Nippon Connection – Tag 2 (95 and 6 to Go | Happiness | The Projects)

So, es ist an der Zeit, Beiträge nachzuholen, denn dafür fehlte mir selbige beim vollen Festivalprogramm. Der zweite Tag war ebenso wie der Dienstag ein heißer! Da kam die Filmauswahl  und damit gemischte Klimatisierung sehr recht. Es dürfte auch der einzige Tag gewesen sein, an dem ich meine Vorabplanung eingehalten habe. 

Die Naxoshalle und der Plan am Mittwoch

Drei Filme sollten es am Mittwoch sein, die ich auch alle mitgenommen habe. Um 15.00 Uhr ging es los mit 95 and 6 to Go von Kimi Takesue in der warmen Naxoshalle, eine ehemalige Fabrikhalle – 1906 erbaut – und so ziemlich die charmanteste Location beim Festival. 17.00 Uhr folgte der SABU-Film Happiness und danach ging es mit The Projects von Junji Sakamoto um 19.30 Uhr (gottseidank) fröhlich weiter. Anschließend dann die Karaoke-Veranstaltung, die ziemlich großartig bis angenehm strange war (Anton, falls du das hier liest: Ich werde dich immer als Meejungfrau in Erinnerung behalten und habe Beweisfotos!). Doch dazu später.

95 and 6 to Go (2016) von Kimi Takesue – Feuerwerk auf Honolulu

© Kimikat Productions

Vergangenheit und Fiktion

95 and 6 to Go ist eine Dokumentation der japanisch-amerikanischen Regisseurin Kimi Takesue, die ihren pragmatischen Großvater Tom Takesue in Honolulu-Hawai mit der Kamera begleitet, nachdem seine Frau, ihre Großmutter, sehr tragisch verstarb (Ihr Kimono fing Feuer). Kimi Takesue (Bound (Debut, Short), Looking for Adventure (Documentary short), Where Are You Taking Me?) wurde in Denver geboren, wuchs in Hawaii und Massachusetts auf und studierte Cultural Studies und Women Studies. Ihr Interesse gilt den marginalisierten Figuren in der Gesellschaft, die sonst übersehen werden oder häufig nur in historischen Kontexten Betrachtung erfahren. 

Kimi Takesue © Richard Beenen (Koproduzent 95 and 6 to Go)

95 and 6 to Go entstand in 6 Jahren Drehzeit, während Kimi Takesue an einem Drehbuch über eine interkulturelle Liebesgeschichte arbeitete, an der ihr Großvater zu ihrer Überraschung reges Interesse zeigte. So bezeichnet die Regisseurin ihre Doku als Kolaboration zwischen Großvater und Enkelin, die sich durch Kunst auszudrücken vermag. Zeigte sich Tom Takesue anfangs noch zögerlich über die Veröffentlichung seines Lebens, spricht er im Verlauf über die Liebe zu seiner Frau, vom Verlust, Altwerden und Tod – vorzugsweise beim Essen oder seinen täglichen Routinen. Dabei gibt Kimi Takesue nicht nur interessante Einblicke in das Leben ihres Großvaters, sondern befragt ihn auch zu seiner Meinung zu ihrem neuen Drehbuch. So vermischen sich im Verlauf persönliche und metafiktionale Geschichte, die Unsicherheiten, Bedauern, Glück und persönliche Erinnerungen im Alltag hervorbringt. Bewegend erlangen Beharrlichkeit und Wiederaufstehen damit in beiden Geschichten Ausdruck.

  • USA 2016, DCP, 85 min, Engl. OV
  • Director, camera & world sales: Kimi TAKESUE
  • Production: Kimikat Productions, Isotope Films
  • Producer: Chiemi Karasawa; Co-Producer: Richard Beenen
  • Colorist: Gabriele Turchi
  • Re-recording Sound Mixer: Tom Efinger
  • Sound Editor: Jeff Seelye
  • Additional Music: Paul Brill
  • Key Art/Design: Eddie Chu
  • Production Coordinator: Meera Aiyagari
  • Post & Publicity Assistants: Minna Son & Sophie Luo
  • Screening Format: DCP, Blu-ray, Apple Pro- Res
  • Music for Trailer: Trio Noir
  • Deutschlandpremiere
  • Wettbewerb: Nippon Visions Jury Award and Nippon Visions Audience Award
  • Supporting film: TO FIND THE DAY OF THE 21ST
  • By Kieko IKEHATA, Japan 2017, 13 min, Japanese with English subtitles

by Kimi Takesue

Happiness (2016) von Sabu

[…] Eine wesentlich spannendere Lesart eröffnet sich, wenn man sich fragt, warum diese Kleinstadt der Tristesse und Eintönigkeit verfallen ist und Angebote der Erleichterung in Sanktionen münden. Durch diese nüchterne und monotone Szenerie scheinen die Erinnerungen wie Leuchtfeuer und bergen mehr Kraft als die ungerührte Gegenwart der Gemeinde. An den heraufbeschworenen Glücksgefühlen kann man sich nicht sattsehen, gern möchte man für immer in diesen Gesichtern verweilen. Diese Blicke in die Vergangenheit kommen nicht direkt aus den Personen selbst, sondern werden extern herbeigeführt. Sich nicht von schlechten Erinnerungen gefangen nehmen lassen, dem Glück nicht allein nachzujagen, sondern es im Kontakt zu erwecken – vielleicht liegt ja darin die betitelte Happiness.

Hier geht es zur kompletten Filmbesprechung. 

by Busanfilmfestival

  • ハピネス 
  • Japan / Deutschland 2016, DCP, 91 Min., OmeU
  • Regie & Drehbuch: SABU
  • Produktion: Live Max Films, Rapid Eye Movies
  • Kamera: Koichi FURUYA
  • Verleih: Rapid Eye Movies
  • Darsteller: Masatoshi NAGASE, Hiroki SUZUKI, Erika OKUDA, Tetsuya CHIBA, Arisa NAKAJIMA
  • Deutschlandpremiere
  • Wettbewerb Nippon Cinema Award

The Projects (2016) von Junji Sakamoto – Aufruhr im Sozialbau

Was eröffnen sich in diesem Feld nicht für wundervolle Möglichkeiten. Ob Polanskis Le Locataire (1976), die feierwütige Holly Golightly in Breakfast At Tiffany’s (1961), Hitchcocks Rear Window (1954) oder auch aktueller Le hérisson (2009) von Mona Achache und der anarchistische Happen High Rise (2015) von Ben Wheatley. Außerdem zu erwähnen ist: das Meisterwerk Dogville (2003) von Lars von Trier. Wenn sich die Identität im Guss der Umgebung auflöst und diese Rollen  nach Belieben besetzt werden können, dann ist man Nachbar – so auch in The Projects. Der Mikrokosmos der Danji birgt frei florierende Bedingungen für Geschwätz, Gerüchte und die unterschiedlichsten Konstellationen, je nachdem wen man eben gerade so trifft. Fluch und Segen zugleich.

Hier geht es zur kompletten Filmbesprechung.

by JapanSocietyNYC

  • 団地
    Danchi
  • Japan 2016, DCP, 103 Min., OmeU, FSK 12
  • Regie & Drehbuch: Junji SAKAMOTO
  • Produktion: “The Projects” Film Partners
  • Kamera: Ryo OTSUKA
  • Weltvertrieb: Kino Films
  • Darsteller: Naomi FUJIYAMA, Ittoku KISHIBE, Michiyo OKUSU, Renji ISHIBASHI, Takumi SAITO
  • Deutschlandpremiere
  • Wettbewerb Nippon Cinema Award

Was vom Tage übrig blieb – Karaoke!

Karaoke (jap. カラオケ) kommt bekanntermaßen aus Japan und war deshalb für mich eine gern besuchte Pflichtveranstaltung. Es war gut besucht und meine anfängliche Befürchtung, es würde an Teilnehmern mangeln, löste sich schnell in Luft auf. Da hatten wir eine Froschkönigin, eine Katze, die Meerjungfrau Anton und einen hohen Luftgitarrenverschleiß. Auch hat sie die quirlige Sängerin Aoi Swimming dieser Herausforderung gestellt, die am Samstag ein Konzert im Mousonturm gegeben hat. Ihre Rap-Einlage war sicherlich eine der Höhepunkte.

by Mikio Saito

Meine Achtung für den Mut, sich da oben hinzustellen. Aber ich lasse an dieser Stelle mal Bilder sprechen. Mein Handy verweigerte mir die Kooperation an diesem Abend, wie man an den Bildern sieht, oder irgendwas ist in sich zusammengeschmolzen – so konnte ich leider nicht alle Teilnehmer fotografieren.

 

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2 Gedanken zu “Nippon Connection – Tag 2 (95 and 6 to Go | Happiness | The Projects)

    • Ich war nicht angemeldet, würde mich aber eventuell nächstes Jahr hinreißen lassen. Nur im Duett versteht sich. Habe aus irgendeinenem Grund ein Hummelkostüm im Kopf…

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