Her Love Boils Bathwater (2016) von Ryōta Nakano – Mit der Suppenkelle nach vorn und immer weiter

Vörred: Wie ich bereits schrieb, habe ich es am Dienstag der Nippon Connection nicht mehr in den Eröffnungsfilm geschafft, da ich aber am Wochenende noch eine Pause hatte, habe ich mir Her Love Boils Bathwater im Vorführraum angesehen. Gut so. Diese fehlende Sichtung hätte ich tatsächlich bereut – für mich der schönste und auch traurigste Film der Woche.

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A Tale of Two Sisters (2003) von Kim Jee-woon – Rot ist das Leid

Im Rahmen der Original-vs.-Remake-Aktion von Magos Filmtipps möchte ich den wunderbaren The Tale of Two Sisters (OT: Janghwa, Hongryeon) hier noch mal extra ausführen. Es gibt Filme, die müssen besprochen werden und schon an dieser Stelle eine klare Empfehlung von mir.

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Moonlight OmU (2017) von Barry Jenkins – Who is you?

VörreedBarry Jenkins bester Twist?

Genau. Gratulation an das Moonlight-Team zum Best Picture-Gewinn! Mehr als verdient.

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The Salesman (2017) von Asghar Farhadi – Wie man die bessere Welt begräbt

Vörreed: Mittags ins Kino. Normalerweise ist das nicht meine aktivste Zeit des Tages. Aber was tut man nicht alles für einen Asghar Farhadi-Film.
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Öffne die Augen (1997) von Alejandro Amenábar – Sieh genau hin

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Heute eher durch seinen Nachfolger Vanilla Sky von Cameron Crowe bekannt, ist Öffne die Augen mehr als nur einen Blick dahinter wert. Ich hatte vergessen, wie sehr mir Abre Los Ojos (Orig. Titel) schon beim ersten Sehen gefallen hat. Und auch beim zweiten Mal lässt einen dieser Film nicht kalt und man kommt man nicht umhin, zu fragen: Bin ich? 

—Enthält Spoiler—

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Eraserhead (1977) von David Lynch – Die Befruchtung der Angst

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen. 

Lange bin ich um Eraserhead herumgetanzt, weil ich mich allgemein schwer mit Lynchschen Auswüchsen tue. Nach dem zweiten Anlauf klappte es dann aber. Ob es sich gelohnt hat? Ja, wenn das Vergnügen auch eher zweifelhafter Natur war…

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Toni Erdmann (2016) von Maren Ade – Nackt durch die Globalisierung

Während ich damit beschäftigt war, mir Tränen aus dem Gesicht zu wischen, befand ich mich gleichzeitig in einem der nicht seltenen Lachanfälle. Es folgten viele ‚uh‘ – ‚uuoh‘, – ’nicht doch‘ – Momente. Bis zum Schluss bedacht, unausgeglichene Körperfunktionen wieder wegzusortieren, stellte ich mit Argwohn Bekleidung fest.

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Her (2013) von Spike Jonze und die „Retterin Hollywoods“

© Warner Bros. Ent.
© Warner Bros. Ent.

Überbleibsel Melancholie

Her ist einer der besten Filme, die in jüngster Zeit über den großen Teich waberten. Will man in einen tiefen melancholischen See abtauchen und trotzdem atmen, ist man bei Her bestens aufgehoben. Theodore Twombly (Joaquín Phoenix) ist emotional noch mitten in der Scheidung von seiner früheren Jugendliebe. Während er beruflich gefühlvolle Texte verfasst, um anderen Menschen den Zugang zu ihren Gefühlen zu erleichtern, ist seit der Trennung kein Platz mehr für eigene. Diesen Platz räumt Theodore nach einem weiteren missglückten Date dann einer ganz besonderen Person ein. Seiner zukünftigen Gefährtin Samantha (Stimme: Scarlett Johansson) – einem Betriebssystem. Auch Theodores Real-Life Freundschaft Amy (Amy Adams) kann der digitalen Liebe nicht widerstehen und so geben sich beide einer künstlichen Beziehung hin.

Vernetzung ohne Verbindung

Her spielt in einer nicht näher bezeichneten Zukunft in der die Digitalisierung weiter fortgeschritten ist. Headsets weichen intelligenten In Ear-Komponenten, Neuentwicklungen dem Update, Individualität der Konformität. Die Weiterentwicklung ist nicht mehr erkennbar, sie ist angekommen. In Her sehen wir keine Dystopie im herkömmlichen Sinne, sondern eine nachvollziehbare, mögliche Ausbildung unserer heutigen Welt – traumwandlerische Gebilde unserer Entfremdung. Die spezielle Farbgebung im Film unterstreicht die Entfernung zueinander, die wir heute bereits deutlich spüren. Theodore, welcher die warmen Rottöne seiner Empfindungen durch seine Welt trägt, trifft dort auf kühles Gelb und fades Khaki. Ausdrücke seiner Empfindungen werden von Samantha abgespeichert, verwaltet und weiterentwickelt. Das Betriebssystem als Schnittstelle zwischen Körper und Gefühl des Benutzers.

Her – Red (Between Frames) from Between Frames on Vimeo.

In mehreren Ebenen nähert sich Her der Frage, wie Gefühle in voneinander abgekapselten Welten überleben. Die angestimmte, ruhige und fast einlullende Atmosphäre, passt zur gleichgültigen Akzeptanz einer von Technik beherrschten Welt. Während die Technik sich immer weiter und höher entwickelt, bleibt der Mensch nur ein Mensch. Das ist es auch was Her neben so vielen anderen Dingen zu einem wichtigen Film macht. Er stellt die kritisierte Künstlichkeit her, lässt sie aber gleichzeitig zu einem Erlebnis werden.

Möglich gemacht hat ihn Megan Ellison, Tochter des Oracle-Gründers und Multimilliardärs Larry Ellison. Ohne sie wäre der Film von Regisseur Spike Jonze wahrscheinlich nie realisiert worden.

Too risky for good old Hollywood?

Megan Ellison hat sich nach einem abgebrochenen Filmstudium aufs Filme produzieren verlegt. Mit ihrem Studio Annapurna Pictures bereichert sie einen in die Jahre gekommenen amerikanischen Filmmarkt. Die Filmografie ihres Studios liest sich wie das letzte Stück Kuchen auf dem Teller und wird auch genauso gern verschlungen. Eine Auswahl:

2012 

Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless)
Killing Them Softly
The Master
Spring Breakers
Zero Dark Thirty

2013 

Her
American Hustle

2014

Foxcatcher

2015

Terminator Genisys

Joy

2016

Everybody Wants Some!

Sausage Party

Wiener Dog

Annapurna Pictures : 2012 – Present from APPICS on Vimeo.

Und genauso will sich Ellison wohl auch verstanden wissen. Innovative und mutige Filme stehen auf ihrer Agenda. Independent-Kino im Großformat. Kritische Stimmen hingegen machen sie mitverantwortlich für den drohenden Hollywood-Kollaps. Da der Großkonzern es sich nicht erlaubt, Filme zu produzieren, deren Einspielergebnis unklar ist, werden Filme wie Her von vornherein abgelehnt. Qualität hin oder her. Raise the stakes ist der Grundton in Hollywood. Warum? Weil es von den meisten Zuschauern erwartet wird. Das Problem daran sind die immer höher werdenden Kosten von Großprojekten, welche refinanziert werden müssen.

Annapurna ist die hinduistische Muttergöttin für Nahrung und Reichtum. Unter ihrem Wohlwollen soll niemand mehr Hunger und Elend erleiden und die Kochkunst beherrschen. Klarer könnte Ellison es nicht ausdrücken: Ihr pathetischer Unterbau für die Ziele ihres Studios lassen keinen Zweifel daran, was diese Dame kann und auch will.

Was sagt ihr zu einer solchen Entwicklung? Verderben mehre Köche den Brei (um bei der Nahrungsmittelmetapher zu bleiben…)? Begrüßenswert oder abstoßend?

 

Parasol (2015/OmEngU) von Valéry Rosier #Favourites Filmfestival Bremen

© IMDB
© IMDB

Inhalt

Parasol besteht aus drei episodisch verlaufenden Geschichten. Pere ist Touristenführer in Mallorca und Fahrer einer Bimmelbahn, mit welcher er Touris durch die Gegend befördert. Seine Tochter, die eigentlich bei ihrer Mutter lebt, ist zu Besuch bei ihm und will ihren Geburtstag feiern. Rentnerin Annie aus Belgien möchte endlich ihre Internet-Bekanntschaft treffen. Damit sie dieses Treffen realisieren kann, ist sie mit einer Seniorengruppe nach Mallorca gereist, der sie auch noch ständig aus dem Weg gehen muss. Der Brite Alfie ist mit seinen Eltern nach Mallorca gekommen, damit aber nicht so ganz glücklich. Er will Spaß und die große Ferienliebe.

Seidl in Mallorca

Parasol gewann seinen Publikumspreis in der Schweiz beim Festival du Film Français d’Helvétie. Der sympathische Regisseur Valéry Rosier stand nach der Vorstellung für Publikumsfragen zur Verfügung. Mit einem winzigem Budget und einem 4-Mann-starken Team wurde Parasol in Mallorca realisiert. Sein Film fiel vor allem durch die visuelle Gestaltung auf. Die Hauptfiguren agieren häufig nur auf einer Seite der Szene, welche außerdem symmetrisch aufgebaut ist, we man es aus Filmen Ulrich Seidls kennt.  Dadurch wirken Rosiers Figuren alle deplatziert und vom Rest ihrer Umgebung isoliert.

Mit liebevoller Zuwendung nähert man sich diesen entrückten drei Charakteren an und bangt mit ihnen, auf dass sie zu ihrem Glück kommen mögen. Alle Darsteller in Parasol sind Laien, die von der Insel kommen und aus der Zeitung rekrutiert wurden, außer Julienne Goeffers, die aus Belgien stammt und die Figur der Annie spielt. Rosier gab an, dass der Film demnach eine große Lüge enthält: Es gibt dort nämlich keine Deutschen. Der Seitenhieb auf die dort vorherschende Tourismus-Maschinerie sorgt auch für so einige Schmunzler und gibt dem Film eine ganz eigene Note. So entwickeln sich die Touristen Stück für Stück zurück, werden ausgelassener und infantiler. Rosier verglich den Tourismus im Nachhinein auch mit einer Mutter, die ihre Kinder umsorgt – das von der Realität sicherlich nicht ganz so weit entfernt ist.

Stimmungsvolles Reiseziel

Parasol ist durch und durch von einer stillen Melancholie geprägt, welche die eigentlich vorherrschende Urlaubsstimmung ins Gegenteil verkehrt. Alle Figuren sind zögerlich und behutsam, gieren aber nach der Veränderung und nehmen dafür einiges in Kauf. Es ist die Stimmung aller drei Episoden, die eine Verbindung zwischen den Figuren und auch dem Zuschauer schafft. Dieser dürfte sich nämlich an einigen Stellen wiedererkannt haben, sei es im falschen Stolz, in unbegründeten Ängsten, dem Grad der Anpassung oder dem Gefühl, einsam zu sein. Das sind Rosiers Themen und er vermittelt sie virtuos.

Drehbuch: Valéry Rosier

Produktion: Benoit Roland

Kamera: Olivier Boonjing

Schnitt: Nicolas Rumpl

Musik: Manuel Roland

Darsteller: Julienne Goeffers, Alfie Thomson, Pere Yoko

Vom 25.-29.05.2016 fand in Bremen das vierte Favourites Filmfestival statt. Dieses zeigt ausgewählte Filme, welche zuvor einen Publikumspreis von anderen Festivals erhalten haben , und spiegelt somit die Gunst der Zuschauer wider. Einen Nachschlag gibt es in Berlin, im September diesen Jahres. Mit dabei waren in Spielfilmlänge (Kurzfilme standen ebenfalls zur Auswahl):

Publikumspreis Giornate degli Autori – Venice Days, Italien:

Publikumspreis Torino Film Festival, Italien:

Publikumspreis Filmfest Amiens, Frankreich:

Publikumspreis Festival du Film Français d’Helvétie, Schweiz:

Publikumspreis Festival du Cinéma Espagnol de Nantes, Frankreich:

Publikumspreis Olhar de Cinema – Curitiba International Film Festival, Brasilien:

Extract – I AM THE PEOPLE by Anna Roussillon from hautlesmains prod on Vimeo.

Publikumspreis Sundance Film Festival, USA:

Publikumspreis Paris Cinema International Film Festival, Frankreich:

Room (2015) von Lenny Abrahamson

—Spoiler ahead—

Wenn der kleine Jack (Jacob Tremblay) morgens seine Augen aufschlägt, blickt er neugierig umher, als sehe er zum ersten Mal seine Umgebung außerhalb des alten Bettes, auf dem er liegt. Durch Raum gehend, begrüßt er die Einrichtungsgegenstände und schnell wird dem Zuschauenden klar, dass die Verhältnisse in denen Jack lebt, alles andere als ideal sind. Außer dem Bett, gibt es noch eine Küchenzeile, ein winziges Waschbecken, eine alte Badewanne sowie einen Schrank. Aufgeregt über den bevorstehenden Tag, weckt Jack seine Mutter Joy „Ma“ Newsome (Brie Larson), denn er wird an diesem Tag fünf Jahre alt…

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