Mark My Mood – Gefallene Celebrities und wie sie zu finden sind

Ah. Die liebe Öffentlichkeit. Die Grenze zwischen dem Privatleben von Stars und aufmerksamkeitsheischender Gier verschwimmt nur allzu oft. Kommt es zu öffentlichkeitswirksamen Vorwürfen, richtet (es) die Presse. Geht es nach Bill Cosby und Nate Parker nun auch Hitchcock an den Kragen? Wo zieht der geneigte Zuschauer eigentlich die Grenze des Zumutbaren? 

Als Flightattendantmovies auf ihrem Blog (der übrigens sehr lesenwert ist) über Birth of the Nation schrieb, der jüngst durch die Vergangenheit Nate Parkers aufgerührt wurde, sprachen wir kurz darüber, inwieweit unser Wissen über die (hier: eventuell kriminelle) Vergangenheit von Nate Parker das Sehen von Filmen beeinflusst und inwieweit das überhaupt trennbar vom eigentlichen Inhalt sei. Kann man zum Beispiel die Vergewaltigungsszene aus Birth of a Nation tatsächlich vom Hintergrund des Filmschaffenden, hier zudem auch Hauptdarsteller, trennen?

Nun gab im Fall dieses Films ein Novum, das das Publikum zwang zu wählen. Ein Film, der sich für Menschenrechte engagiert und Geschichte wieder aufleben lässt, kann sich schwerlich von dem Recht auf körperliche Unversehrtheit frei machen, auch wenn es Jahre zurückliegt (1999 ereignete sich der Vorfall; Parker wurde für nicht schuldig, aber auch nicht unschuldig erklärt; 2012 nahm sich das Opfer das Leben). Die Zeit sprach sogar von der „Mitverantwortung des Kinopublikums, das sich Eintrittskarten für Filme von mutmaßlichen Vergewaltigern kauft“. Ohne weiter auf die Hintergründe einzugehen, kann man sagen, dass – alles zusammen genommen – mehr als pikant ist. Diskutierfähig allemal.

Tippi Hedren steht, nachdem sie bereits vor ein paar Jahren verlauten ließ, von Alfred Hitchcock belästigt worden zu sein, nun erneut in der Presse. Anlass ist die Veröffentlichung ihrer Memoiren Tippi: A Memoir. Und dieses Mal geht die Mutter von Melanie Griffith wohl etwas mehr ins Detail. Bekannt wurde Hedren durch ihre Rolle in Die Vögel und Marnie. Dort soll der master of suspense so von ihr eingenommen gewesen sein, dass er dafür sorgte, bei den Dreharbeiten sein Büro und ihre Garderobe durch eine Tür miteinander zu verbinden, durch die er ungesehen gehen konnte. Sein Verhalten gestaltete sich nach Hedren so zwanghaft und obszessiv, dass andere Kollegen am Set keinen Kontakt mehr zu ihr haben durften. Körperliche Übergriffe werden ebenfalls durch Hedren beschrieben. Deren Abwehr kosteten sie schließlich sogar ihre Karriere. 

by RTÉ – IRELAND’S NATIONAL PUBLIC SERVICE MEDIA

Niemand wird wohl annehmen, dass Alfred Hitchcock ein Engel war. Dennoch bekommt die ganze Geschichte erst ihren bitteren Geschmack, nachdem man Hedrens stockende Worte gekostet hat. Diese, nennen wir es mal neue Enthüllung, steht damit in einer Reihe von Vorfällen in der Branche, die erst jüngst mit Bill Cosby und eben Nate Parker neu aufgestellt wurde. Es ist der schmale Grat, Vorwürfe in dieser Richtung ernst zu nehmen, aber auch die Integrität der Angeklagten zu wahren, zumindest solange bis die Schuld bewiesen oder die Tat zugegeben ist.

Ältere prominente Beispiele sind hier vor allem Woody Allen und Roman Polanski. Deren Fälle sprechen, genau wie bei Cosby und Parker, eine differenzierte Sprache. Während bei Polanski die Schuldfrage nicht angezweifelt wird, steht diese bei Allen bis heute im Raum. Niemals ruhend, wird sie bei Auftritten oder Filmfestivals hervorgeholt, wie zuletzt auch in Cannes, wo Allens Café Society das Filmfestival eröffnete. Sohn Ronan Farrow nutzte dort die Gelegenheit um den medialen Umgang mit Aussagen seiner Schwester zu kritisieren, selbst auch Journalist. Warum bekommen die anklagenden Opfer eine halbe Seite Aufmerksamkeit, die prominenten Angeklagten eine ganze? Lesenswert und wichtig. Dem Erfolg Allens tut das keinem Abbruch. Seit den laut gewordenen Vorwürfen wurde der verschrobene Stadtneurotiker neun mal für den Oscar nominiert, für Midnight in Paris (Bestes Drehbuch) gab es die Auszeichnung. Und solange wie Schuld nicht bewiesen ist, gilt jemand faktisch auch als unschuldig. Doch, wenn Allens Schuldfrage bis heute – einem Luftloch gleichend, für ein kurzes wiederholtes Ruckeln sorgt – sich dann aber wieder fängt, fragt man sich: Was soll das Ganze eigentlich und wohin soll es denn? Wie geht man damit um?

Man kann sich zum Beispiel entscheiden, ob man die betreffenden Werke weiter sehen möchte oder boykottiert. Man kann den Dreck auch lässig vom Schuh abstreifen und weiterlaufen. Ermessenssache. Oder man wartet bis der Schmutz zuviel wird, wie bei Bill Cosby. Die Fülle der Anklägerinnen kosteten ihn nicht nur seine Karriere, sondern auch seinen Ruf. Diese Endgültigkeit dürfte auch vor allem damit zusammenhängen, dass Cosby als Darsteller eines liebevollen Ehemanns sowie Familienvater bekannt ist und diese Diskrepanz das breite Publikum bis ins Mark erschütterte. Hier konnte man nicht mehr das Werk vom Künstler trennen. Es wurde ihm sogar zum Verhängnis. 

Dieser kurzen Logik folgend, müsste man doch aber auch Winona Ryder ihren Ladendiebstahl filmisch nachtragen, Josh Brolin, die häusliche Gewalt, derer er angeklagt war und Mel Gibson seinen unverhohlenen Rassismus. Wie stehts mit Tom Cruise und seiner engen Verbindung zu Scientology? Je eindeutiger und schwerwiegender, umso mehr müsste man. Konjunktiv. Immer vorausgesetzt, man besitzt dieses Wissen, welches ja auch noch großporig durch die Medien gefiltert wird. Auch in Marnie könnte man sich mit diesem neu aufgewühlten Hintergrund schwertun. 

by John McClane

Wie seht ihr das? Könnt ihr im Falle eines solchen Vorwurfs noch unbeeinflusst das Werk desjenigen genießen? Und wenn ja, warum? Wo wäre die Grenze erreicht?

Mark My Mood stammt von Mark my words (Denk an meine Worte!), soll jedoch nicht mahnend klingen, sondern nur aufgreifen, dass es sich um einen thematischen Ton handelt. Eure Meinung ist gefragt und – wie immer – gern gesehen.

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10 Gedanken zu “Mark My Mood – Gefallene Celebrities und wie sie zu finden sind

  1. Wurde gerade erstmal vom Kommentieren abgehalten, weil ich erstmal eine Menge über die erwähnten Personen nachlesen musste, was ich nicht wusste.

    Schwieriges Thema. Ich find es ja generell immer schwierig, wenn Anschuldigungen gegenüber Prominenten sofort an die Presse kommen. Es gibt Medien, die den betreffenden Promi sofort an der Luft zerreißen, und andere, die das Opfer als Lügner(in) darstellen, selbst wenn noch gar nicht klar ist, wer recht hat. Die Presse muss dabei nicht unbedingt Einfluss auf das Gerichtsurteil haben, aber sehr wohl auf die öffenrliche Meinung, was der Karriere einer Person bzw. dem öffentliche Bild ziemlich schaden kann.
    Aber gut, lässt sich nicht immer verhindern.

    Nach der altbekannten Unschuldsvermutung würde ich zumindest bei Promis, deren Schuld nicht bewiesen ist, nichts daran ändern, ob ich ihre Filme sehe. So wie jemand für etwas nicht juristisch bestraft wird, was nicht bewiesen ist, würde ich ihn auch nicht in seiner Arbeit bestrafen.

    Aber Schauspieler oder Regisseure zu boykottieren stelle ich mir auch schwierig vor, weil an einem Film ja auch noch so viele andere Menschen beteiligt sind, die nicht alle unter den Taten eines einzelnen leiden sollten. Ich denke, wenn sich da jemand echt ein wirkich starkes Stück leistet, wäre es eher an den Produzenten, Regisseuren, Schauspielern und wem auch immer, nicht mehr mit ihm zusammenzuarbeiten, wenn sie meinen, dass sie das nicht mit sich vereinbaren können.

    Und dann wäre da ja noch die Tatsache, dass erwiesenermaßen Schuldige normalerweise vom Rechtssystem bestraft werden und dann das Recht auf eine zweite Chance haben. Theoretisch. Für immer für einen Fehler gebrandmarkt zu werden ist ja auch nicht unbedingt gut.

    Was ist eigentlich mit Dingen, die eher Mitleid für einen Promi wecken? Da fällt mir gleich wieder Polanski ein (Sharon Tate). Machen die seine Arbeit jetzt besser oder unterstützenswerter? Muss man Arbeit und Privatleben von Prominenten grundsätzlich trennen?
    Hat vielleicht auch was damit zu tun, ob sich jemand in seinen Werken zB für etwas einsetzt, was er dann selbst nicht vertritt bzw verletzt, oder ob seine Werke gar nichts mit seinem Privatleben zu tun haben.

    So eine richtige Einstellung habe ich zu dem Thema aber eigentlich nicht. Es gibt viele Promis, die Dinge getan haben, die ich nicht gutheißen kann. Aber ich fürchte, selbst wenn ich sicher wollte, könnte ich sie nicht konsequent boykottieren. Obwohl ich es zum Beispiel total abartig finde, dass Roman Polanski mit einer 13-jährigen geschlafen hat, wird „Tanz der Vampire“ immer eines meiner Lieblingsmusicals bleiben, weil daran einfach total viele Erinnerungen hängen.

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    • Mit deiner Erlaubnis lösche ich den zweiten Kommentar. Ich gehe dem mal nach, denn normalerweise sollte es eine Information nach dem Absenden geben, dass der Kommentar noch freigeschaltet werden muss.

      Gerade das mit den Erinnerungen kann ich natürlich verstehen. Es geht mir da nicht anders. Und stimmt: Polanski und Tate jagt mir heute noch einen Schauer über den Rücken.

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  2. Ich glaube, dass die Zuschauer früher (also zu Hitchcocks und Polanskis Skandalzeiten) nicht große Möglichkeiten hatten, sich über die Hintergründe zu informieren. Damals gab es natürlich auch Tageszeitungen, Fernsehen und die Klatschpresse, es wurde aber viel von den großen Hollywoodstudios gedeckelt. Heute im digitalen Zeitalter ist das Beschaffen von Hintergrundinformationen viel einfacher geworden… auch wenn immer noch viel vertuscht wird…

    Ich kenne und liebe viele Hitchcock-Filme und würde auch bei Filmen, die ich von ihm noch nicht gesehen habe, mein Sehen dieser Werke nicht ändern. Polanskis Fall ist auch so lange her, das habe ich auch nicht live erlebt – sein Skandal hat und wird die Bewertungen zu seinen Filmen nicht beeinflussen. Bei Woody Allen ist das etwas anderes, den sehe ich auch durch seine Film als alten Lustmolch. Wenn ich die Wahl habe (und das hat man in den U.S.A. meistens) kaufe ich mir ein Kinoticket für einen anderen, zur selben Zeit laufenden Film und gehe dann für umsonst in seinen. Was aber alle drei Regisseure gemein haben, sie haben alle einen unverwechselbaren Stil, eine Handschrift und das ist letztlich das, was Filmliebhaber schätzen.

    Bei Bill Cosby, den Du beispielsweise auch erwähnt hast, erlebe ich den Skandal auch live mit. Seine Serie habe ich damals gerne geschaut, heutzutage würde ich mir nie wieder etwas Neues mit ihm anschauen und wenn alte Folgen seiner Serie laufen, würde ich ihn mit ganz anderen Augen sehen. Und so verhält es sich auch mit Mel Gibson, Charlie Sheen und vielen anderen…

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  3. Es ist ein durchaus interessantes Thema. Schön dass Du es generell aufgreifst. Und danke für Deinen Link. 🙂

    Bei Nate Parker ist der große Unterschied zu Alfred Hitchcock, Woody Allen, Roman Polanski und ja auch Mel Gibson, dass sie bei Bekanntwerden des Skandals bereits etablierte Filmschaffende waren. D.h. sie hatten uns schon wunderbare, für viele unverzichtbare Filme „geschenkt“.

    Alfred Hitchcock: Vor über 30 Jahren und nach seinem Tod (durch ein anderes Buch „The Dark Side of Genius: The Life of Alfred Hitchcock) ist seine dunkle Seite bekannt geworden. Tippi Hedren hat nun durch die Veröffentlichung ihrer Memoiren ihren Fall neu aufgegriffen. Was wäre die Filmwelt ohne seine Klassiker? „Rebecca“, „Rope“, „Rar Window“, To Catch a Thief“, „Vertigo“, „North by Northwest „Psycho“ etc. Er war privat sicher kein Engel, aber er ist lange tot und kann sich nicht mehr rechtfertigen. Nie hat er als Regisseur einen Oscar gewonnen, das ist der Skandal.

    Roman Polanski hatte uns vor der Vergewaltigung einer 13-Jährigen bereits oscarnominierte und ebenfalls brillante Filmwerke wie „Rosemary´s Baby“ und „Chinatown“ geliefert. Seine Tat wird dadurch nicht ungeschehen, nach mehr als 40 Jahren hat ihm aber sein Opfer mittlerweile vergeben. Hollywood hat ihm offensichtlich auch vergeben, sonst hätte er den Regie-Oscar für „The Pianist“ nicht gewonnen.

    Woody Allens Fall ist 1992 ans Licht gekommen. Zu dem Zeitpunkt war er bereits in unserem Bewusstsein für Filme wie „Annie Hall“, „Manhattan“, etc. und hat seither weitere brillante Filme wie „Match Point“, „Midnight in Paris“ und vor allen Dingen „Blue Jasmine“ inszeniert. Bei ihm finde ich es schwierig, wenn er (der alte Zausel) in seinen Filmen mitspielt und von wesentlich jüngeren attraktiven Frauen umworben wird. Hinsichtlich seines Falles ist das schwierig – auch fehlt ihm da offensichtlich das Realitätsbewusstsein. 🙂

    Mel Gibson war seit den 1980er Jahren als Schauspieler bekannt, bis er in den 1990er Jahren auch in das Regiefach wechselte. Bereits mit seinem 2. Film „Braveheart“ hat er den Oscar gewonnen. Sein antisemitischer Alkoholausraster war im Jahr 2006. Das war unfassbar und dumm noch dazu (in Hollywood solche Äußerungen zu tätigen, kann und hat seine Karriere für eine Weile beendet). Aktuell ist er mit einem Film am Start, mal sehen, ob Hollywood schon bereit ist, ihm zu verzeihen.

    Skandale gab es schon immer, in der heutigen Zeit ist es durch die sozialen Netzwerke aber für die Filmschaffenden mit Sicherheit noch schwieriger geworden, schnell gerät man durch Worte schon in einen Shitstorm. Man muss jeden Einzelfall betrachten. Verzichte ich darauf mir Filme von Clint Eastwood anzuschauen (weil er den unwählbaren Präsidentschaftskandidaten unterstützt)? Tom Cruise hat eine Zeitlang seine Werbetour für seine Filme dazu genutzt, um Werbung für seine Sekte zu machen. Das geht gar nicht – und da kann man auch nicht mehr zwischen Schauspieler und privater Person unterscheiden.

    Auf der einen Seite steht die juristische Frage, auf der anderen Seite die vielleicht noch wichtigere moralische Frage. Auch ist es wichtig, wie derjenige mit dem Skandal umgegangen ist. Zeigt er Reue? In den U.S.A. wird erwartet, dass man sich entschuldigt. Nate Parker hat sich auch durch seine Aussagen ins Aus geschossen. Die meisten wussten gar nicht, wer er ist. „The Birth of a Nation“ sollte sein großer Durchbruch sein.

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    • Gern. Ich danke dir für deine geballte Kompetenz zu dem Thema! Du siehst mich ehrlich beeindruckt. Ich finde den Aspekt mit der Einsicht und Entschuldigung auch nicht ganz unwichtig. Was Allen angeht: Vor einem Dreivierteljahr habe ich auf Empfehlung Manhattan geguckt und ich hatte nicht die ganze Geschichte auf dem Zettel. Aber ich weiß, was du meinst. Mich haben manche Stellen wirklich angewidert. Nur könnte es ja durchaus sein, dass es aus diesem Hintergrund heraus entstanden ist und diese Vorwürfe tatsächlich nicht stimmen. Schon allein deshalb, weil sie einem Scheidungs-Szenario laut und groß geworden sind. Es bleibt schwierig. Bei Hitchcock komme ich wahrscheinlich nicht umhin zu denken, dass seine Genialität aus seiner Obszession heraus entstanden ist. Das verändert natürlich das Sehen dieser Werke enorm! Andererseits gab es schon immer „schwierige“ Kunst. Der Triumph des Willens, Tod in Venedig…Vielleicht sind wir heute auch nicht mehr so bereit die Hintergründe außer Acht zu lassen, wie es früher der Fall war.

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  4. Ach je, da sprichst Du ein Thema an, das mir immer wieder mal Probleme bereitet. Der Zeit-Artikel trägt, meiner Meinung nach, ein wenig dick auf. Wo sind dann die Grenzen der Mitverantwortung zu ziehen? Was ist, wenn Amazon einen Allen Film streamt? Gleich Prime kündigen? Was, wenn ein Polanski in der ARD läuft? Kann (nein muss) ich dann meine GEZ einbehalten oder zumindest kürzen? Blödsinn. Aber ein ungutes Gefühl bleibt ja doch. Schlimmer noch, wenn man sich mit dem Polanski Fall beschäftigt und sich die Reaktion von Rest-Hollywood ansieht stellt man fest, dass das ganz sicher kein Einzelfall war. Das Besondere war, dass sein Opfer nicht bereit war es zu akzeptieren und dass sich ihre Familie hinter sie gestellt hat. Roman Polanski ist kein herausragendes Monster sondern ein ganz normales Produkt seiner Zeit und Umgebung. Und das macht ja schon mal alle Filme der 60er (und davor) zumindest suspekt.
    Und ist es heute wirklich viel besser? Oder ist man als Hollywood-Star immer noch ziemlich sicher, egal was man tut, solange man noch den richtigen Leuten Geld und Prestige einbringt? Die Vorwürfe gegen Cosby waren ja nicht neu, der Unterschied war nur, dass er seit langer zeit nichts erfolgreiches mehr produziert hat, als die Vorwürfe endlich Fuß fassten. Gegen Bryan Singer gibt es seit den 90ern Vorwürfe von jungen Männern er habe sie belästigt oder schlimmeres. Aber Singers Filme machen Millionen, folglich muss man in der richtigen Woche in die hinteren Seiten der Zeitung schauen, um diese Vorwürfe überhaupt zu finden. Ich weiß nicht, ob ich zu zynisch bin und es gibt Fälle, wie Mel Gibson, wo auch Erfolg nicht vor der Selbstzerstörung schützt aber Geld und Prestige sind schon ein verdammt guter Schutzschild. Prestige sogar noch nach dem Tod, siehe Hitchcock.

    Ich gebe zu, ich schaue noch Polanski Filme. Ich zahle nicht für sie – alle DVDs seiner Filme, die ich hier habe bekam ich geschenkt aber schauen tu ich sie. Eine harte Grenze ziehe ich da, wo der Film integrativer Teil der missbräuchlichen Handlung wird. Filme von John Derek, zum Beispiel, in denen Bo Derek jeweils mit einem viel älteren Mann in einer abhängigen Beziehung zusammen ist und stets betonen muss, dass sie sich kennengelernt haben, als sie noch minderjährig war aber ihre Beziehung jetzt total supi ist (ihre Beziehung bagann als sie 14 war, er 30 Jahre älter, sie verliessen die USA als sie 16 war, um die Gesetze zu umgehen). Oder Dario Argento, der Tochter Asia, kaum dass sie volljährig war in voyeuristischen Nacktaufnahmen in seinen Filmen zeigte. Oder Filme mit bekannten Fällen von unsicheren Arbeitsbedingungen oder Tierquälerei. Aber auch das muss man erst einmal wissen.
    Okay, das ist jetzt peinlich lang geworden… ich mach mal Schluss.

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    • Danke für deinen ausführlichen Kommentar. Der Aspekt mit Erfolg und Macht ist auch sehr interessant. Und vielleicht hast du Recht, dass das Cosbys Untergang herbeigeführt hat. Für mich ist das sehr schwer zu trennen und ich wünschte manchmal, es wäre anders. Oben schrieb ich bereits, dass es eben schon immer problematische Kunst gab. Nur heute sind wir nicht mehr so gewillt Werke vom Künstler zu trennen. Bei Cosby, geschenkt. Bei Polanski, Allen (wobei ich ihn sehr überschätzt finde) und eben Hitchcock sieht das ganz anders aus. Das, was man an Hitchcocks Filmen schätzt, könnte man ebenso seiner Neigung zur Obszession und vielleicht schlimmeren zurechnen. Wie Allens Filme sicherlich auch Ausdruck seines Narzissmus sind.

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      • Falls Du es nicht kennst, kann ich Dir zu Hitchcock nur das Interview Buch von Truffaut empfehlen „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“. Da ist er ziemlich offen, insofern bei ihm fetischistische Sexualität und spätviktorianische Verklemmtheit recht hart aufeinandertreffen. Gerade im Bezug auf ‚Marnie‘ steht da einiges Interessantes drin.

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