Next Floor (2008) von Denis Villeneuve – Vegetarier aufgepasst!

Ein Kurzfilm zum Sonntag (Kiekin: Ein kurzer Besuch). Hand aufs Herz: Wer hat schon angegrillt? Mit Next Floor verschafft uns Denis Villeneuve ein bizarres, wie vergnügliches Festessen. An dieser Stelle nochmal Danke für den Tipp an Behind The Screen!

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Zeit der Kannibalen von Johannes Naber

Wie rutscht man eigentlich in seiner eigenen Sch**** aus? Indem man eine Welt erschafft, die die Künstlichkeit vor die Wirklichkeit stellt, indem man Champagner vor Spott und Verhöhnung nur so knallen lässt, indem man… Bullshit! Gar nicht! Es ist die Zeit der Kannibalen.

Ort: unbekannt, aber höchst zweifelhaft.

Durchkomponierte Manierismen werden ins Hotel getragen und auch der Dreck vor dem Fenster knallt ein Lied. Es ist das Lied der Straße, es ist ein Lied von Widerstand und freier Sicht, welches man innen nicht mehr sehen, aber hören kann. Innen zählt nämlich nur das Team! Gemeinsam suhlt es sich eben doch viel besser. Und nur wer bereit ist, sich schmutzig zu machen, darf hier rein. Consulting. Globalisiert. Uniformiert. Willkommen zu unserer heutigen Sitzung: Kapitalismus at its best.

„India was Yesterday“and „Pakistan is on special offer now.” So move along.

Der Pöbel bleibt aber gefälligst draußen, während ich deren Frauen befriedige. Mein Kundenstamm dankt es ihnen. Dankbar dürfen aber auch sie sein. Optimierung! Hier geht es nicht nur um Geld und Sex, sondern um Verbesserung! Ja, meine Damen und Herren! Das scheinen sie noch nicht verstanden zu haben. Ein wacher Geist ist bestrebt, sich selbst zu optimieren und, wenn er das geschafft hat, andere zu befriedigen, pardon: zu optimieren. Entwicklungshilfe nennt man das. Und dieser Weg führt über die proaktive Routine! Gleiches Ambiente, gleiches Aussehen, gleiche Standards, gleiche Krawatte! Routine, meine Damen und Herren, die Routine! Globaler Funktionalitäts-Konsens.

Gut, dass der Kollege endlich abgetreten ist, nun kann ich was verändern in der Welt. Routiniert und ambitioniert, aber vor allem geradeaus. Und beim Powerpoint-Karaoke lassen wir später unseren lösungsorientierten Dunst ab. Partner sein, heißt hier nämlich nicht nur, endlich aufzusteigen. Partner sein, heißt was zu bewirken. Präsentiert das Humankapital! Endlich keine Bescheidenheit mehr.

“Have you ever asked yourself, what we are doing here?”

Was? Nee? Warum auch? Läuft doch, nicht? Die draußen haben was dagegen, meinen sie? Frauen? Unterdrückt, sagen sie? Bürgerkriege??? Nun machen sie mal einen Punkt, ich kann mich schließlich nicht um alles hier kümmern. Und die entscheiden doch selbst, wem sie ihre Titten vor die Nase hängen. First things first. Uneffiziente Afghanen, musikverschmähende Nigerianerinnen, befindlichkeitsfixierte Spitzmaulnashörner und Moskitos im Hotelzimmer. Ich, ja ich, werde die Welt verändern! Hoch die Tassen!

„See you at the top“

Die Schmutzigen, die Häßlichen und die Gemeinen (1976) von Ettore Scola

Man sollte sich darauf einrichten, nach der Bekanntschaft mit diesem Miststück duschen zu wollen, denn der Dreck klebt hartnäckig. Randerscheinungen huren rum was das Zeug hält, verwalten und vergewaltigen sich nach bestem Wissen und Gewissen. In ihrer Vermehrung dehnen sie den Begriff der Verkommenheit und zelebrieren ihre Entstellungen in ihrem eigenen Mief und Saft. Häusliche Gewalt wird zur Normalität entstellt und über Omas Kopf und Rollstuhl hinweg ausgetragen. Vorsicht! Omas Rente! Während Oma sich englisch sabbernd vor dem Fernseher vergnügt, gehen die Enkel ihren beruflichen Tätigkeiten nach, im Überwiegenden Prostitution und Diebstahl. Sex sells. Herzlichen Glückwunsch. Dabei müssten sie gar nicht arbeiten. Papa Giacinto hats ja. Aber der totalitäre Giacinto ist nicht daran interessiert, es für jemand anders, als sich selbst auszugeben. Hoffnungslosigkeit bleibt der ständige Begleiter und die Hässlichkeit und Gemeinheit geht in einem ins Mark über, denn außer ihr kann dort nichts existieren. Dabei nimmt die Kamera jeden wackelnden Busen, jeden Schlüpfer und jedes noch so erdenkliche Anstößige in die Nahaufnahme, sodass man selbst Teil dieses pervertierten Aufmarsches ist. Die eigene Scham findet hier keine Erlösung, außer vielleicht im Abspann.