilmer. Auch er setzt sich für soziale Belange ein und interessierte sich vor allem für soziale Gerechtigkeit. Beiden ist somit ein Interesse gemein, für ein soziales Gleichgewicht zu sorgen und Missstände innerhalb dessen aufzudecken. Zu Wort kommen in Cowspiracy unter anderem Dr. Richard Oppenlander („Food Choice and Sustainability“), Michael Pollan („The Omnivore’s Dilemma“ uvm.), Dr. Will Tuttle („The World Peace Diat“), Howard Lyman (Ehemaliger Viehzüchter und Tieraktivist), Will Potter (Journalist; „Green Is the New Red“) und Will Anderson (Greenpeace), welche alle den Grundton der Ausgeglichenheit aufgreifen, den die beiden Produzenten anbringen.

Natürlich geht es darum weniger Fleisch zu essen, sehr viel weniger und davon noch mal die Hälfte, aber es geht eben auch um etwas anderes. Wie will der Mensch sich selbst begreifen? Sind wir ein Teil dieses Ökosystems oder verwerten wir es nur? Wir sind dafür geschaffen, mit der Natur und ihren Ressourcen im Gleichgewicht zu leben, nicht sie zu verdrängen. Unsere Einstellung gegenüber der Umwelt muss sich massiv ändern, nicht die gegenüber Umweltverschmutzung. Es geht nicht nur darum, wie man dagegenwirkt, sondern wie man sich als Teil des Ganzen begreift. Anders: Wer in der Lage ist Hühnchen zu essen, sollte auch in der Lage sein, das Huhn zu halten, es dann zu schlachten, es auszunehmen, zu rupfen, zu zerlegen und zuzubereiten (schon allein dieser zeitliche Aufwand sollte zum Denken anregen). Denn dies wäre der natürliche Weg mit unseren Ressourcen umzugehen. Wir alle kennen Mitgefühl gegenüber Lebewesen, welches nicht umsonst in uns verankert ist. Damit ist nicht gemeint, deshalb auf Fleisch zu verzichten und alle Tiere ganz, ganz lieb zu haben, sondern im Verbrauch ein wenig auf dieses Gefühl zu vertrauen. Der Fleischkonsum würde sich  drastisch reduzieren, wenn wir mehr mit unserer Natur umgehen müssten, als wir es heute tun.

Cowspiracy spricht dies durchaus auch an, fokussiert sich aber eher auf Umweltorganisationen, die sich davor scheuen diese Hauptproblematik mit aufzunehmen. Dabei werden viele Fakten genannt, die uns sachlich vor Augen führen, wie wenige dieser Informationen doch letztlich auf unserem Teller landen und wer letztlich Herr und Verursacher der Lage ist. Stellenweise tritt Kip Andersen etwas zu sehr in den Vordergrund und auch die Aufmachung kommt sehr selbstinszenatorisch daher, woran man sich erst einmal gewöhnen muss. Nichtsdestotrotz und vielleicht auch gerade deshalb, brennen sich manche Fakten förmlich ein und regen sicherlich zum Nachdenken an, was bekanntlich manchmal auch in Verhaltensänderungen mündet. Hoffentlich.

DVD-Infos

Verleih: Polyband Medien GmbH

VÖ-Datum:18.03.2016

FSK: 6

Laufzeit: ca. 86 Minuten

Bildformat:16×9 anamorph (2,35:1)

Sprache: Deutsch Dolby Digital 2.0 Englisch Dolby Digital 2.0

Untertitel: Deutsch

Ländercode:2

Anzahl Discs:1 Verpackung: Softbox in O-Card

Bonus: Originaltrailer Land: USA

Regie: Kip Andersen, Keegan Kuhn

Darsteller: Kip Andersen, Keegan Kuhn

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