The Lobster (2015) von Yorgos Lanthimos

By Source (WP:NFCC#4), Fair use, https://en.wikipedia.org/w/index.php?curid=46758339
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Das Paarungsverhalten geschlechtsreifer Hummer

  1. Leidenschaftlich: Hummer fressen sich auch manchmal gegenseitig.. Schüttet das Weibchen jedoch Pheromone aus, entscheidet sich das Männchen lieber für Sex, als für den Snack.
  2. Entblößend: Nachdem sich das Weibchen gehäutet hat, wird es vom Männchen, meist im Herbst, begattet.
  3. Freiheitsliebend: Das Männchen verweilt nach der Begattung noch etwas bei seiner Partnerin, um sie zu beschützen, geht dann aber eigene Wege. 
  4. Ausdauernd: Die Paarung von Hummern kann bis zu 7 Tage andauern und die Geschlechtsreife eines männlichen Hummer lässt auch im Alter nicht nach.
  5. Entscheidungsfreudig: Wenn Hummer sich paaren, kann das Weibchen die Samenzellen bis zu zwei Jahren mit sich herumtragen und selbst entscheiden, wann es sie befruchtet.

Kurzinhalt

Wen wundert es nun noch, dass David (Collin Farrell) gern ein Hummer wäre. Dies ist nämlich die Alternative, wenn er nicht innerhalb von 45 Tagen eine Partnerin in einem dafür vorgesehenem Hotel der Stadt findet. Dabei trifft David auf auf verschiedenste Paarungsversuche und macht auch Bekanntschaft mit zwei anderen Männern: Einem Lispler (John C. Reilly) und einem Lahmenden (Ben Whishaw), der sich mit einer Nasenbluterin (Jessica Barden) zu verbinden versucht. David selbst ist kurzsichtig. Leider befinden sich im Hotel keine passenden Gegenstücke. Zwischen Tanzveranstaltungen, Masturbationsverbot und eigenwilligen Übrigbleibseln von Paaren, wird aber weiter die Propagandamaschinerie angetrieben. Nur Zweisamkeit führt zur Glückseligkeit, nur Zweisamkeit rettet. Wer es nicht auf Anhieb schafft, dem wird Schützenhilfe gegeben. Im Wald um das Hotel befinden sich nämlich noch Loner, die sich ihrer Animalisierung entziehen wollten. In diesen Wald werden ansonsten die Tiere nach der Transformation entlassen. Für jeden erlegten Loner gibt es für die Teilnehmer einen Tag oben drauf. Reizende Aussichten.

Loner auf Abruf

Dies ist der zweite, mir bekannte Film von Yorgos Lanthimos. Nach dem, bei den Oscars 2011 für den besten fremdsprachigen Film nominierten Kynodontas (Dogtooth), kommt hier die nächste verstörende Parabel von Lanthimos. Und sie kommt, wie auch bei Dogtooth, mit selbst verfasstem Drehbuch, zusammen mit Co-Autor Efthymis Filippou. Collin Farell, der David spielt, geht in dieser Welt vollkommen auf und zeigt, was Dating heute eigentlich für Schrecken birgt und wie man sich bereits damit abgefunden hat. Was machen Loner nicht alles, um sich ein passendes Pendant zu suchen. Die darüber getroffenen Entscheidungen sind heute vielmehr rational und kalkuliert. Anders: Paarung ist auch Kontext. David sitzt zwischen Frauen fest, von denen er eine wählen muss, und später, wenn er wählen könnte, wird es ihm verwehrt. Partner werden nicht mehr nach rein emotionalen Empfindungen, sondern nach Gemeinsamkeiten und lebenspraktischen Gesichtspunkten erwählt. Den Rest der Beziehung ist man folglich damit bemüht, diese Fassade aufrechtzuerhalten oder irgendwie zu entschärfen.

„If you encounter any problems you cannot resolve yourselves, you will be assigned children, that usually works.“

Hotel Manager (Olivia Colman)

Aber… Man steht nicht mehr in einem undurchdringlichem Wald, während andere Kinder zeugen und Familienfeste geben. Denn das Paarsein ist nicht etwa Wunsch oder Ziel, sondern Konvention und einziger Ausweg aus diesem Wald. Der Loner hat verzweifelt zu sein und in dieser Verzweiflung muss er alles tun, um diesem Zustand zu entgehen.

An diesem Punkt, würde wohl jeder gern Hummer sein. So zeichnet Lanthimos ein recht unnachgiebiges Bild, welches von der Realität aber nicht weit entfernt ist. Die Mischung aus Dystopie, konstruierter Realität und düsteren Bildern ernüchtern den Sehenden und lassen The Lobster nicht zum Schreien komisch, aber zum Verstören launisch sein.

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7 Gedanken zu “The Lobster (2015) von Yorgos Lanthimos

  1. Ich find’s immer so schade, dass solche Filme es gar nicht erst ins Kino schaffen. Auf den hatte ich mich schon lange gefreut… aber naja, ds Heimkino tut’s dann wohl auch. Liegt schon bereit, jetzt muss ich nur noch Zeit finden, ihn zu gucken… vielleicht, wenn ich auch Hummer da habe 😀

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