Seom (2000) von Kim Ki-duk – Am Angelhaken („S“.E.P.T.E.M.B.E.R. #1)

Worum geht es? Zack von Zacksmovie hat dazu aufgerufen, den S.E.P.T.E.M.B.E.R. zu schauen – Buchstabe für Buchstabe. Ich habe lange überlegt, welchen Film ich nehme. An Auswahl mangelte es jedenfalls nicht. Seom von Kim Ki-duk hat es mir am meisten angetan (und das darf man ganz wörtlich nehmen).

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Paprika (2006) von Satoshi Kon – Deine Träume gehören mir

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Kennt ihr das? Das Duschbad oder die Shampoo-Flasche ist vom Drücken so eingedellt, dass beim erneuten Drücken nichts mehr herauskommt. Der Trick: Man drückt mit der Hand auf die beiden, nicht eingedellten Seiten, so das Luft eingesogen wird. Was dann meist beim Loslassen folgt, ist vorzeitiger Shampoo-Erguss in Reinform. So ungefähr muss man sich das mit Paprika vorstellen. Man drückt an ein paar Stellen und ein Schwall von nicht dosiertem Wahnsinn ergießt sich über den Bildschirm. Aber lest selbst.

—Spoilerfrei—

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Mysterious Skin – Unter die Haut (2004) von Gregg Araki

© 2010 Antidote Films
© 2010 Antidote Films

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Mysterious Skin klebt am Zuschauer wie süßer und übelkeitverursachender Zucker. Nichtsdestotrotz sollte man dies, wenn man es noch nicht hat, billigend in Kauf nehmen, um ein thematisch rundum gelungenen Film zu sehen. Momentan auch bei Netzkino verfügbar. 

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North & South (2004) von Brian Percival

Vier Stunden sind für diese Verfilmung nicht zu lang, sondern höchstens ausreichend. North & South wird innerhalb der Literatur von manch Abtrünnigen als das bessere Stolz und Vorurteil gehandelt. Immerhin hat man mich nun so weit, dass ich dazu keine Stellung mehr beziehe, bevor ich das Buch nachgeholt habe.

Zur Sache: Niemals gefühlsduselig, fesselnd und nie auch nur einen Schritt daneben, präsentiert sich diese Verfilmung von Elisabeth Gaskells Roman. Um Stolz und Vorurteile dreht sich auch hier alles, aber vor allem handelt es auch von Sitten und Sittlichkeit. Sittlichkeit kommt immer mit gemein akzeptierten gesellschaftlichen Regeln und Bestimmungen. Diese stellt hier auf, wer sich auch anderweitig an der Macht bedient und diese für sich zu gebrauchen weiß. Sie begrenzt das Denken Untenstehender und verwehrt ihn das Emporkommen. Mit den Erschwernissen an Bildung, Nahrung und Meinung zu kommen, hält man den denkenden Geist fest im Zaum, die Tugend gilt dabei als Wert der Vermarktung und Chance des Emporkommens in der Welt.

Dies sind alles keine neuen Themen aus dieser Zeit und unter anderem auch bei Charles Dickens sehr gut aufgehoben, dennoch weiß dieser Film diese einzelnen Stränge in Schönheit und mit Liebe zu verpacken, ohne je willkürlich zu wirken. Es ist somit ein aktuelles Portrait einer Gesellschaft, wie sie heute existiert, wenn auch mit feineren Abstufungen. Eine Liebesgeschichte, die eigentlich von der Liebe der Menschen handelt, die sich in verschiedenen Ansichten, aber in der gleichen Lage wiederfinden und gemeinsam etwas bewegen wollen. Menschen, deren Interessen und Leidenschaften nicht so entfernt voneinander sind, wenn sie sich die Mühe machen, einander zuzuhören. Sehr sehenswert!

 

Persuasion (2007) von Adrian Shergold

Verführung. Was macht einen starken Charakter aus? Inwieweit darf dieser sich beeinflussen oder verführen lassen? Wie wird er verführt und wodurch?

Im Allgemeinen haben alle Fragen in diesem Zusammenhang eines gemeinsam: Die Gunst oder das Wohlwollen liegen beim Verführer selbst. In der selbst gewählten Unterordnung löst sich die Schuldigkeit, im Aufbegehren lädt sich Gewissensschuld für das eigene Handeln auf. Es ist auch Schuld, die die Heldin hier mit sich herumträgt, genauer: Die Schuld einmal im Leben eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Gezeigt werden die Folgen, die aus Verführung und Schuld erwachsen können. So müssen alle Figuren sich stets selbst fragen, ob sie sich beugen oder aufbegehren. Ob es um gesellschaftliche Konventionen, Gefühle oder das eigene Handeln geht, stets wird unter Umgehung der Schuld oder Schuldigkeit gesellschaftliches Leben abgehandelt. Die Freiheit existiert nur in Gedanken und dieser Käfig wird nur allzu deutlich, wenn verletzter Stolz und Eitelkeit diesen vor der Wirklichkeit verriegeln.

Persuasion oder auch Verführung/Überredung ist ein relativ unbeachtetes und das letzte vollendete Buch von Jane Austen. Man darf sich also eigentlich freuen, wenn die BBC sich dessen annimmt. Allerdings erfährt die Verfilmung nicht sonderlich viel Beachtung. Hektisch werden mittels inflationär eingesetzter Wackelkamera alle Stationen abgearbeitet, dass einem schwindelig wird. Bevor man die Chance bekommt, sich auf eine Figur einzulassen, wird man mit dröhnendem Sound davongejagt. Sally Hawkins interpretiert die Figur Anne Elliot recht eigenwillig und, wenn man jemals nach einem weiblichen Pendent für die redmaynsche bebende Unterlippe gesucht hat… Hier wird man durchaus fündig. Das fällt aber sicherlich unter Geschmackssache. Ein allgemeines overacting kann man dem Film aber dennoch nicht absprechen, weshalb die Grundthematik oft zu exzentrisch gerät. Verführung ist im Wortsinn selbst schon subtil und kann nicht einfach schreiend ausgestellt werden. Weniger ist manchmal eben mehr. Dass am Inhalt nicht viel verändert wurde ist positiv anzumerken, da man trotz der Umsetzung noch ein gutes Gefühl für die Kernthematik bekommen kann, welche sich ganz auf die Selbstbefreiung der Hauptfigur konzentriert.

Diese Frage nach Auto- und Heteronomie zieht sich oft durch die Romane Jane Austens, aber in keinem so deutlich wie hier. Die übrig gebliebene Eigenverantwortlichkeit wird hier als Motor für Veränderungen betrachtet, die nicht zwangsläufig mit allen Konventionen brechen muss. Im Spiegel seiner selbst kann man aus Vergangenem lernen und sich neu emanzipieren, wenn man bereit ist die Verantwortung dafür zu tragen. So zeichnet Persuasion ein sehr optimistisches Bild, welches die damalige und vielleicht auch heutige Gesellschaft als Zuflucht willkommen heißt.

Before Night Falls (2000) von Julian Schnabel

Was „Before Night Falls“ letztendlich doch zum vielsagenden Film macht, ist eindeutig die Leistung von Javier Bardem. Man sagt immer, dass ein Schauspieler einen Film getragen hat, hier hat er ihn durch und durch gelebt. Das Bild von Kuba, es ist ein chaotisches. Die sexuelle Revolution macht aus jungen Wilde Halbstarke, die Revolution selbst aus Gewinnern Verlierern. Zwischen kubanischer Tradition, abgeschotteten Werten und einer förmlich zu spürenden Lebenslust und Freiheit, lernt man den 19-jährigen Reinaldo Arenas kennen, welcher mit einer ansteckenden Begeisterung und Gelassenheit durch das Leben geht und damit den starken Kontrast zwischen Freiheit und Ideologie herstellt.

Inspiration und Furcht liegen im Film immer klar beieinander. Klar, hält sich hier leider auch die Kritik in Grenzen. Überhaupt ist in dem ganzen Durcheinander und all der Länge kein Bezugspunkt, was vielleicht die Zeit damals widerspiegelt, in der Länge aber ab und an anstrengend gerät. Die Poesie, welche sich durch den Film zieht vermag es, einen mitzunehmen, aber oft unterbricht sie die emotionale Tiefe und Beziehungen der Charaktere.

Sehenswert ist „Before Night Falls“ dennoch, allein schon der Leistung Javier Bardems wegen, aber auch, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Freiheit sich in Unterdrückung verwandelt.

Ponyo – Das große Abenteuer am Meer (2008) von Hayao Miyazaki

Wer eine abgewandelte und ernstzunehmendere Form von „The Little Mermaid“ sehen möchte, ist mit „Ponyo- Das große Abenteuer am Meer“ („Gake no ue no Ponyo“) wirklich mehr als bedient. Innerhalb eines Schwarms von Goldfischen individualisiert sich hier die kleine Brünnhilde entgegen aller Widerstände. Widerstände, die nicht nur von der Umwelt im Allgemeinen, sondern von Ihresgleichen und dem Menschen ausgehen. Rührig und entwaffnend zeigt ein kleiner Goldfisch zwei Seiten der Menschheit aus der Perspektive eines Kindes. Mit Drohgebärden beschwört sie Naturgewalten, wann immer sie sich durchsetzen möchte und nimmt sich zurück, wenn sie Liebe erfährt. Mit viel Herz und Durchsetzungsvermögen entfesselt das kleine Goldfischmädchen nicht nur die Herzen der dort lebenden Menschen, sondern auch uns Zuschauer.

Lieben und respektieren wir die Natur, so wie sie ist, auch wenn sie sich mal hässlich gibt und geben wir dies vor allem an unsere Kinder weiter. Das ist die Kernaussage von Ponyo. Und es ist ein Kinderlachen, dass sie trägt.