Mark My Mood – Filmstöbern, ein Neujahrsvorsatz

Bei einem Media Monday sprach ich mit Gnislew von Sneakfilm ganz kurz über die Auswahl von Filmen (er fragte nach Tipps für Animes). Ich riet ihm dazu, selbst aktiv zu werden und auch schlechte Erfahrungen in Kauf zu nehmen. Warum? Weil ich selbst das Entdecken verlernt habe.

Das Beste aus…

Das Jahr neigt sich dem Ende, überall schießen Bestenlisten aus dem Boden und ich möchte ins Kino. Doch was ansehen? Vielleicht doch einen Film streamen? Heimkino? Entscheidungsfreudig war ich in dieser Hinsicht noch nie. Was ich mir aber ansehen möchte, das weiß ich bereits seit Wochen, manchmal sogar Monaten. Vielmehr habe ich innerlich ganze Listen entworfen, Filme nach genauerem Hinsehen wieder verworfen und andere mit drauf gesetzt. Was übrig bleibt: Filme, die noch gesichtet werden wollen. Diese Faszination mit Listen konnte ich mir noch nie erklären, unterliege ich doch aber selbst dieser Zwanghaftigkeit. Irgendwie muss man die Vielfalt an Möglichkeiten schließlich bändigen. Strukturiert und nach Dringlichkeit geordnet schaffen sie Platz im Kopf. Der steht sowieso auf Hierarchien, je strukturierter, desto besser. Die für mich schönste Zusammenfassung des Filmjahres 2016 gibt es übrigens hier:

THE 25 BEST FILMS OF 2016: A VIDEO COUNTDOWN from David Ehrlich on Vimeo.

Meistens höre ich aus befreundeten Blogs oder auf einschlägigen Webseiten etwas über einen Film, was mich fasziniert. Dieser Kiesel rollt und rollt und schwillt zu einer Lawine von Informationen an. Das sieht in etwas wie folgt aus. Tom Ford bringt einen neuen Film. Vorsichtig die ersten Berichte scannen, ob auch keine Spoiler enthalten sind. Die letzten drei Sätze am Schluss sind entscheidend. Die erste Kritik enthält Superlative, sehr gut. Aber Vorsicht! Könnte sich auch um Hype handeln. Wie beim diesjährigen Dschungelbuch, eine Kinoerfahrung, die ich mir gern erspart hätte. Nocturnal Animals ist aber erst mal gesetzt. Man wagt ja auch. Die ersten Kritiken schwirren auf mein Dashboard und lassen bereits in den Überschriften erahnen, dass man nicht enttäuscht sein wird. Schnell noch in die Runde geguckt, ob ihn jemand rezensiert hat, dann auf zu Moviepilot: Durchschnittswertung ansehen, Abgleich mit Moviepilot-Freunden, Fazit ziehen, Dringlichkeit bewerten, Kino suchen.

Dies ist nicht unbedingt ein völlig bewusster Prozess, sondern einer, der sich sacht einschleicht, das Procedere erstreckt sich schließlich über Monate. Wie vor dem Schlafengehen, wenn man das Kissen solange zurechtrückt, bis man bequem liegt. Schließlich möchte ich das Ergebnis positiv beeinflussen und selten bin ich hinterher enttäuscht. Und falls doch, wusste ich, worauf ich mich eingelassen habe und im besten Fall auch, woran es lag. Sehe ich mir bald Rogue One: A Star Wars Story an, weiß ich bereits, dass die erste Hälfte des Films nicht an die zweite heranreicht. In Nocturnal Animals stimmt hingegen die schauspielerische Leistung, ganz besonders die von Gyllenhaal. Auch der Schnitt ist beachtlich. The Handmaiden muss man allein wegen der medialen Aufmerksamkeit gesehen haben – was für Filmfans. Love & Friendship hingegen soll Probleme mit der Dynamik haben, der neue Streich von Xavier Dolan ist zu dialoglastig. Verdammt. Auf den hatte ich mich wirklich gefreut.

Der wacklige Grabbeltisch

Natürlich überspitze ich hier meine Vorgehensweise, aber ich kann nicht verhindern, dass diese Einflüsse mein Verhalten streifen und letztlich auch dazu führen, einen Film erst nach DVD-/Blu-ray-Veröffentlichung und nicht im Kino zu sehen. Die Auswahlkriterien sind streng, denn meine Zeit ist knapp bemessen. Selbst bei Sneak-Previews versuche ich manchmal abzustecken. Und richtig unbehaglich wird es dann im Buchhandel oder Elektronikfachgeschäft vor einem Regal. Eins in echt jetzt. Ohne Verknüpfung. Gut… Ich habe ja meine innere Liste. Kognitive Dissonanz ist es erst dann, wenn man eine DVD in der Hand hält, die interessant klingt, man aber noch nie etwas darüber gehört hat. Autsch.

Als nun aber Gnislew nach Tipps fragte, erinnerte ich mich plötzlich an etwas. Vor ca. 12 Jahren suchte ich im Netz etwas, ich weiß nicht mehr was, und wie das häufiger so ist, verlor ich mich in Verlinkungen. Schließlich stieß ich zufällig auf Dancer in the Dark (2000) von Lars von Trier. Klang interessant. Gleich bestellt. Ohne Zögern. Vor allem aber: ohne vorher querzulesen. Warum auch? Schließlich hatte ich keine Erwartungen an das Erlebnis. Es sollte zu einer prägenden Erfahrung werden. Viel wichtiger aber: Ich entdeckte einen Teil von mir selbst in diesem Film, ein Gefühl, eine starke Sehnsucht, auch noch in vielen Filmen danach. Heute frage ich mich, ob dieses Gefühl nicht daraus entstand, weil ich nichts Bestimmtes wollte, aber dennoch suchte.

Zurück zum Stöbern

Bis zu dieser Zeit war die Herr der Ringe-Trilogie für mich die himmlischste aller Kino-Erfahrungen (auch diese Magie hat sich bewahrt). Was sich aber nach Dancer in the Dark anschloss, war eine unaufhaltsame Faszination für das Medium Film. Dass Lars von Trier meine uneingeschränkte Gunst besitzt, ist zum Teil auch auf diese Erfahrung zurückzuführen. Dancer in the Dark eröffnete mir ganz neue Wege. Noch heute weiß ich, dass ich im Nachgang gelesen habe: „Am Ende konnte man eine Stecknadel im Kino fallen hören.“ Vielleicht begann es schon hier, dass diese Sätze auf einmal wichtiger wurden als das Erlebnis selbst.

Natürlich sehe ich mir Tom Fords neuen Film an, aber wenn ich ehrlich bin, ist das Erlebnis zum Teil bereits gesättigt. Die Frage, wie dieses Vorgehen das Sehvergnügen beeinflusst und sich auf die anschließende Rezeption des Films auswirkt, ist da noch mal eine ganz andere. Doch die muss an anderer Stelle beantwortet werden. Ich möchte nun erst mal wieder zurück! Ich möchte wieder viel entdecken und durch die Filmlandschaft reisen. Impulsen nachgehen, Räume aufmachen, die nicht schon vorher besetzt sind. Ich möchte wieder ganz tief in die Schei.. greifen, mich darüber auslassen und mich auf das nächste positive Erlebnis freuen. Ich will von schlechten Filmen überrascht, ja überrannt werden, Lieblinge selbst entdecken, wie Schätze hüten und anderen davon erzählen. Nicht in einer kritischen Äußerung zum Bekannten, sondern mit unbeugsamer Begeisterung zum Gefundenen, nichts mehr vorwegnehmen, sondern hinterwegsgeben.

Ich möchte wieder zurück zum Stöbern!

Mark My Mood stammt von Mark my words (Denk an meine Worte!), soll jedoch nicht mahnend klingen, sondern nur aufgreifen, dass es sich um einen thematischen Ton handelt. Eure Meinung ist gefragt und – wie immer – gern gesehen.

Advertisements

46 Gedanken zu “Mark My Mood – Filmstöbern, ein Neujahrsvorsatz

  1. Ein wirklich sehr interessanter Post, der mich grad auch irgendwie zum Nachdenken gebracht hat.

    Wenn ich die Filme oder Bücher, die ich sehe/lese, auswähle, bin ich selbst immer zwiegespalten zwischen dem Wunsch, auf mein Bauchgefühl zu hören und einfach irgendetwas auszuwählen, das gut klingt, und dem Drang, sofort erstmal nach Rezensionen zu gucken, falls ich das nicht schon getan habe, bevor der Film bzw. das Buch überhaupt auf den Markt kam.
    Einerseits will ich keine Zeit und kein Geld verschwenden und am Ende nicht frustriert sein, andererseits nimmt man Bücher oder Filme eben auch ganz anders wahr (vermute ich jedenfalls mal), wenn man vorher schon auf sämtliche Stärken und Schwächen hingewiesen wurde.

    Dann stellt sich mir auch oft die Frage: Will ich den Film schon vorher detailliert analysiert haben, um ihn vielleicht möglichst neutral gucken zu können und auch auf Dinge aufmerksam zu werden, die mir sonst nicht auffallen würden, oder will ich den Film genau so sehen, wie ich ihn unbeeinflusst sehen würde, und riskieren, dass meine Meinung dann – oh Schreck – subjektiv ist.

    Oft gehe ich dann zu einem Kompromiss über, indem ich nur das Fazit der Rezensionen der Blogger meines Vertrauens lese, am besten nur die Bewertung in Punkten, und dadurch entscheide, ob ich ein Buch lesen oder einen Film sehen will. Das geht natürlich nur bei Rezensenten, von denen ich weiß, dass sie ähnliche Maßstäbe haben.

    Jedenfalls vermisse ich es auch oft, wie ich früher zB einfach in die Bibliothek gegangen bin und die erstbesten Bücher, die interessant klangen, mit nach Hause genommen habe. Man kann so tolle Schätze dabei entdecken.
    Im letzten Jahr ist mir das tatsächlich erst zweimal mit Büchern passiert, die ich als Leseexemplar bekommen habe, bevor sie überhaupt erschienen sind, und die ich beide unvoreingenommen lesen konnte und wunderschön fand.

    Gefällt 1 Person

    • Danke für deine ausführliche Meinung. Gerade dein letzter Zeit beschreibt ja ganz gut, wo ich wieder hin will. Tatsächlich habe ich letztens einen Film fast ohne Vormeinung gesehen (er war von der Zweitausendeins Edition, also qualitativ schon mal hochwertig). Das war total klasse und der Regisseur hat es gleich auf meine Interessentenliste geschafft.

      Gefällt mir

  2. Mensch, da hat der Mann ja wieder einen schönen Zusammenschnitt gemacht, und es erfüllt mein Filmfan-Herz mit stolz, dass Toni Erdmann dabei ist.
    Tatsächlich habe ich letztes Jahr genau dasselbe gedacht zum Thema Filme schauen und nicht mehr so sehr recherchieren und den Kopf entscheiden lassen. Dieses Jahr habe ich das anders gemacht und viel nach Lust und Laune geschaut. Zwar gab es auch ein paar Werkschauen, bei denen ich gezielt Filme rausgesucht habe, aber der Rest war ziemlich frei nach Schnauze. Und was soll ich sagen … es war viel Schrott dabei XD Aber ich will es nicht so richtig missen. Das war schon gut so wie es ist. Für den anspruchsvollen Geschmack gab es die Werkschauen. Ich habe Ghibli-Filme geschaut und welche von Isabel Coixet und ansonsten habe ich die Lust und manchmal auch den Zufall entscheiden lassen und das ist eigentlich ein gutes Gefühl. Stöbern kann ich dir also nur sehr empfehlen!

    Gefällt 1 Person

    • Ja, nicht wahr. Jede Liste, in der Toni Erdmann dabei ist, lässt auch mein Filmherz höher schlagen. Ehrlich gesagt auch, weil er von einer Frau stammt. Deine Werkschauen finde ich auch immer klasse, auch wenn ich den ein oder anderen auslassen muss, weil ich ihn noch nicht gesehen habe

      Gefällt mir

  3. Oh, dieses ganz unbedarft an einen Film rangehen, vermisse ich echt. Einmal noch die Faszination des ’nur auf sich einwirken lassen‘ ohne tiefer in das ‚Wie und Warum wurde das jetzt so gedreht‘ einzutauchen. Geht irgendwie nicht mehr. Selbst wenn ich mir vorher jedwede Kritik schenke, sehe ich dem Film dann doch immer mit dem akademischen Auge (weil, man hatte ja was mit Medien studiert). Manchmal ist das sehr störend.

    Gefällt 1 Person

    • Ja, ich weiß was du meinst. Im Kino gelingt mir das bei den ganz besonderen Filmen sehr gut, bei den anderen weitestgehend. Am Anfang kenne ich das auch, aber irgendwann schaltet das ab. Aber ich habe auch nichts in der Richtung studiert und deshalb sicherlich mehr Distanz.

      Gefällt mir

  4. Ich bin nicht der erste, dem dein Artikel gefällt. Deine Problematik kenne ich nur so halb. Ich hatte mal eine Phase, wo ich mich vor dem Kinobesuch ausführlich informiert habe. Ich hatte danach keinen Spaß mehr an den Filmen und so ging ich auch immer seltener ins Kino. Das ging mir irgendwann so sehr auf die Nerven, dass ich es einfach sein gelassen habe. Heute ist es inzwischen so, dass ich mir natürlich den einen oder anderen Trailer anschaue, aber keine Kritiken zu den aktuell im Kino laufenden Filme.
    Für das Heimkino achte ich auf Empfehlungen von Freunden (zugegeben, ich bekomme nicht oft welche!) oder eben auf den Rückentext. Klingt die Zusammenfassung interessant? Dann ist es meistens ein Kauf. Ich achte weniger auf Regisseure oder Darsteller. Ein prinzipiell guter Regisseur kann genau so viel Grütze produzieren wie jeder andere auch.
    Ich habe also kaum Probleme mit dem Akt des Stöberns, viel mehr bin ich immer mehr von Filmen enttäuscht, weil sie es nicht schaffen mich in ihre Welt zu ziehen. Ich will vor dem Alltag fliehen und nicht in ihn hineingezogen werden. Das ist mein einziges Problem.

    Gefällt 1 Person

      • Ich gehe im Schnitt so um die 20 Mal im Jahr ins Kino. Das Filmerlebnis hat sich in so fern gebessert, dass ich nicht zu jedem Film alles weiß. Um an deinem Beispiel zu bleiben: Ich habe letztens den neuen Star Wars im Kino gesehen und wenn ich die eine oder andere Rezension vorher gelesen hätte, hätte ich gewusst, dass die zweite Hälfte besser ist als die Erste. Nun kannte ich nur einen oder zwei Trailer und habe mich darüber gefreut, dass Donnie Yen mitgespielt hat. Ich gehe also mit einer anderen Grundhaltung in den Film. Bei mir funktioniert das ganz gut. Um aber weiter bei deinem Beispiel zu bleiben, finde ich den Film von vorne bis hinten gelungen und empfinde es nicht so, dass dort die eine Hälfte besser ist als die andere.
        Seit dem ich den Blog führe, habe ich bei mir beobachtet, dass ich die Filme komplett anders schaue. Ich achte mehr auf Dinge, die eigentlich nur so nebenbei den Film zu dem machen, was er am Ende sein soll. Ich analysiere noch während des Guckens die einzelnen Komponenten. Das führte dazu, dass ich „Dr. Strange“ eher schlecht empfand, obwohl er für ein Superheldenfilm einen anderen als gewohnten Weg einschlägt und damit auch auf anderer Linie zu überzeugen wissen sollte.
        Ich habe mir also meine Vebesserung am Vergnügen wieder etwas kaputt gemacht, weil ich zu sehr „drin“ war. Es gibt aber vermehrt Filme, die mich unterhalten und von denen ich keine Rezension schreibe und das auch schon vorher weiß. Am Ende kann ich mich auf diese Filme am besten einlassen und ohne Erwartungen oder Druck einfach nur genießen.

        Gefällt 1 Person

        • Du beschreibst sehr schön das Phänomen des Schreibens über einen Film. Auch bei mir verändert sich manchmal die ganze Haltung zum Film, weil man beim Schreiben mehr darüber nachdenkt bzw. wie du sagst, schon beim Gucken. Star Wars steht bei mir nächste Woche an und ich freue mich schon darauf 🙂

          Gefällt 1 Person

          • Am besten du vergisst alles, was du zum Film weißt und genießt ihn einfach. Am Ende sollen Filme doch nur ein paar wenige Dinge beherrschen: Sie sollen uns unterhalten, überraschen und mitreißen (auf jede erdenkliche Art). Ich habe erst gestern meinen eigentliche Vorgehensweise beiseite gelegt und eine Kritik zu einem Film gelesen, der mich eigentlich interessiert hat. Nun möchte ich ihn nicht mehr im Kino sehen. An solchen Tagen verfluche ich das Internet😂
            Ich wünsche dir jedenfalls sehr viel Spaß bei Star Wars und ich hoffe du kannst dich einfach über den Film, die Thematik und Umsetzung freuen, denn dann unterhält der Film nicht nur, nein, dann überrascht er uns und reißt und mit.

            Gefällt 1 Person

  5. David Ehrlichs Zusammenschnitt des Filmjahres 2016 und seine Top 25 kann ich mir immer wieder anschauen. Daran sieht man, dass dass Jahr 2016 ein verdammt starkes Filmjahr war, zumindest für die Amerikaner – die meisten Filme sind in Deutschland leider noch nicht gestartet.

    Was die Filmauswahl angeht, ich weiß durch die zahlreichen Filmfestivals ziemlich früh, was ich mir anschauen will und gucke dann noch mal vorher bei Bewertungsportalen in welchem Prozentbereich der Film liegt, wenn er schon kritisiert wurde. Ein Hype schreckt mich eher ab.

    Gefällt 1 Person

  6. Da sprichst Du mir wirklich aus dem Herzen! Einfach komplett Neues zu entdecken ist, so absurd das in dieser Welt klingt, wo eigentlich jeder Film quasi sofort verfügbar ist, wirklich schwer geworden. Nur mal schnell bei Wiki schauen, worum es geht. Nur mal schnell bei imdb checken von wem der ist/wer mitspielt (und was andere Leute davon halten). Dutzende von „Kunden den dieser Film gefallen hat, mögen auch“ Algorithmen. Und der eigene Kopf, der einen stets erinnert, dass das Leben kurz ist und Filme eben lang, also wähle klug!
    Ich fange schon an mir selbst zu misstrauen, weil mein „Radar“, ob mir ein Film gefallen wird oder nicht, so präzise geworden ist. Hoffentlich keine selbsterfüllende Prophezeihung…

    Gefällt 1 Person

  7. Ein sehr gelungener Beitrag! 🙂
    Ich kenne es von mir beim Thema Bücher, da wird recherchiert, o das was taugt, eventuell eine Leseprobe besorgt, Meinungen eingeholt, und und und. Richtige Spontankäufe tätige ich nur selten, und einer der letzten war ein ziemlicher Griff in die Toilette – Schätzing, Breaking News.
    Zugleich kaufe ich nur noch selten in der Buchhandlung aus dem Regal, da ich kaum noch auf Deutsch lese. Irgendwo schade, aber preislich für mich deutlich günstiger…
    Bei Filmen sieht es etwas anders aus. Da gibt es die, die ich nach einem Trailer sehen muss. Star Wars. Jurassic World(1. Vermutlich auch 2, aber ob es dann für 3 reicht, wer weiß). Pacific Rim(auch hier, der zweite wird geschaut, ob es für einen 3. reicht, wer weiß). Kubo. Und und und. Spontan ins Kino gehe ich sehr sehr selten, und wenn, dann eher, weil mir ein Film besonders empfohlen wude oder in der Bloggersphäre aufgefallen ist, wie zuletzt Sicario.

    Naja, viel Wind um wenig zu sagen, außer: Kann ich verstehen, geht mir oft ähnlich. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Danke! Ja, genauso geht es mir auch (übrigens auch, was die sprachliche Sache angeht) Woran liegt es bei dir? Zeit? Oder, dass man nicht so viel Geld ausgeben möchte? Interessant, dass du Bücher mit reinnimmst. Bei Büchern bin ich viel unbefangener und kaufe schneller. Meistens ohne vorher zu lesen, aber ich gucke kurz in das Buch – was ich noch zum Stöbern zählen würde. Auf den Buchdeckel würde ich mich heutzutage gar nicht mehr verlassen wollen.

      Gefällt mir

      • Mit Zeit und Geld fing es damals an, als Harry Potter 5 erschien. Ich wollte keine zwei Monate und 15€ mehr „ausgeben“, um es auf deutsch zu lesen. Später dann beim Rad der Zeit war es ähnlich, die „Original“-Bände waren beim vierten auf deutsch und ein fünfter nicht abzusehen (der kam dann drei Jahre später, zusammen mit allen anderen in Folge), und da die englischen Taschenbücher mit 7€ deutlich gegen 18€ gewannen…
        Und ja, die Preisfrage beeinflusst das nach wie vor. Ich kann jeden Euro nur einmal ausgeben, also achte ich auch darauf. Dazu kommen Bücher, die mich interessieren, aber noch lange nicht übersetzt sind – zum Bleistift die Memoiren der Lady Trent – und bei manchen Autoren auch der Umstand, dass die Übersetzungen inhaltliche Aspekte unter den Tisch fallen lassen. Das ist gerade bei den Büchern von Sanderson so, weshalb ich auch nur meine ersten drei von ihm auf deutsch gelesen hab.

        Hm, ganz blind kauf ich nicht. Zumindest ein wenig Recherche und nach Möglichkeit die ersten 10-20 Seiten lese ich schon gerne. Einfach, um ein Gespür für den Stil zu bekommen. Wobei das auch kein Garant ist. Ich mag die „Harry Dresden“-Bücher von Jim Butcher nach zwei gelesenen Bänden so gar nicht, dafür Codex Alera und seinen jpngsten, Aeronaut’s Windlass, dafür umso mehr. ^^

        Ich muss jedoch gestehen, dass ich auf manche Bücher erst aufgrund des Covers gestoßen bin. Lady Trent zum Bleistift. 😀

        Gefällt 1 Person

        • Das finde ich spannend. Mit den Covern meine ich. Da gabs doch mal…Momentchen… Habs nun leider nur für Harry Potter gefunden: http://imgur.com/wcMGr67
          Schade. Ea gibt einen Blog, der zeigt, wie Buchcover pro Land verändert werden, mit dem Hintergrund, dass die jeweiligen Landsleute dies bevorzugen.

          Gefällt mir

          • Beeindruckend, wie viele verschiedene Cover es gibt! Und die ersten drei Zeilen sind ja glaub nur die UK-Versionen, regulär, für Erwachsene, etc.
            Soweit ich weiß, ist das von mir angeführte Beispiel (Lady Trent) aber überall gleich – ist ja auch ziemlich umwerfend! 😮

            Aber ja, Pat Rothfuss hat immer mal wieder ein paar Bilder der verschiedenen Cover seiner Bücher hochgeladen, ist schon überraschend, wie viel man aus ein und demselben Buch machen kann.

            Gefällt 1 Person

  8. Das hast du ganz famos geschrieben. Und du sprichst mir damit aus dem Herzen. Während ich vor 10-20 Jahren noch ganz viel neu entdeckt habe (sei es durch Sneak Preview, Videotheken, Empfehlungen von Freunden und Bekannten), überlege ich heute dreimal, ob ich einen Film sehe. Am liebsten würde ich viel mehr sehen, doch die Zeit ist begrenzt. Ich stehe kurz vor meiner Jahresstatistik und zähle 62 Filme, davon vielleicht 40 Neusichtungen, wenn überhaupt. Wie soll man da noch nachkommen? Kann ich bitte hauptberufliche Filme schauen und darüber schreiben?

    Gefällt mir

    • Dankeschön. Ja, die liebe Zeit und die liebe Effizienz… Hauptberuflich Filme schauen würde mir auch gefallen. Wenn ich sehe, was die Kritik an Filmen im Jahr sieht. 200-300 Filme! Da kann ich auch nicht mithalten…

      Gefällt 1 Person

  9. Ich muss ganz ehrlich zugeben, dass ich meistens gerne vor einer Filmsichtung zumindest grob informiert bin – sprich zumindest der Trailer wurde vorher einmal gesehen. Rezensionen von anderen lese ich vorab meist nur, wenn ich mir unsicher bin, ob ich ihn nun wirklich im Kino sehen muss.
    Sneakvorführungen hatten das positive, dass ich mich vorher nicht auf den Film einstellen konnte. Daher hab ich da einige gute Entdeckungen gemacht, die ansonsten vielleicht völlig an mir vorbeigegangen wären. Andererseits habe ich da auch viele Filme gesehen, die ich gerne nachträglich aus meinem Gedächtnis löschen möchte…
    An sich entscheide ich meistens am Anfang des Monats welche Filme ich ganz dringend und am besten sofort sehen muss, welche ich gerne sehen möchte und welche ich mir vielleicht ansehe, je nachdem wie viel Zeit ich finde.

    Gefällt 1 Person

    • Und hast du das Gefühl, dass dir da was fehlt? Ich frage deshalb, weil mir manchmal dieses Gefühl fehlt, wenn man etwas entdeckt hat, was große Klasse ist. Klar, in der Sneak hat man das noch, aber auch da ist es auf kommende Kinofilme beschränkt. Man hat nicht die ganze Palette sozusagen.

      Gefällt 1 Person

      • Eigentlich nicht. Ich freue mich halt immer, wenn mich ein Film überrascht oder wie erwartet gut ist. Das „Entdeckungsgefühl“ stellt sich immer dann ein, wenn ich einen guten Film durch Trailer entdeckt habe, ihn gesehen habe und dann voller Stolz weiterempfehlen kann.

        Gefällt 1 Person

  10. Ahhh, da sprichst du ein sehr bekanntes Problem an. Ich bin leider ein ziemliches Kontrollwesen, daher bin ich in meiner Vorauswahl hyperkritisch, etwa was Themen angeht oder die Machart. Klar, Filme von Dolan (und auch der wurde mir von der Kritik im Voraus schon etwas verhunzt) schaue ich mir immer an und auch einen neuen Lynch würde ich keine drei Sekunden auf mich warten lassen – trotzdem fehlt mir wohl manches Mal die nötige Naivität. Die habe ich meistens dann, wenn ich ganz obskuren Filmtipps nachkomme – da gibt es oft nur eine Quelle und wenig anstrengenden Prä-Diskurs. Denn gerade das nervt ja – wie du auch schreibst: wenn man schon im Vorhinein die verschiedenen Stärken/Schwächen aus verschiedenen Blickwinkeln kennt und der Film so schon a priori im Kopf seziert ist.
    Andererseits läuft so viel Müll an, weshalb ich mich auch nur selten in eine Sneak traue. Wäre schön, wenn es mal eine Art „Indepedent“-Sneak gebe oder eine, die ihr Thema schon etwas einschränkt – ups, schon wieder passiert. Teufelskreis.

    Gefällt 1 Person

    • Die Idee finde ich große Klasse. Ich frage mich auch, wie viel Einfluss Kinos auf die Sneak haben. Bei uns gibt es eine, da habe ich oft den Eindruck, dass der Veranstalter großer Filmliebhaber ist und sich deshalb extra die Sahnestückchen raussucht. Swiss Army Man lief bei uns zwei Monate vor Kinostart, meine ich. Aber, ja. Wenn es sowas geben würde…

      Gefällt 1 Person

  11. Und genau deswegen habe ich einen großen (Film-)Vorsatz für 2017:
    Ich schaue mir keinen einzigen Trailer an und lese auch keine Review im Vorhinein.
    Oder vielleicht treibe ich doch jeden Tag Sport, mal sehen was mir leichter fällt.
    Auf jeden Fall gebe ich dir völlig Recht, dass das Filmerlebnis an sich wieder größer gefeiert werden muss. Dieses Abarbeiten von Listen sorgt bei mir zumeist für falsche Vorstellungen und Erwartungshaltungen, die am Ende selten erfüllt werden können.

    Gefällt mir

    • Uh. Ich bin gespannt. Ganz umgehen kann ich die Problematik nicht, weil ich sonst keine Blogs mehr lesen kann, aber ich versuche zumindest einmal im Monat einen Film zu sehen, zu dem ich keine Infos angehäuft habe. Eine gewisse diebische Freude habe ich auch schon deshalb 🙂 Bin sehr auf deine Auswahl gespannt. Schreibst du dann, wie du sie getroffen hast?

      Gefällt 1 Person

  12. Ich bin ja nach wie vor ein „Entdecker“, wenn es um Filme geht. Klar, vor dem Hype um jeden Scheiß kann man sich nicht retten, aber bis auf ein paar Ausnahmen lasse ich mich davon eigentlich nicht mitnehmen. Ich informiere mich vor dem Kinobesuch selten, was auf mich zukommt, gucke kaum Trailer und Meinungen lese ich eigentlich erst hinterher, um sie mit meiner abzugleichen.
    Schade ist halt, dass es einem die Kinos nicht wirklich leicht machen, überhaupt noch was zu entdecken. Zumindest hier im Umkreis nicht, da hier fast ausschließlich nur der ganze überhypte Blockbusterquark hoch und runter läuft. Kleine Perlen sucht man vergeblich. Dieses Jahr hab ich immerhin „The Witch“ mitgenommen, eine dieser seltenen Entdeckungen, von denen ich vorm Kinostart quasi nix gehört hatte.
    Im Heimkino ist das natürlich etwas einfacher und da greife ich gerne in die Vollen. Ich kann mich ja zB am Regal im Laden einfach komplett verlieren und stundenlang durch die Filme wühlen, bis ich mich dann mal für ein Dutzend oder so entschieden habe, das ich mitnehme. Und das sind dann eigentlich nie die gängigen Streifen, die sowieso jeder kennt. Ich wühle mich halt liebend gerne durch die komplette Filmhistorie und es gibt einfach so viel zu entdecken aus all den Jahren, die dieses Medium existiert, dass ich einfach keine Lust habe, mir immer schon einen Plan zurechtzulegen, was ich dann demnächst mal gucken könnte. Mache ich natürlich auch hin und wieder, aber meistens bleibe ich dann doch spontan und entdecke mal wieder einen Knaller von 1964 oder so, von dem ich vorher noch nie was gehört habe und der vielleicht auch totale Grütze ist. Aber immerhin kann ich es selbst beurteilen und muss mich nicht auf die Meinung anderer verlassen. Wenn ich das täte, hätte ich nicht mal meinen Filmschrottplatz. Ein trauriger Gedanke.
    Also ganz klar: „Entdecken“ vor „Zurechtlegen“.

    Gefällt 1 Person

    • Man merkt schon beim Lesen, dass du auch einen anderen Bezug zu diesen (so ausgesuchten) Filmen hast. Ich bin arg gespannt, wo mich das so hinbringt^^ Und, im Sinne deines Schrottplatzes, hoffe ich vor allem darauf, hier endlich mal negative Beispiele bringen zu können. Meine Filmauswahl ist viel zu brav.

      Gefällt 1 Person

      • Unter den vermeintlich schlechten Filmen gibt es auch so einige Perlen. Man muss natürlich ein bisschen einen Draht dazu haben. Aber da kann dich durchaus die ein oder andere Überraschung erwarten. Und genau das macht das Entdecken ja so reizvoll.

        Gefällt 1 Person

          • Hihi. Ja stimmt. 😀
            Also was Filme abgeht, hält sich meine Stöberlust eher in Grenzen. Ich kenne das was du da beschreibst eher aus der Musik. Früher gab es hier in der Gegend mindestens zwei echte „Plattenläden“. Wobei dort natürlich CDs verkauft wurden und keine Platten.
            Jedenfalls hatten die dort eine riesengroße Auswahl an Rock/Indie/Alternative Bands. Oft gab es auch Aktionen wie 5 für 20 € oder so. Da habe ich oft zugegriffen ohne rein zu hören. Bei 5 Cds war eigentlich immer irgendwas Cooles dabei. Auf diese Weise hatte ich damals einige coole Bands für mich entdeckt. Aber natürlich auch eine Menge Schrott.
            Heute ist mir gerade neulich aufgefallen, dass ich zu 80% immer noch die Bands und Songs aus der Zeit höre und kaum noch neue Sachen dazu gekommen sind. Da verspüre ich manchmal wie du auch diese Stöbersehnsucht. Allerdings bleibt der Vorsatz diesem Bedürfnis nachzugehen meistens ein solcher. Deswegen hatte ich dir „Viel Erfolg“ bei deinem Vorhaben gewünscht.

            Gefällt 1 Person

            • Habe weiter oben schon gesagt, dass das offenbar auch vom Medium abhängt. Bei Büchern fällt mir das gar nicht so schwer einfach mal reinzuschauen. In der Musik erst recht nicht. Wahrscheinlich versucht man seine Erfahrungen immer zu toppen, anstatt Risiken einzugehen.

              Gefällt 1 Person

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.