Tatort: Fünf Minuten Himmel von Katrin Gebbe

Event-Tatort Freiburg, Folge 981

Wenn die ARD ankündigt, dass es noch nicht feststeht, ob der Tatort in dieser Konstellation fortgesetzt wird (womöglich in einer anderen Stadt), muss dieser, Murphy’s Law gemäß, sehenswert sein.

Wir befinden uns in Freiburg und blicken auf die schwangere Hauptkommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch), die ihren Einstand im Freiburger Kommissariat gibt. Kommissariatsleiter Volker Gaus (Holger Kunkel) und Kommissar Hendrik Koch (Max Thommes) empfangen sie badisch. Der Einstand bezieht sich auf den Todesfall Holger Kunath (Michael Moritz), der als Sachbearbeiter im Job-Center nicht nur seinem Job nachgeht. Familie Mai ist auf Kunath angewiesen gewesen, da dieser dafür verantwortlich war, pünktlich die Mietschuld für die Sozialwohnung auszugleichen, was in rechtlicher Konsequenz in einen drohenden Rauswurf mündet. Cornelia (Julika Jenkins) und ihre Tochter Melinda Mai (Rosemarie Röse), die noch den Verlust des Ehemann und Vater betrauern, müssen nun Angst um ihre Bleibe haben, während ihr Nachbar Herr Kunani (Grandios: André Benndorff) mit Aaalen in der Badewanne, bereits die bevorstehende Apokalypse ankündigt. Investor Rüdiger Fest hingegen freut es, da er mit dem Grundstück schon andere Pläne hat. Abseits der Immobilien-Rangelei lässt sich Melinda mit dem Sohn Titus Kunath (Oskar Bökelmann) des Toten ein und zieht sich damit den Zorn seiner Freundin Harriett (Anna-Lena Klenke) zu. Dies wird erst richtig komplex, als Fronten innerhalb der Clique gewechselt werden und der soziale Brennpunkt seinen Abdruck zeigt. Hauptkommissarin Ellen Berlinger trifft nach fünfzehn, in London verbrachten, Jahren wieder auf ihre Mutter Edelgard Berlinger (Angela Winkler), die alles andere als erfreut über die Rückkehr ist. So kämpft in diesem Tatort jeder mit alten Bindungen, die mit voller Härte zuzuschlagen wissen.

Puh, was für Verstrickungen. Solch komplexe Handlungsstränge hat man nicht oft am Sonntagabend. Dieser Tatort folgt zwar einfach dem Verlauf der Ermittlungen, weiß dabei aber eine Geschichte zu erzählen (Skript: Thomas Wendrich), die hängen bleiben dürfte. So bleiben doch einige offene Fragen nach Schluss, die es noch zu beantworten gälte. Regisseurin Katrin Gebbe setzt dabei auf voll auf ihre Schauspieler und weiß diese gut in Szene zu setzen. Heike Makatsch spielt einfach geraderaus und findet eine schöne Balance zwischen beruflichem Durchsetzungsvermögen und ihrer familiären Geschichte. Der Hintergrund dieser Geschichte hat Spuren hinterlassen, und nichts an Wirkung eingebüßt. Die badische Mundart, die ihr aus dem Kommissariat entgegenkommt, lässt sie nur noch fremder und abseitiger wirken, was ihrer Rolle. Über die Kommissarin und ihre Kollegen erfährt man nicht viel, dafür umso mehr über Beteiligten am Mordfall.

Der ein wenig breit angelegte rotzige Jugendsprech hätte an mancher Stelle etwas kürzer treten können, aber alles in allem verkörpern die Schauspieler, vor allem Anna-Lena Klenke und Rosemarie Röse, ihre Rollen emotional nachvollziehbar, was dazu führt, dass die Jugendlichen weitestgehend die vorherrschenden Umstände aufzeigen, atmosphärisch stimmungsvoll und bedrückend. Trauer und Kompromisslosigkeit herrschen in dem Viertel der Jugendlichen, aber auch von außen kommt nicht viel Gutes, sodass Türen nicht nur sinnbildlich verschlossen bleiben.

Freiburg in seiner hässlichsten Seite beeindruckt mit fast schon nebensächlicher Armut und Hinterhofstimmung. Die Dramatik der vergessenen Sozialhilfeempfänger verdichtet sich durch die Zeit, die hier für jeden anders ticken müsste. So braucht es bei einem ein Jahr der Ohnmacht, bei dem anderen fünfzehn, bei wieder einem anderen eine gänzlich andere Definition. Ämter und Behörden kennen diesen Stillstand nicht und geben für schlechter Eingestimmte kompromisslos eine Abwärtsspirale vor. Die Folgen davon kann man eindringlich hinter den Fassaden Freiburgs sehen: Bio-Kiffen für fünf Minuten Himmel.

Regie: Katrin Gebbe
Drehbuch: Thomas Wendrich
Darsteller: Heike Makatsch, Angela Winkler, Emilia Bernsdorf, Max Thommes, Holger Kunkel, Christian Kuchenbuch, Julika Jenkins, Rosemarie Röse, Pierre Siegenthaler, Jörg Pose, Jochanah Mahnke, Tabea Hug, Michael Moritz, Oskar Bökelmann, Anna-Lena Klenke, Michaela Caspar, André Benndorff

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10 Gedanken zu “Tatort: Fünf Minuten Himmel von Katrin Gebbe

  1. Oh je, dieses Special hat mir so gar nicht gefallen. Heike Makatsch hat nie so richtig in die ganze badische Szenerie reingepasst. Und die Story war mir einfach so lahm, das ich zwischenzeitlich fast weggenickt wäre beim Zuschauen.

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  2. Seit sie die Leinwand kontaminiert, musste ich über sie schreiben:

    Männerpension: Dann ist da noch Heike Makatsch, jene Backfisch-Moderatorin aus dem Werbefunk der Musikindustrie. Denn wir können uns bei diesem Mädchen wirklich nicht zwischen Bewunderung und Entsetzen entscheiden. Wie sie in „Männerpension“ eine unterbelichtete lispelnde Blondine mit Fischaugen und -mund darstellt, kann von ungeahntem darstellerischem Talent und ebensolcher Wandlungsfähigkeit zeugen. Oder aber von bitterer Realität.

    Resident Evil: Und ex „Bravo-Girlie“ Heike Makatsch als Zombie wäre nur halb so lächerlich, wenn man ihr waidgerecht den Schädel mit großem Kaliber weggeblasen hätte.

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    • Das finde ich dann doch etwas zu hart. Dass sie schauspielern kann, kann man ihr meiner Meinung nach, nicht so einfach absprechen. Aber Geschmäcker sind gottseidank verschieden. Männer-Pension ist bei mir auch schon ewig her. Was hat sie denn in der Zwischenzeit noch gemacht?

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  3. Wer kam nur auf die Idee, die fischgesichtige Makatsch hier einzusetzen?
    Und wem das noch nicht reichte, der wurde mit der Nervensäge Angela Winkler bestraft, dem fleischgewordenen Filmleiden schlechthin.[Und einer Darstellerin, die ich seit derv „Blechtrommel“ hasse.]

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