Sunspring (2016) von Oscar Sharp und „Benjamin“ – AI goes movies

Zuerst gesehen bei realvirtuality.

Wie würde ein Science-Fiction-Film aussehen, wenn eine künstliche Intelligenz das Drehbuch entworfen hätte? Das kann man im fantastischen Kurzfilm Sunspring sehen, in dem ein LSTM (long short-term memory) das Skript schrieb. Ein intensives Zusammenspiel von Mensch und Maschine und eine nachhaltige Erfahrung für den Zuschauer.

 

Human probabilities

Was gemacht wurde: Das LSTM (long short-term-memory) wurde mit Textdokumenten aus Science-Fiction-Filmen gespeist und daraufhin mit einzelnen Textfragmenten, welche vom Sci-Fi London Filmfestival vorgegeben wurden. Daraus sollte es dann einen zusammenhängenden Text formulieren. Die heutige Texterkennung scannt zum Beispiel ein Buch und schreibt die Wörter, die es meint zu lesen. So kann aus: „Die Antwort auf die große Frage nach dem Leben, dem Universum und allem lautet… 42!“, „Die große Annihilation der Phase nach der Lesung, dem Unikat uns Allwissenden, es läutet… 42!“ heißen. Das LSTM geht einen Schritt weiter und rechnet einzelne Texte auf jeden Buchstaben runter und lernt vorherzusagen, welcher Buchstabe dem nächsten folgen wird. Dann entwickelt es daraus Abfolgen von Wörtern (hier script lines), also ganz neue Sätze innerhalb eines vorgegebenen Kontexts. Den Schauspielern wurde daraufhin eine Rolle nach dem Zufallsprinzip zugeteilt, die sie für sich interpretieren mussten. Auch die Handlungsanweisungen wurden von Benjamin geschrieben. Das sollte man einigen Stellen wissen, Stichwort: Augapfel. 

„My name is…“

Das Ergebnis könnt ihr auch hier auf der Seite von arstechnica sehen. Auch ein Interview mit dem LSTM ist in dem Beitrag zu lesen. Hier ein Auszug, indem „es“ sich auch benannte:

„What’s next for you?“

Benjamin: „Here we go. The staff is divided by the train of the burning machine building with sweat. No one will see your face. The children reach into the furnace, but the light is still slipping to the floor. The world is still embarrassed. The party is with your staff. My name is Benjamin.“

Dies wirft natürlich die verschiedensten Fragen auf. Wie viel Mensch steckt noch in einer Maschine, die etwas interpretiert? Denn immerhin verarbeitet Benjamin ja von Menschen geschriebene Worte. Wie können Motivationen von Maschinen erfasst werden, etwas jetzt genau so und nicht anders zu verarbeiten. Diese Fragen wurden bereits x-mal gestellt, aber lange nicht mehr so unterhaltsam. Für mich brennt nach wie vor die Frage, wie wir Verhalten von Maschinen interpretieren. Wir können nicht umhin, Roboter niedlich zu finden oder bei animierten Filmen mitzufiebern. Im Prinzip ist es unsere emotionale Seite, die uns mit künstlichen Intelligenzen verbindet und uns gleichzeitig davon trennt. Was hätte ich dafür gegeben, Benjamin auch mal etwas fragen zu dürfen.

Nun aber zum Video:

Mich würde interessieren, welche Fragen ihr Benjamin gern gestellt hättet?
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