Tatort (2016): Ein Fuß kommt selten allein von Thomas Jauch

Münster, Folge 986

Klamauk am Sonntag

So ernstgenommen hat sich der Münsteraner Tatort ja nie, aber dieses Mal wurde ganz selbstironisch auf Klamauk im kommenden Tatort verwiesen. Ob sie Recht behalten sollen?

Der Inhalt ist schnell erzählt. Ein Skelett im Walde und Prof. Boerne (Jan Josef Liefers) mit der Klemm (Mechthild Großmann) in der Tanzschule. Das Konzept ist auch schnell klar. Das Skelett hatte im wahrsten Sinne des Worte ausgetanzt, weshalb Thiel (Axel Prahl) und Boerne nun im Tanzsportkreis Blau Weiß Münster ermitteln müssen. Silke Alberich Haller (ChrisTine Urspruch) bekommt das Bundesverdienstkreuz und wird damit für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten ausgezeichnet, was Boerne natürlich stinkt. Im Tanzsport geht es derweil nicht so hilfsbereit zu, denn Leistungsmotivation und überbordender Kampfgeist lassen keinen Platz für kriminalistische Launen. Voran schreitet hier in diesem Sinne vor allem Trainer Andreas Roth (Max von Pufendorf), der seine Schützlinge bis zur Erschöpfung antreibt. In seinem Nacken hängt Orthopäde und Vereinspräsident Dr. Winfried Steul (Thomas Heinze), die beide nicht ganz sauber zu sein scheinen. Aber auch innerhalb der Gruppierung, die den anstehenden Aufstieg gewinnen will, scheint nicht alles so grün zu sein.

Charity für Afghanistan im Tango-Fieber

Konventionell ist dieser Tatort. Die Neckereien zwischen Thiel und Boerne haben ein fast angenehmes Maß erreicht und auch der Mord kommt gewohnt daher. Gewöhnlich trifft es wohl eher, gepaart mit ein paar Unverständlichkeiten. Die Handlung erschließt nach zwei Indizien sofort und kommt auch nicht auf die Idee, zu überraschen. Ja, der Münster Tatort hat Unterhaltungswert und lässt sich besser durchstehen als manch anderer Tatort, geht man nach den Quoten und Meinungen. Von diesem hier kann man das aber nicht behaupten. Es zündet nicht. Die Witze nicht. Die Spannung nicht. Die Zusammenarbeit lahmt ebenfalls. Was jedoch besonders deutlich wird: Die Inspiration scheint irgendwo zwischen alten Mumien und Hinkebeinen hängen geblieben zu sein. Dass hier ein abgefallener Fuß wieder relevant für eine Story wird, kann man auch als Metapher für diese Einfallslosigkeit sehen. Alberich bekommt das Bundesverdienstkreuz, welches dramaturgisch wohin führt? Man weiß es nicht. Die Klemm und der Tango. Auch hier ein Thema: Charity. Dass wohin führt? Genau. Einen relevanten Ermittlungsort kann man auch eleganter einführen. Der traumatisierte Rückkehrer aus Afghanistan. Na, nun aber. Leider auch Fehlanzeige. Was will dieser Tatort? Ratlosigkeit.

„Was macht ihr denn hier an diesem wunderbaren lilafarbenen Tag?“

Musikalisch zumindest gab es zwei herzige Lacher. Die Überführung des Täters zu Footloose und den verstrahlten Vaddern zu Purple Haze sorgen schon für heiteres Auflachen. Ansonsten ist dieser Tatort leider durchgehend Stückware. Die Beschreibung Klamauk wird hier abwertend mit humoristischen Einlagen zu Kosten der Handlung benutzt, also genau das, was man den Münsteranern immer vorwirft. Dieses Mal gabs diesen recht sparsam, aber eben auch ohne Alternative. Das Drehbuch von Stefan Cantz und Jan Hinter scheint dem Zuschauer nur sagen zu wollen, dass Tanzsport hart ist und Erfolg über Leichen geht. Diese Erkenntnis darf man als konsequent erzählt mit ins Bett nehmen. Neu ist das nicht, unterhaltsam leider auch nicht.

Darsteller: Axel Prahl, Jan Josef Liefers, Friederike Kempter, Mechthild Großmann, ChrisTine Urspruch, Max von Pufendorf, Thomas Heinze, Burkhard Bunse, Madeleine Krakor, Philipp Wasmund, Marcus Calvin, Claus D. Clausnitzer, Firat Baris Ar., Mersiha Husagic, Gordon Kämmerer, Max Hemmersdorfer, Nathalie Thiede

Regie: Thomas Jauch

Drehbuch:  Stefan Cantz, Jan Hinter

Kamera: Clemens Messow

Schnitt: Julia Oehring

Musik: Karim Sebastian Elias

 
 
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Ein Gedanke zu “Tatort (2016): Ein Fuß kommt selten allein von Thomas Jauch

  1. Stimme dir zu. Das war der erste Münster-Tatort, bei dem ich eingenickt bin.
    Immerhin habe ich die grandiose Schlussszene noch genossen, wenn der Prof. im Glitzerfummel „I will survive“ gibt…
    ABER: Terence Stamp als Tucke in „Priscilla“ war da noch besser!

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