High Rise (2016) von Ben Wheatley ist der konsequentere Snowpiercer

High-Rise zu sehen, war ein Erlebnis der im besten Fall liederlichen Art. Oft wurde in den letzten Wochen der Film Snowpiercer (2013) von Bong Joon-ho zum Vergleich herangezogen. Zugegeben, es bietet sich an, denn allein als gekippte Bezugsfläche funktioniert diese Vorstellung sehr gut. Nichtsdestotrotz unterscheiden sich beide Filme in wichtigen Punkten. Während Snowpiercer die Notwendigkeit verkörpert, verbleibt High-Rise im Opportunen. Am Ende ist man sich jedoch einig: Der Mensch als soziales Wesen, darf dabei nicht gut wegkommen.

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Her (2013) von Spike Jonze und die „Retterin Hollywoods“

© Warner Bros. Ent.
© Warner Bros. Ent.

Überbleibsel Melancholie

Her ist einer der besten Filme, die in jüngster Zeit über den großen Teich waberten. Will man in einen tiefen melancholischen See abtauchen und trotzdem atmen, ist man bei Her bestens aufgehoben. Theodore Twombly (Joaquín Phoenix) ist emotional noch mitten in der Scheidung von seiner früheren Jugendliebe. Während er beruflich gefühlvolle Texte verfasst, um anderen Menschen den Zugang zu ihren Gefühlen zu erleichtern, ist seit der Trennung kein Platz mehr für eigene. Diesen Platz räumt Theodore nach einem weiteren missglückten Date dann einer ganz besonderen Person ein. Seiner zukünftigen Gefährtin Samantha (Stimme: Scarlett Johansson) – einem Betriebssystem. Auch Theodores Real-Life Freundschaft Amy (Amy Adams) kann der digitalen Liebe nicht widerstehen und so geben sich beide einer künstlichen Beziehung hin.

Vernetzung ohne Verbindung

Her spielt in einer nicht näher bezeichneten Zukunft in der die Digitalisierung weiter fortgeschritten ist. Headsets weichen intelligenten In Ear-Komponenten, Neuentwicklungen dem Update, Individualität der Konformität. Die Weiterentwicklung ist nicht mehr erkennbar, sie ist angekommen. In Her sehen wir keine Dystopie im herkömmlichen Sinne, sondern eine nachvollziehbare, mögliche Ausbildung unserer heutigen Welt – traumwandlerische Gebilde unserer Entfremdung. Die spezielle Farbgebung im Film unterstreicht die Entfernung zueinander, die wir heute bereits deutlich spüren. Theodore, welcher die warmen Rottöne seiner Empfindungen durch seine Welt trägt, trifft dort auf kühles Gelb und fades Khaki. Ausdrücke seiner Empfindungen werden von Samantha abgespeichert, verwaltet und weiterentwickelt. Das Betriebssystem als Schnittstelle zwischen Körper und Gefühl des Benutzers.

Her – Red (Between Frames) from Between Frames on Vimeo.

In mehreren Ebenen nähert sich Her der Frage, wie Gefühle in voneinander abgekapselten Welten überleben. Die angestimmte, ruhige und fast einlullende Atmosphäre, passt zur gleichgültigen Akzeptanz einer von Technik beherrschten Welt. Während die Technik sich immer weiter und höher entwickelt, bleibt der Mensch nur ein Mensch. Das ist es auch was Her neben so vielen anderen Dingen zu einem wichtigen Film macht. Er stellt die kritisierte Künstlichkeit her, lässt sie aber gleichzeitig zu einem Erlebnis werden.

Möglich gemacht hat ihn Megan Ellison, Tochter des Oracle-Gründers und Multimilliardärs Larry Ellison. Ohne sie wäre der Film von Regisseur Spike Jonze wahrscheinlich nie realisiert worden.

Too risky for good old Hollywood?

Megan Ellison hat sich nach einem abgebrochenen Filmstudium aufs Filme produzieren verlegt. Mit ihrem Studio Annapurna Pictures bereichert sie einen in die Jahre gekommenen amerikanischen Filmmarkt. Die Filmografie ihres Studios liest sich wie das letzte Stück Kuchen auf dem Teller und wird auch genauso gern verschlungen. Eine Auswahl:

2012 

Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless)
Killing Them Softly
The Master
Spring Breakers
Zero Dark Thirty

2013 

Her
American Hustle

2014

Foxcatcher

2015

Terminator Genisys

Joy

2016

Everybody Wants Some!

Sausage Party

Wiener Dog

Annapurna Pictures : 2012 – Present from APPICS on Vimeo.

Und genauso will sich Ellison wohl auch verstanden wissen. Innovative und mutige Filme stehen auf ihrer Agenda. Independent-Kino im Großformat. Kritische Stimmen hingegen machen sie mitverantwortlich für den drohenden Hollywood-Kollaps. Da der Großkonzern es sich nicht erlaubt, Filme zu produzieren, deren Einspielergebnis unklar ist, werden Filme wie Her von vornherein abgelehnt. Qualität hin oder her. Raise the stakes ist der Grundton in Hollywood. Warum? Weil es von den meisten Zuschauern erwartet wird. Das Problem daran sind die immer höher werdenden Kosten von Großprojekten, welche refinanziert werden müssen.

Annapurna ist die hinduistische Muttergöttin für Nahrung und Reichtum. Unter ihrem Wohlwollen soll niemand mehr Hunger und Elend erleiden und die Kochkunst beherrschen. Klarer könnte Ellison es nicht ausdrücken: Ihr pathetischer Unterbau für die Ziele ihres Studios lassen keinen Zweifel daran, was diese Dame kann und auch will.

Was sagt ihr zu einer solchen Entwicklung? Verderben mehre Köche den Brei (um bei der Nahrungsmittelmetapher zu bleiben…)? Begrüßenswert oder abstoßend?

 

The Lobster (2015) von Yorgos Lanthimos

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