Rubinrot (2013) von Felix Fuchssteiner – Mir fehlen die Worte

Wie das manchmal so ist. Man liegt wach, kann nicht schlafen. Kurz durch die Streaming-Dienste huschen und gucken, was im Angebot ist. Etwas Leichtes sollte es sein, aber auch etwas, was ich noch nicht gesehen hatte. So kam mir Rubinrot auf den Bildschirm und ich dachte so: Leichte Fantasy, naja, kann man nun nicht soviel verkehrt machen. Außerdem meinte ich mich zu erinnern, dass die Bücher sehr erfolgreich waren.

Das Geheimnis

Gwendolyn Shepard (Maria Ehrich) ist ein Tolpatsch. Sie reicht nicht an ihre stets gehypte Cousine Charlotte (Laura Berlin) heran, die ein Zeitreise-Gen in sich trägt, welches ihr für eine gewisse Zeit ermöglicht von der Gegenwart in die Vergangenheit zu springen. Die Familie sitzt bedeutungsschwer auf diesem Geheimnis und Gwendolyn ist das alles sehr suspekt. Charlotte wurde Jahre auf ihre Aufgabe vorbereitet, um Etikette und Eigenheiten der jeweiligen Zeitepochen zu lernen. Als Gwendolyn jedoch zunehmend mit Schwindel kämpft (ein Anzeichen) und sich plötzlich in einer anderen Zeit wiederfindet, ist klar, dass sie das Gen vererbt bekommen hat und nicht Charlotte. Sie wird in die zuständige Loge gebracht und muss sich zuerst mit ihrem neuen arroganten Zeitreise-Partner Gideon de Villiers (Jannis Niewöhner) anfreunden. Die beiden haben eine große Aufgabe vor sich und außerdem beginnt Gwendolyn sich so langsam in ihren Partner zu verlieben.

Sprachlos

Was ist denn bitte über dieses Drehbuch gefahren? Man kann nur hoffen, dass die Vorlage von Kerstin Gier deutlich mehr Qualität aufweist, sonst sehe ich wirklich schwarz für die Jugend. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Bei den Namen Gwendolyn und Gideon habe ich kurz überlegt, ob ich in der Bahnhofsauslage bei den Groschenromanen gelandet bin. Dies bestätigte sich dann auch nach den ersten Dialogen. Apropos Dialoge: Es ist überhaupt kein Problem sich zwischendurch mal auf die andere Seite zu legen. Die Tonspur ist für das Geschehen völlig ausreichend. Ich frage mich sogar, warum man sich überhaupt die Mühe gemacht hat zu filmen. Mein persönliches Highlight: Als die beiden Zeitreise-Spätzchen ein Schriftstück finden, es verlesen, daraufhin eine Situation eintritt, die auf das Schriftstück verweist und – ihr ahnt es vielleicht – danach noch mal lang und breit erklärt wird, wie es zusammenhängt. Dennoch wirkt man das Kunststück, dem Zuschauer so viele Elemente vor den Bug zu hauen, dass der irgendwann ratlos vor seiner Bausteinesammlung sitzt und eigentlich nur spielen wollte. Von der musikalischen Folter will ich gar nicht erst anfangen. Lediglich die visuelle – nennen wir es Untermalung – ist sehr schön geworden. Aber das alles ist nicht das Schlimmste…

Geförderter Schund

Ein völlig normales, hübsches junges Mädchen in schwarzen loddrigen Baggy-Jeans mit Loser-Stempel kann natürlich so nicht zeitreisen. Nein, sie muss erst mal das „Hässliche Entlein“ loswerden und wird aufgebrezelt. Erst danach wird ihr Partner auf sie aufmerksam und auch von der Tolpatschigkeit bleibt nicht mehr viel übrig. Merke: Mädchen ohne Make-Up und nicht all dressed up bringen es nicht weit. Das ist eine der allerersten Botschaften des Films. Selbst Twilight hat sich das zumindest oberflächlich verkniffen! Da passt es natürlich auch, dass ihr Partner ein rotznasiges und arrogantes Arschloch ist, dem sie sich mehr oder weniger an den Hals wirft. Der ist nämlich gar nicht so. Dann kam bei mir kurz die Überlegung  auf, dass ich (die sich in mein jugendliches Ich zurückversetzt hatte) vielleicht gar nicht die Zielgruppe bin. FSK 12. Joa. Nö.

Und DAS wird jungen Frauen als Zielgruppe vorgelegt! Ich habe wirklich großen Respekt vor Filmschaffenden, aber hier ist etwas ganz, ganz schief gelaufen. Selbst wenn die Vorlage sinngemäß übernommen wurde, hätte man sich an dieser Stelle Gedanken machen müssen.

Folgendes muss man sich dann mal auf der Zunge zergehen lassen:

Gefördert durch:

FilmFernsehFonds Bayern

Film- und Medienstiftung NRW

Mitteldeutsche Medienförderung

Filmförderungsanstalt

Deutscher Filmförderfonds

Finanziert durch:

Bayrischen Bankenfonds

Bleibt nur noch zu sagen, dass ich einige Ausrufezeichen aus dem Text entfernen musste. Der Untergang der Filmkultur – er beginnt bei Rubinrot.

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22 Gedanken zu “Rubinrot (2013) von Felix Fuchssteiner – Mir fehlen die Worte

  1. Ahaha, ich habe das ja eisern durchgezogen und habe noch die restlichen Teile gesehen. Der deutsche Kinder- und Jugendfilm ist eben das einzige Genre, wo sich optisch etwas getraut wird, aber du hast vollkommen Recht…dat Drehbuch ist für den Müll. Hatte nicht die Autorin selbst das Ding verfasst? Dann führt mein Weg niemals zur schriftlichen Trilogie.

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    • Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber allein diese Tatsache bestätigt meine Meinung, da ich ja sonst wie blöde recherchiere. Habe die restlichen Teile auch noch gesehen – sie werden ja tatsächlich besser (oder man hat sich an die Qualität angepasst…)

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      • Ich fand das Vieh, was Rufus Beck gesprochen hat, ganz ganz furchtbar. Und ich habe gemerkt, dass ich ihm diese Rolle auch übel nehme und latent aggressiv bin, wenn meine Eltern bei Kaffeekränzchen im Hintergrund wieder Harry Potter Hörbücher laufen haben.

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  2. Hey Jana,
    du hast mich neugierig gemacht. Werde mir jetzt eine Tasse Kaffee und dazu „Rubinrot“ auf Amazon Prime gönnen und wenn das nicht genauso gut ist wie „You are wanted“ dann… 😄
    Ein Scherz! Viele Grüße

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    • Haha. Im negativen Sinne hat das sehr viel Unterhaltungswert, aber den Kaffee würde ich mir damit nicht vermiesen. Ich bin ja relativ schmerzbefreit und habe die anderen beide Teile auch noch geguckt. Sie werden tatsächlich etwas besser. Etwas! Prost übrigens 😉

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      • Danke! 🙂 Der Kaffee ist noch genießbar! Aber ich frage mich echt gerade, was Katharina Thalbach und Veronica Ferres dazu bewogen hat, so schlecht zu spielen. Und die Vertonung, da wird genuschelt, was das Zeug hält. :-/

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        • Du tust es also tatsächlich. Respekt! Lass mich unbedingt deine Meinung hören. Wenn du schon bei den beiden Fragezeichen in den Augen hast, dann warte mal ab, wer da noch alles aufspielt 😉

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  3. Ich weiß noch wie ich das Plakat dazu im Kino habe hängen sehen – irgendwie fand ich es ansprechend muss ich sagen, aber zugleich dachte mir auch, dass der bestimmt nicht gut ist. Danke für die Bestätigung. 😉
    Wenn ich sehe was für ein 0815 Trash durch Fördergelder finanziert wurde, dann blutet mir immer das Herz, da solches Geld in kulturell wertvollen Produktionen soviel besser aufgehoben wären. Nach den Überraschungen der Finanzkrise wollten so manche Landesbanken nun wohl auf Nummer sicher gehen..

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    • Mir auch. Ich kann es nicht wirklich nachvollziehen, dass man diesem ersten Teil dann noch n einer Fortsetzung eine Chance gegeben hat. Aber vielleicht wurde das vorher schon vertraglich vereinbart. Der letzte Teil (ich bin ja so schmerzbefreit) ist halbwegs erträglich.

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  4. Ja, es ist wirklich gruselig was man bei diesem „Young-Adult-Quatsch“ jungen Mädchen an „Ansichten/Tipps fürs Leben“ mitgibt. So nach dem Motto“ du kannst noch so intelligent und selbstständig sein, wenn du dich nicht ordentlich schminkst, massentauglich anziehst und du nicht dünn bist, dann wird dich dein Traumprinz niemals finden und du wirst nichts wert sein“. Von diesem fragwürdigen Genre habe ich mich letzten Monat sehr spontan zu einer Kurzgeschichte hinreißen lassen: https://mwj2.wordpress.com/2017/03/08/die-chroniken-von-adele-t-young/

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  5. Ja! Das ist ja hier auch so. Sie sei „spät dran“. Was ist denn das für eine Aussage? Zur Kostümierung: Klar, zum Zeitreisen muss das sein, verstanden, aber warum dann auch für die Schule? Warum müssen ihr erst alle Mädels hinterhergucken, bevor sie etwas ist. Und irgendwann die Szene mit dem Motorrad vor dem Schulhof…schäm

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  6. Ich müsste grad ein bisschen grinsen angesichts deiner Rezension :D.
    Ich fand den Film auch nicht gut, aber hauptsächlich weil ich die Buchvorlage damals ziemlich toll fand (auch schon ein paar Jährchen her, wenn man mal so drüber nachdenkt) und der Film meiner Meinung nach nicht gut umgesetzt war. Alleine die Story haben sie absolut kaputtgemacht und im ersten Teil schon alle Geheimnisse der anderen beiden verraten. Und diese überladene Optik, was das Zeitreisen betrifft! Figuren und Dialoge wurden ebenfalls nach welcher Logik auch immer verändert, es vielen viele kleine Details und der Humor, mit dem Gwen im Buch die Geschichte erzählt und naja, ich hätte mir lieber keine Verfilmung gewünscht als so eine.

    Über die Oberflächlichkeit der Aussage habe ich mir dagegen ehrlich gesagt nie Gedanken gemacht. Ich habe Gwens optische Veränderung immer für notwendig gehalten, weil sie ja schlecht in Jeans und Schlabberpulli in die Vergangenheit reisen kann (würde dezent auffallen), aber sicher hätte man ihr auch weniger klischeehaft prinzessinenmäßige Sachen anziehen können, die trotzdem in die Zeit passen.
    Was ihre Beziehung zu Gideon betrifft, erinnere ich mich an überhaupt nichts mehr und weiß gar nicht mehr, wie damals erklärt wurde, dass sie sich in so einen arroganten Sack verliebt ^^.
    Mittlerweile sehe ich Kerstin Giers Jugendbücher aber auch kritischer, weil gerade ihre zweite Jugendbuch-Reihe wieder äußerst fragwürdige Aussagen über Jugendliche enthält (unter anderem ist es einer 16-jährigen peinlich, noch Jungfrau zu sein…)

    Den zweiten Film der Reihe habe ich mir dann auch schon gar nicht mehr angetan…

    Viele Grüße,
    Charlie

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