Eraserhead (1977) von David Lynch – Die Befruchtung der Angst

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen. 

Lange bin ich um Eraserhead herumgetanzt, weil ich mich allgemein schwer mit Lynchschen Auswüchsen tue. Nach dem zweiten Anlauf klappte es dann aber. Ob es sich gelohnt hat? Ja, wenn das Vergnügen auch eher zweifelhafter Natur war…

Weiterlesen »

Advertisements

Die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen (1976) von Ettore Scola

Man sollte sich darauf einrichten, nach der Bekanntschaft mit diesem Miststück duschen zu wollen, denn der Dreck klebt hartnäckig. Randerscheinungen huren rum was das Zeug hält, verwalten und vergewaltigen sich nach bestem Wissen und Gewissen. In ihrer Vermehrung dehnen sie den Begriff der Verkommenheit und zelebrieren ihre Entstellungen in ihrem eigenen Mief und Saft. Häusliche Gewalt wird zur Normalität entstellt und über Omas Kopf und Rollstuhl hinweg ausgetragen. Vorsicht! Omas Rente! Während Oma sich englisch sabbernd vor dem Fernseher vergnügt, gehen die Enkel ihren beruflichen Tätigkeiten nach, im Überwiegenden Prostitution und Diebstahl. Sex sells. Herzlichen Glückwunsch. Dabei müssten sie gar nicht arbeiten. Papa Giacinto hats ja. Aber der totalitäre Giacinto ist nicht daran interessiert, es für jemand anders, als sich selbst auszugeben. Hoffnungslosigkeit bleibt der ständige Begleiter und die Hässlichkeit und Gemeinheit geht in einem ins Mark über, denn außer ihr kann dort nichts existieren. Dabei nimmt die Kamera jeden wackelnden Busen, jeden Schlüpfer und jedes noch so erdenkliche Anstößige in die Nahaufnahme, sodass man selbst Teil dieses pervertierten Aufmarsches ist. Die eigene Scham findet hier keine Erlösung, außer vielleicht im Abspann.

 

Ein besonderer Tag (1977) von Ettore Scola

Wenn wir in die Wohnung von Hausfrau Antonietta sehen, dann fühlen wir vielleicht, es ist nicht so recht in dieses Fenster zu schauen, aber es ist notwendig. In einem hohen Wohnblock, Sinnbild einer Vereinheitlichung und Durchsichtigkeit, die sich im Inneren zu halten versucht, dürfen wir einen Auszug aus Antoniettas Leben sehen, welche vermeintlich alles hat. Einen Ehemann, Kinder in großer Zahl und eine leidenschaftliche, unerschütterliche faschistische Grundüberzeugung, die sie mit ihrem Mann und ihren Kindern teilt.

Anlässlich des Besuches Adolf Hitlers und zu seinen Ehren, richtet Mussolini 1938 eine Parade in Rom aus, die von allen Römern mit Spannung und Vorfreude erwartet wird. Rom hat sich rausgeputzt. Rom ist in Erwartung. Antonietta bleibt zu Hause und räumt auf. Dunkle Augenringe zeichnen die Tüchtigkeit dieser Frau aus, der die Rolle der systemtreuen Hausfrau und Mutter schon längst ins Blut übergegangen ist.

„Ordnung ist die Tugend der Mittelmäßigkeit.“

Pflichtbewusst öffnet Antonietta auch den Vogelkäfig des Beos, welchen sie zu füttern gedenkt, und leitet damit die Wandlung eines Lächelns ein. Ein Lächeln, das den Römern schon längst im Halse stecken geblieben ist, da zwischen Disziplin und Ordnung kein Platz dafür sein kann. Ein Lächeln, das zur Gefahr geworden ist, weil man es nicht kontrollieren kann. Ein einsames Lächeln, das sich selbst verleugnet, versteckt hinter einer Parade zu Ehren der wirklich Fröhlichen. Die Höhne des munteren Beos kann nur auf sie herabsehen.

„Lass das sein!“ schreit er vom Dach, während Antonietta auf ihren Nachbarn trifft und sie gemeinsam versuchen den dreisten Vogel wieder einzufangen.

Oft zögerlich und höflich drückt sich dabei das vorsichtige Lächeln Antoniettas gegen das von Gabriel. In der Peinlichkeit des ersten Moments kann es die Autorität der Verantwortlichkeit befreien, während es sich immer noch in Vorsicht übt. Vereint in der Erlösung der Befreiung, sucht es sich beständig seinen Weg, nur um dann plötzlich hervorzubrechen. Ein besonderer Tag. Ein besonderer Tag ist es, wenn er aus vielen Augenblicken besteht und von Zeit zu Zeit der Augenblick des Lachens kommt. Wie beim Niesen. Einfach so.

Es beginnt eine ehrliche und ungewöhnliche Freundschaft zwischen den beiden, die tragigkomischer nicht sein könnte. Sensibel und schüchtern vermischen sich zwei Seelen miteinander, zwei Seelen die ein Lachen vergessen haben. Wenn wir eben dieses Lachen erfahren dürfen, dann sehen wir nicht nur zwei Menschen im Aufgang einer Freundschaft, sondern eine im Untergang befindliche Überzeugung, die einer offenen Verhöhnung nicht mehr bedarf, weil sie sich selbst ad absurdum führt.