Sie nannten ihn Jeeg Robot (2015) von Gabriele Mainetti – Von Kleinkriminellen, Superhelden und Vanillepudding

An dieser Stelle führe ich mal klammheimlich Kurzkritiken ein. Mir fällt verstärkt auf, dass ich bei mir liebgewonnenen Filmen Unterschiede im Wortfluss mache und andere, die mit weniger Worten auskommen würden, deshalb gar nicht mehr berücksichtigt werden. So tummeln sich hier in letzter Zeit nur gute bis sehr gute Filme. Deshalb. Hier. Jetzt. In kurz und nicht ganz so toll. Das erste Strandgut.

Sie nennen ihn Enzo

Auf Amazon entdeckt und für interessant befunden, kam mir Sie nannten ihn Jeeg Robot (OT: Lo chiamavano Jeeg Robot) von Gabriele Mainetti in die Finger. Ein italienischer Superheldenfilm? Warum nicht. Der Kleinkriminelle Enzo Ceccotti (Claudio Santamaria) fällt auf der Flucht vor der Polizei in den Tiber und zu allem Überfluss (…) auch noch in radioaktiven Müll. Dies verleiht ihm übermenschliche Kräfte und Immunität gegenüber Verletzungen. Zeh-Amputationen fallen nicht darunter. Und was macht man mit der neu gewonnenen Kraft? Richtig, Geldautomaten ausrauben. Denn der sozial zurückgebliebene,  stets Porno und Vanillepudding konsumierende Kleinganove hat sich als Mensch leider gar nicht weiterentwickelt. Das soll sich ändern, als er auf Alessa (Großartig: Ilenia Pastorelli) trifft, die Tochter eines Kollegen, der bei einem Job das Zeitliche gesegnet hat. Diese ist in ihrer eigenen Welt und hat Enzo zu ihrem Manga-Helden „Hiroshi Shiba“ auserkoren. Enzo denkt aber gar nicht daran, sich zu ändern und so kommt es zu Konflikten. Dabei haben sie ganz andere Sorgen. Ein Bösewicht, der Gypsy (Luca Marinelli) genannt wird, will Alessas Vater finden, der ihm noch Drogen schuldet.

Der Tod in Venedig Rom

So weit so gut. Was an Sie nannten ihn Jeeg Robot wirklich sehr gut ist, ist die ungewöhnliche Umsetzung. So schwimmt der Film nicht im Superhelden-Genre und mischt es mit Liebesfilm und Gangster-Klamotte. Das funktioniert auch ganz gut und man bleibt gespannt was als nächstes passiert. Die spleenige und durchgeknallte Figur des grotesken Gypsy ist dabei genauso unberechenbar wie der Film und man kann viel wohlwollende Antipathie für die Figuren aufbringen.

—Spoiler—

Leider, leider hat man es nicht bei einer solide angedeuteten Lovestory belassen, sondern fügt ihr einen Vergewaltigungsakt mit pädophilem Beigeschmack hinzu, der sich einer Erklärung weitestgehend verweigert und höchstens die grobschlächtige Art des männlichen Protagonisten herausstellen soll. „Ich weiß nicht wie es geht. Kannst du es mir beibringen?“ ist eine Antwort darauf, um dann auch noch diese letzte sexuelle Phantasie zu bedienen. „Widerlich“ ist da noch ein zahmer Ausdruck. 

—Spoiler—

Der Film wird nicht dadurch bestimmt und ist an vielen Stellen wirklich gelungen, wenn auch teilweise holprig. Vor allem die Kaskade des ständigen Scheiterns von Gypsy ist durchgreifend. Allerdings war er für mich nach dieser Szene gelaufen. Es ist eine Sache mit einer Phantasie zu spielen und daraus Faszination wie Provokation abzuleiten, aber eine beiläufige Darstellung ohne jeglichen Mehrwert ist und wirkt vor allem einfach nur plump.

REGIE: GABRIELE MAINETTI DREHBUCH: NICOLA GUAGLIANONE & MENOTTI KAMERA: MICHELE D’ATTANASIO SCHNITT: FEDERICO CONFORTI & ANDREA MAGUOLO AUSSTATTUNG: MASSIMILIANO STURIALE KOSTÜM: MARY MONTALTO MUSIK: MICHELE BRAGA & GABRIELE MAINETTI DARSTELLER: CLAUDIO SANTAMARIA, LUCA MARINELLI, ILINEA PASTORELLI, STEFANO AMBROGI, MAURIZIOTESEI, FRANCESCO FORMICHETTI, DANIELE TROMBETTI, JOEL SY, GIANLUCA DI GENNARO; SALVATORE ESPOSITO FSK: AB 16 JAHRE LAUFZEIT: 112 MINUTEN BILDFORMAT: 2.35:1 PRODUKTIONSLAND: Italien

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