Casablanca (1942) von Michael Curtiz /Reframed #2

Hallo zum zweiten Reframed-Special. In diesen Specials werden wegweisende und bahnbrechende Filme neu „gerahmt“, sprich ausführlich vorgestellt. Eigentlich ist das aber nur eine Ausrede, um sie mir noch mal oder zum hundertsten Mal anzuschauen… Heute mit Casablanca, einem Meilenstein der Filmgeschichte. Warum das so ist, erfahrt ihr hier.

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Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist (2015) von Andreas Prochaska

Wenn du wüsstest, wie schön es hier ist. Wenn die Kamera sich in das Tal von Hüttenberg absenkt, dann betritt man eine ganz eigene Welt.

„Still ruht der See, die Vöglein schlafen,
ein Flüstern und du hörst es kaum.
Der Abend naht, nun senkt sich nieder
auf die Natur ein süßer Traum,
auf die Natur ein süßer Traum.“

Wie in einer Ausstellung arrangiert Prochaska seine Protagonisten, die mal mehr, mal weniger charmant sind. Allen voran Muck, der naive, dösige aber irgendwo auch drollige Postenkommandant und der arrogante, sich selbst zitierende Chefinspektor. Aus Teilen der Erinnerung eines ganzen Dorfes formt sich die Zeit vor dem Mord, während die Reiftanz-Melodie uns betörend umfängt und glauben lässt, es sei alles in Ordnung. Jeder hat seinen Platz im Dorf, jeder seine Erinnerung, jeder sein Geheimnis. Fremde und Unruhestifter sind unerwünscht.

Subtil werden wir von der Wahrheit fern- und auch hingehalten, wie auch Muck, der sich seinen Freunden gegenüber verpflichtet fühlt, diese Verpflichtung aber im Konflikt mit der Aufklärung des Falles steht. Der Zuschauer, hin- und hergerissen zwischen Belächeln und Beklagen, weiß auch nicht so recht, wo er da hineingeraten ist, wenn er den Postenkommandant mit einem Lächeln auf dem Lippen fragen hört, ob ein potenzieller Mörder Streit mit dem Opfer gehabt hätte und ihm daraufhin sanft die Schulter tätschelt. Da braucht es den Chefinspektor, der die Verachtung wie ein Aushängeschild vor sich her trägt. Respektlos pflügt er sich durchs ganze Dorf und mischt alle auf. Keiner ist mehr sicher, was auch Muck in soziale Konflikte stürzt.

Hin- und hergerissen zwischen Dienstverpflichtung, Mondholzbesitzern und Wirtshausstammtisch, muss Muck sich schlussendlich zwischen beidem entscheiden. Die aufkommende Autonomie Mucks, kann sich nun aus der Erinnerung des Dorfes befreien und anfangen zu ermitteln, denn wer die Wahrheit sucht, der muss auch die Lüge sehen. So bringt er nicht nur sich selbst die Balance, sondern auch allen anderen. Die Befreiung des Mörders ist hier auch die Befreiung einer Figur aus einer ihr zugeschriebenen Rolle. Rollen, die auch den Verdächtigen zukamen und ihnen mehr oder weniger zum Verhängnis wurden.

„Es ist immer besser den schwierigeren Weg zu gehen, weil der leichte führt immer im Kreis.“ (Vater Muck).

Erscheinungsjahr: 2015

Regisseur: Andreas Prochaska 

Drehbuch: Stefan Hafner, Thomas Weingartner

Schauspieler: Magdalena Kropiunig, Gerhard Liebmann, Simon Hatzl, Ines Honsel, Branko Samarovski, Arthur Klemt, Fritz Egger, Susanne Kubelka, Heinrich Baumgartner

Bildquelle: © Graf Film

Zodiac – Die Spur des Killers (2007) von David Fincher

Gegen über 2000 Männer wurde seit dem ersten Auftritt des Zodiac Killers ermittelt. Man kann sich nur schwer in die damalige Zeit hineinversetzen, wie hilflos man sich aufgrund eines Menschen vorkommen musste, wieviel Angst man vielleicht auch hatte.

Zodiac, als filmische Reminiszenz, ist an manchen Stellen nahezu dokumentarisch. David Fincher geht nicht den Weg des Zugangs über einen einzelnen Darsteller, sondern inszeniert die Ermittlung sowie den journalistischen Eifer. Eine irre und nahezu unvorstellbare Jagd auf den Killer, die so ruhig abgehandelt wird, als koche man sich morgens den ersten Kaffee, nimmt so gemächlich ihren Lauf. Der einsetzende Verfall der Neugierigen ist hierbei gegenläufig zur Aufklärung. Immer neue Hinweise, bringen weniger oder widersprüchlichere Erkenntnisse. Existenzen gehen zu Grunde, weil sie die Hilflosigkeit nicht akzeptieren können, lösen sich in sich selbst auf, wie sich auch die Greifbarkeit des Verdachts langsam auflöst. Die Neugierigen folgen hier nur der Spur, nie aber dem Killer. Eine Spur, die sich (wie der Film leider auch) hinzieht.

Erscheinungsjahr: 2007

Regisseur: David Fincher

Drehbuch: James Vanderbilt

Schauspieler: Jake Gyllenhaal, Mark Ruffalo, Anthony Edwards, Robert Downey Jr., Brian Cox, John Carroll Lynch, Chloë Sivigny, Dermot Mulroney, Ed Setrakian