Schrotten! (2016) von Max Zähle – Von Gurken und Schrottis

Von schnöden Versicherungen geht es hier zum Schrottplatz. Schrotten! ist eine deutsche Komödie, gespickt mit netten Einfällen und zwei grundsympathischen Hauptfiguren. Und natürlich einem Gurkenautomat.

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© Port au Prince Pictures GmbH

Einmal Schrotti, immer Schrotti

Die Familie. Versicherungskaufmann Mirko Talhammer (Lukas Gregorowicz) hat diese hinter sich gelassen, um in Versicherungen und Erfolg zu machen. Bruder Letscho (Frederick Lau) ist hingegen auf dem heimischen Schrottplatz bei seinem Vater Fiete Talhammer (Kalli Struck! Der singende Schrotthändler) geblieben. Als dieser stirbt, wird Mirko kurzerhand von Letschos Freunden Träumchen (Lars Rudolph) und Schmied (Heiko Pinkowski) nach Hause entführt. Dort holt ihn die Vergangenheit schneller ein, als ihm lieb ist. Mit Schulden im Gepäck steht er vor der Entscheidung, den Schrottplatz an den Konkurrenten Wolfgang Kercher (Jan-Gregor Kremp) zu veräußern. Dagegen haben natürlich alle anderen etwas, insbesondere auch die schöne Luzi (Anna Bederke). Letztlich müssen beide Brüder wieder zusammenfinden, um einen kühnen Plan in die Tat umzusetzen. 

by Port au Prince Films

Nach dem Oscar®-nominierten Kurzfilm Raju (2012) verschlägt es Max Zähle in den abendfüllenden Spielfilmbereich und damit, mehr oder weniger, auch auf einen Platz gelagertem Altmaterials. Nach deutschen Genre-Verwandten, wie Fack ju Göhte, Kein- und Zweiohrigem, gab es mit Der Bunker und Toni Erdmann einen steilen Anstieg in Sachen Komödie. Schrotten! kann man getrost dazwischen verorten. So ist Zähle zwar nicht der große Wurf gelungen, aber er wendet sich trotzdem von seinen müde lächelnden Kollegen ab. Mit Hauptdarsteller Lucas Gregorowicz (Unsere Mütter, Unsere Väter, Lammbock), Frederick Lau (Victoria, Neue Vahr Süd) und auch Anna Bederke (Frau Ella, Soul Kitchen) findet er außerdem die ideale Besetzung. Dafür erhielt Schrotten! den Publikumspreis des Max-Ophüls-Preis.

„Lieber tot als Sklave!“

In Schrotten! winden sich die Protagonisten unter dem Erfolgsdruck, nur könnten die Dimensionen nicht unterschiedlicher sein. Beide Brüder müssen schnell zu Geld kommen, um ihren Lebensweg weiter verfolgen zu können. Doch unterliegen dem ganzen Gefüge familiäre Strukturen, die es erst einmal aufzubrechen gilt. Zur Not auch mit einer handfesten Prügelei. Zusammenraufen und sich Stück für Stück die Freiheit erarbeiten. Das kommt auf dem liebevoll gestaltetem Schrottplatz natürlich besonders gut und man kann sich schwer erwehren, diese Szenerie nicht charmant zu finden. Die Außenseiter zelebrieren Familienwerte, Arbeiterkampf und überwinden festgefahrene Grenzen. Das macht Spaß und kann über die ein oder andere Länge hinwegtrösten. Max Zähle hat sich hier auf seine Hauptfigur und dessen Wandlung fokussiert, nimmt sich aber nicht immer die Zeit, deren Veränderungen nachvollziehbar einzuführen. Das führt dazu, dass man innerhalb der Geschichte manchmal wachgerüttelt wird. Am Ende wird es jedoch wieder stimmig und auch an Fahrt wird zugenommen.

Chekhovs Gun

Remove everything that has no relevance to the story. If you say in the first chapter that there is a rifle hanging on the wall, in the second or third chapter it absolutely must go off. If it’s not going to be fired, it shouldn’t be hanging there.

Anton Chekhov

Beim nächsten Mal dürfen es ruhig mehr Gurken, mehr Lokalkolorit und weniger von der Flinte sein, denn entgegen Chekhovs Worten, kann man dieses Gesetz doch allzu ernst nehmen. Und zwar dann, wenn Sätze oder Utensilien in bestimmte Richtungen zeigen. Das führt zu Vorhersehbarkeit, unter der auch Schrotten! mitunter leidet. Macht aber nix, Gregorowicz und Lau feuern die im Zweifel schon ab. 

Schrotten! gibt es seit dem 21. Oktober auf DVD und Blu-ray!

Deutschland: 2016

Buch & Regie: Max Zähle

Darsteller: Mit Lucas Gregorowicz, Frederick Lau, Anna Bederke, Heiko Pinkowski, Lars Rudolph, Jan-Gregor Kremp und Alexander Scheer

Produktion: Tamtam Film in Koproduktion mit dem NDR, HR und ARTE

Länge: 96 Minuten

Format: Farbe | 1:2.35 Scope

Ton: Dolby Digital

Verleih: Port au Prince Pictures

Extras: Die Silberscheibe warten mit Regie-Kommentar entfernter Szenen, dem Musikvideo „Ich glaub nicht an Wunder“ von Kalli Struck und Trailern auf.

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