The Projects (2016) von Junji Sakamoto – Aufruhr im Sozialbau

Vörred: The Projects ist zu einem meiner Lieblinge beim Nippon Festival geworden. Herrlich absurd und positiv verrückt. Solltet ihr die Gelegenheit bekommen: Unbedingt ansehen!

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Ghost in the Shell (2017) von Rupert Sanders – Ein faules Ei

Vörreed: Double Feature. Nach Aki Kaurismäkis Die andere Seite der Hoffnung gab es gleich hinterher Ghost in the Shell. Was für ein Kulturschock…
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Arrival (2016) von Denis Villeneuve – Abbott und Costello auf Safari

Bravo!

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Dr. Strange (OV/2016) von Scott Derrickson und der Cloak of Disability

Strange: Im Cinemaxx meiner Heimat ist es offenbar ein Problem O-Ton und 3D gleichzeitig zur Verfügung zu stellen.

Warum das eine, wenn man das andere hat?!? Marvel scheint eine ähnliche Ansicht zu haben… Wer, wie ich, die Befürchtung hat, Benedict Cumberbatch im Originalton nicht verstehen zu können, der sei beruhigt. Der Brite hat sich einen schnörkellosen amerikanischen Akzent zugelegt, der sich vom sherlockschen Gemurmel deutlich unterscheidet. „Penguin“ kann er mittlerweile auch aussprechen.Weiterlesen »

10 Cloverfield Lane (2016) von Dan Trachtenberg und das Problem mit dem Umkehrschluss

Bei Hunden mit meist breiten und kurzen Köpfen gibt es ein Phänomen, das sich reverse sneezing, also umgekehrtes Niesen nennt. Dabei wird in kurzer Zeit geräuschvoll Luft durch die Nase eingesogen, bis der Anfall vorbei ist. Für den Hund ist das fast immer ungefährlich, für den Filmschaffenden kann es jedoch zum Problem werden. 

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Inception (2010) von Christopher Nolan – Ein Totem für ein Leben

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Einmal die Penrose Stairs entlang, um doch wieder am Anfang zu stehen. Der verschachtelte Irrgarten hinterlässt unweigerlich seine Spur, nur um dann genüsslich in seinem Genre Platz zu nehmen.

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High Rise (2016) von Ben Wheatley ist der konsequentere Snowpiercer

High-Rise zu sehen, war ein Erlebnis der im besten Fall liederlichen Art. Oft wurde in den letzten Wochen der Film Snowpiercer (2013) von Bong Joon-ho zum Vergleich herangezogen. Zugegeben, es bietet sich an, denn allein als gekippte Bezugsfläche funktioniert diese Vorstellung sehr gut. Nichtsdestotrotz unterscheiden sich beide Filme in wichtigen Punkten. Während Snowpiercer die Notwendigkeit verkörpert, verbleibt High-Rise im Opportunen. Am Ende ist man sich jedoch einig: Der Mensch als soziales Wesen, darf dabei nicht gut wegkommen.

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Her (2013) von Spike Jonze und die „Retterin Hollywoods“

© Warner Bros. Ent.
© Warner Bros. Ent.

Überbleibsel Melancholie

Her ist einer der besten Filme, die in jüngster Zeit über den großen Teich waberten. Will man in einen tiefen melancholischen See abtauchen und trotzdem atmen, ist man bei Her bestens aufgehoben. Theodore Twombly (Joaquín Phoenix) ist emotional noch mitten in der Scheidung von seiner früheren Jugendliebe. Während er beruflich gefühlvolle Texte verfasst, um anderen Menschen den Zugang zu ihren Gefühlen zu erleichtern, ist seit der Trennung kein Platz mehr für eigene. Diesen Platz räumt Theodore nach einem weiteren missglückten Date dann einer ganz besonderen Person ein. Seiner zukünftigen Gefährtin Samantha (Stimme: Scarlett Johansson) – einem Betriebssystem. Auch Theodores Real-Life Freundschaft Amy (Amy Adams) kann der digitalen Liebe nicht widerstehen und so geben sich beide einer künstlichen Beziehung hin.

Vernetzung ohne Verbindung

Her spielt in einer nicht näher bezeichneten Zukunft in der die Digitalisierung weiter fortgeschritten ist. Headsets weichen intelligenten In Ear-Komponenten, Neuentwicklungen dem Update, Individualität der Konformität. Die Weiterentwicklung ist nicht mehr erkennbar, sie ist angekommen. In Her sehen wir keine Dystopie im herkömmlichen Sinne, sondern eine nachvollziehbare, mögliche Ausbildung unserer heutigen Welt – traumwandlerische Gebilde unserer Entfremdung. Die spezielle Farbgebung im Film unterstreicht die Entfernung zueinander, die wir heute bereits deutlich spüren. Theodore, welcher die warmen Rottöne seiner Empfindungen durch seine Welt trägt, trifft dort auf kühles Gelb und fades Khaki. Ausdrücke seiner Empfindungen werden von Samantha abgespeichert, verwaltet und weiterentwickelt. Das Betriebssystem als Schnittstelle zwischen Körper und Gefühl des Benutzers.

Her – Red (Between Frames) from Between Frames on Vimeo.

In mehreren Ebenen nähert sich Her der Frage, wie Gefühle in voneinander abgekapselten Welten überleben. Die angestimmte, ruhige und fast einlullende Atmosphäre, passt zur gleichgültigen Akzeptanz einer von Technik beherrschten Welt. Während die Technik sich immer weiter und höher entwickelt, bleibt der Mensch nur ein Mensch. Das ist es auch was Her neben so vielen anderen Dingen zu einem wichtigen Film macht. Er stellt die kritisierte Künstlichkeit her, lässt sie aber gleichzeitig zu einem Erlebnis werden.

Möglich gemacht hat ihn Megan Ellison, Tochter des Oracle-Gründers und Multimilliardärs Larry Ellison. Ohne sie wäre der Film von Regisseur Spike Jonze wahrscheinlich nie realisiert worden.

Too risky for good old Hollywood?

Megan Ellison hat sich nach einem abgebrochenen Filmstudium aufs Filme produzieren verlegt. Mit ihrem Studio Annapurna Pictures bereichert sie einen in die Jahre gekommenen amerikanischen Filmmarkt. Die Filmografie ihres Studios liest sich wie das letzte Stück Kuchen auf dem Teller und wird auch genauso gern verschlungen. Eine Auswahl:

2012 

Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless)
Killing Them Softly
The Master
Spring Breakers
Zero Dark Thirty

2013 

Her
American Hustle

2014

Foxcatcher

2015

Terminator Genisys

Joy

2016

Everybody Wants Some!

Sausage Party

Wiener Dog

Annapurna Pictures : 2012 – Present from APPICS on Vimeo.

Und genauso will sich Ellison wohl auch verstanden wissen. Innovative und mutige Filme stehen auf ihrer Agenda. Independent-Kino im Großformat. Kritische Stimmen hingegen machen sie mitverantwortlich für den drohenden Hollywood-Kollaps. Da der Großkonzern es sich nicht erlaubt, Filme zu produzieren, deren Einspielergebnis unklar ist, werden Filme wie Her von vornherein abgelehnt. Qualität hin oder her. Raise the stakes ist der Grundton in Hollywood. Warum? Weil es von den meisten Zuschauern erwartet wird. Das Problem daran sind die immer höher werdenden Kosten von Großprojekten, welche refinanziert werden müssen.

Annapurna ist die hinduistische Muttergöttin für Nahrung und Reichtum. Unter ihrem Wohlwollen soll niemand mehr Hunger und Elend erleiden und die Kochkunst beherrschen. Klarer könnte Ellison es nicht ausdrücken: Ihr pathetischer Unterbau für die Ziele ihres Studios lassen keinen Zweifel daran, was diese Dame kann und auch will.

Was sagt ihr zu einer solchen Entwicklung? Verderben mehre Köche den Brei (um bei der Nahrungsmittelmetapher zu bleiben…)? Begrüßenswert oder abstoßend?

 

Der Marsianer-Rettet Mark Watney (2015) von Ridley Scott

„Der Marsianer“ fußt auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir und handelt von Mark Watney (Matt Damon), einem Astronauten und Botaniker. Dieser bleibt während einer Mars-Mission am Tag 18 (Sol 18) unter unglücklichen Umständen zurück und muss, auf sich allein gestellt, sein Überleben sichern. Mittels persönlichem Logbuch und Selbstgesprächen erfahren wir von seinem Plan, sich 4 Jahre lang über Wasser zu halten, um am Ende dieser, die Raumstation Ares IV zu erreichen und mit der dortigen Crew wieder zur Erde zu kommen. Es soll ein langer Weg werden.

Als einziger Mensch auf dem roten Planeten, zeigt sich Watney sofort von seiner derben Seite. Das einzige, was ihm in seiner Erkenntnis noch zu sagen bleibt, ist: „Fuck“. In Anbetracht der Lage mehr als angemessen und nahezu gemäßigt. Statt zu verzweifeln, überlegt er sich nun aber, wie er zu Nahrung und Wasser kommt. Ist es beim Wasser noch ein komplizierter Prozess, wird es beim Essen schon einfacher. Mars-Erde + Crew-Exkremente= Kartoffeln. Durchkalkulierte, auf 4 Jahre ausgelegte Feldarbeit.

Mittels eines persönlichen Logbuchs zeichnet er diese und andere Vorhaben auf. So ersinnt er im Laufe vorüberziehender Sols auch einen Weg mit der NASA zu kommunizieren, was nicht nur der NASA gefällt, sondern der ganzen Welt, die nun an dieser Misere teilhaben darf. Allein auf einem Planeten und die ganze Welt fiebert mit.

(Wer sich dafür interessiert, was Watney der NASA in der Romanvorlage übermittelte, nachdem sie ihn darauf hinwiesen, gemäßigtere Worte zu finden, der wird am Ende fündig)

Diese ganze Szenerie wirkt vorerst so unwirklich, dass man meinen könnte, man stecke in einem Wunschbild von Watney, der davon träumt Astronaut zu werden oder einem Traum der NASA, die fortan nur noch Bauern ins All schießt. Denn die Erwägung des Survival-Dramas kontert hier mit flotten Sprüchen, menschlichem Geschick und viel Erfindungsreichtum, ganz gemäß des hochgelobten technischen Feingefühls der Romanvorlage. Durch die anhaltende filmische Umsetzung selbiger, befindet man sich in einem immerwährenden Kontrast, der einem ein inneres Schmunzeln aufzwingt. Alles verkommt zur Farce, ohne jemals surreal zu sein. Selbst Anspielungen auf Fantasy-Verfilmungen wirken hier nicht deplatziert, genauso wenig wie Watney, der eben auf einem Planeten hockt und darauf wartet, dass ihn jemand abholt.

Sich dieser komischen Situation durchaus bewusst, verhält er sich nur folgerichtig und sorgt nicht nur bei der NASA für viel Erheiterung. Vor allem deshalb, verliert dieser Film nicht an Authentizität, sondern bildet ungehemmt eine mögliche Realität ab.

Die Rettung von Mark Watney ist großes Unterhaltungskino, das nicht auf profane Effekte setzt, sondern Einfallsreichtum, vor sich hinschleichende Spannung und subtilen bis frechen Humor in den Vordergrund stellt. Die homerische Odyssee bekommt hier einen aktuelleren Anstrich und wird über Schmerzgrenzen hinaus ausgereizt. Das Leben ist manchmal schrecklich banal und überdies vernetzt. Man kann nur damit umgehen und aufpassen, dass man nicht in seine eigenen Exkremente tritt.

„Seht mal da! Zwei Titten! –› (.Y.)“

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Drew Goddard

Darsteller: Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara, Kristen Wiig, Sean Bean, Sebastian Stan,Chiwetel Ejiofor, Mackenzie Davis, Benedict Wong, Donald Glover

Beitragsbild: © Twentieth Century Fox of Germany GmbH

 

Ex Machina (2015) von Alex Garland

Der Turing-Test soll künstliche Intelligenz auf ihre Menschlichkeit bzw. Gleichwertigkeit zum Menschen hin überprüfen. Ursprünglich ist ein Mensch als Vergleichsobjekt und ein Beobachter vorgesehen. Ex Machina treibt diese Konstellation auf die Spitze und auch wir dürfen Beobachter spielen. In einer ausnehmend komplexen Atmosphäre entfaltet sich ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Die Versuchsräume sind dabei künstlich, steril und abgeschottet von jedem Leben.

In der Nahrungskette ganz oben angekommen und nur noch sich selbst gegenüber rechtfertigend steht der Mensch. Behaupten kann er sich nur noch gegen sich selbst. Er ist mit sich allein. Er treibt Sport mittels künstlicher Objekte, aber nur solange er auch sie bezwingen kann, er entwickelt sich weiter und weiter und strebt Vollkommenheit an. Er kommuniziert und lebt durch anorganische Bindungen und füllt diese mit Leben. So entsteht auch die Künstliche Intelligenz in Form von Ava aus dieser künstlichen Welt. Und es ist Ava, eine Maschine, die uns zeigt, was es bedeutet menschlich zu sein, zu jeder Zeit, in ihrem ganzen Sein.

„One day the AIs are going to look back on us the same way we look at fossil skeletons on the plains of Africa. An upright ape living in dust with crude language and tools, all set for extinction.“

Ex Machina ist sicherlich nicht die erste Instanz, die diese und andere Fragen aufwirft, aber es ist eine der beachtenswertesten. Leicht wie eine Feder schweben Fragen über unsere Existenz, der Existenz von KI, selbst Fragen zur Gender-Debatte über unseren Köpfen. Was wäre, wenn unser Schaffen lebendig werden würde? Was wäre, wenn dieses Ergebnis lebendiger als wir selbst ist, uns überlegen ist? Haben wir diesen Zustand nicht schon längst erreicht? Und das sind bei Weitem nicht alle. Dabei verfällt Alex Garland angenehmerweise nie in Erklärungen. Er regt zur Diskussion an, die aber über die üblichen Fragen hinausgeht. Ex Machina besticht auf allen Ebenen und lässt einen nicht mehr los.