Fantastic Beasts and Where to Find Them (2016/OV/3D) von David Yates und die Jagd nach dem findigen Niffler

Schön, mal wieder in die magische Welt abzutauchen, wenn auch nur als schnöder Muggel, ähm No-Maj. Während ich meinen entschwundenen Niffler suche, könnt ihr ja schon mal die folgenden Zeilen lesen. 

Alohomora!

Incendio!

Newt Scamander (Eddie Redmayne) zieht es nach Amerika. Genauer: Nach New York im Jahre 1926. Mit dabei ist sein alter Koffer, voll mit magischen Kreaturen. Dort finden sich unter anderem ein Niffler, Bowtruckles oder Frank, ein überdimensionaler Thunderbird, der Heimweh hat. Besagter Niffler ergreift auch gleich seine erste Chance zur Flucht, während Newt auf Mary Lou Barebones (Samantha Morton) trifft, Anführerin der NSPS (New Salem Philanthropic Society, auch Second Salemers). Diese hat es sich zum Ziel gesetzt Zauberer und Hexen aufzuspüren und zu vernichten. In ihrer Obhut befinden sich zwei Waisenkinder – Modesty (Faith Wood-Blagrove) und Credence (Ezra Miller) – die sie stetig mit ihren Drohgebärden füttert. Auf der Jagd nach seinem Niffler, der bereits Handtaschen und die Schätze der nehegelegenen Bank inspiziert, trifft Newt auf den „No-maj“ (amerikanisch für Muggel) Jacob Kowalski (Dan Fogler). Unglückliche Umstände führen die beiden zusammen und Newt offenbart sich ihm ungewollt als Zauberer. Dies bekommt auch Porpentina „Tina“ Goldstein (Katherine Waterston) mit, die ihn, nachdem auch Kowalski entwischt ist, zu Seraphina Picquery (Carmen Ejogo), der Präsidentin der MACUSA (Magical Congress of the United States of America), führt. Dort stellen Auror Percival Graves (Colin Farrell) und auch alle anderen erschrocken fest, dass Newt seinen Koffer mit dem von Kowalski vertauscht hat und dieser nun die magischen Kreaturen bewacht.

Das kann ja nicht gut gehen…

by Warner Bros. Pictures

Es beginnt…

Nun ist es endlich soweit, das Potterverse nimmt seinen Lauf. J.K. Rowling hat sich eigens dafür hingesetzt, um das spätere Lehrbuch Harry Potters – Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind – in ein Drehbuch zu verwandeln, das uns Zuschauer in die Zeit seiner Entstehung, zurückversetzt. David Yates presst diesen Stoff in ein buntes Abenteuer voller, ja, phantastischer Entdeckungen. In dieser magischen Welt gibt es viel zu entdecken und neues zu lernen, ohne dass ihr jedoch der Charme der alten Filme fehlt. Ist man einmal in den Koffer mit hinabgestiegen, will man am liebsten nie wieder heraus. Das kommt nicht von ungefähr. Zum einen strotzt die Welt mit ihren Wesen vor Einfallsreichtum und Phantasie, zum anderen ist die Konstellation dieses Mal eine andere.

Höhen und Tiefen

Man führt hier einen Muggel (Ich spüre noch innere Widerstände gegen „No-Maj“) in die Haupthandlung ein -gespielt von Dan Fogler (Europa Report, Taking Woodstock, Take Me Home Tonight). Pfiffig! Als unser Stellvertreter darf dieser laut und augengroß staunen und sich in den liebevollen Zauber verlieben, der ganze Generationen begeistert. Dan Foglers Jacob Kowalski gibt sich bodenständig, ist aber der heimliche Star des Films. Es ist eine Wonne, durch ihn hindurch zu sehen. Eddie Redmayne (Die Entdeckung der Unendlichkeit, Jupiter Ascending, The Danish Girl) als Newt ist ebenso sympathisch, gerät stellenweise aber zu albern bis hin zu notpeinlich. Stichwort: Erumpent (Overacting wird in dieser Minute neu definiert). 

Neugierig darf man auch auf die weiblichen Figuren sein, die hier noch nicht genug Raum bekommen haben, alles zu geben. Sicherlich wünscht man sich vor allem mehr von der Beziehung Jacob Kowalskis und Queenie („Strudel“) Goldsteins alias Alison Sudol (The Gray in Between, Little Black Boot, Dig) zu sehen. Auch Ezra Miller (grandios! Dating Queen, Batman v Superman: Dawn of Justice, Suicide Squad) hat das Potential, noch mehr aus seiner Figur Credence Barebone zu holen. Colin Farrell (Fräulein Julie, The Lobster, Die Vorsehung) als Percival Graves ist physisch präsent, hat inhaltlich aber wenig Spielraum bekommen. Und der kann es eigentlich, wie man zuletzt in The Lobster bestaunen konnte. Hier gerät er leider viel zu schnell in Vergessenheit. So verbleiben vor allem die unbekannten, frischen Gesichter in Erinnerung. Mehr Raum bekommen Farrell und seine Kollegen hoffentlich in den nächsten Teilen des Spin-Offs, welche zunächst für 2018 und 2020 geplant sind sowie mit zwei weiteren Teilen. 

In Ansätzen gut

Trotz angesprochener Kritk passt Redmayne in diese Welt. Seine verschrobene, leicht geduckte Art macht ihn zum idealen Kandidaten, die magische Gemeinschaft neu anzukratzen. Angekratzt werden auch Eckpunkte aus der bereits bekannten Geschichte, was manchmal zu willkürlich gerät, das pottersche Fandom aber hinreichend befriedigen dürfte. Inhaltlich wird so mit ausreichend Stoff um sich geworfen, um weitere Querverweise liefern zu können und die Geschichten weiter auszubauen. Das Tempo gerät dadurch zwar zeitweise ins Ungleichgewicht, wird aber durch diese magische Vielfalt, die es zu bestaunen gibt, aufgefangen. Ist der mittlere Teil so über weite Strecken sehr ernst, kommt die Geschichte mit ihren Figuren dadurch mehr zum Tragen. Es zeigen sich Ansätze, die ausreichend Spielraum für den weiteren Verlauf lassen und neugierig machen, was letztlich genau das ist, was ein einführendes Werk mindestens leisten muss.

—Spoiler—

Die angesprochene Ernsthaftigkeit gipfelt in eine Szene, die für einen kurzen Moment nicht nur den Zauber aus dem Film entfernt, sondern auch sämtliche nostalgische Anwandlungen, die man mitgenommen hatte. Die Andeutung eines elektrischen Stuhls im Rahmen einer Todesstrafe  hat nichts, rein gar nichts zur Handlung beigetragen und ist mir in diesem Setting viel zu extrem gewesen.

—Spoiler Ende—

Hype-fähig?

Es ist wie in jeder Liebe. Nur weil das Herz wieder ein Zuhause gefunden hat, sollte man nicht nachhaltig den Verstand ausschalten. Dieser Film ist bei weitem nicht perfekt, als Einstieg und Erstling aber völlig in Ordnung – Verzauberung und Beglückung inbegriffen. Als unterhaltender Blockbuster funktioniert er über weite Strecken und, erinnert man sich zurück, war der erste Potter auch keine Glanzleistung. Mit David Yates kann auf dieser soliden Basis sicherlich aufgebaut werden. In einem sind sich am Ende aber wohl alle einig: Weitere Präsenz braucht vor allem der renitente Niffler. Passt auf eure Handtaschen auf!

by Near Human Intelligence

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20 Gedanken zu “Fantastic Beasts and Where to Find Them (2016/OV/3D) von David Yates und die Jagd nach dem findigen Niffler

  1. Ach, der knuddelige Niffler. Deinen angesprochenen Spoiler fand ich auch enorm heftig, da ist mir im Saal schon anders geworden. Ansonsten brauch ich vermutlich noch 3-4 Sichtungen, um die Nostalgiebrille loszuwerden, aber bis dahin bin ich wieder voll im Fieber ^__^

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