A Tale of Two Sisters (2003) von Kim Jee-woon – Rot ist das Leid

Im Rahmen der Original-vs.-Remake-Aktion von Magos Filmtipps möchte ich den wunderbaren The Tale of Two Sisters (OT: Janghwa, Hongryeon) hier noch mal extra ausführen. Es gibt Filme, die müssen besprochen werden und schon an dieser Stelle eine klare Empfehlung von mir.

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Elle OmU (2017) von Paul Verhoeven – „Not bad, huh?“

Vörreed: In Elle war ich am selben Tag, wie in The Salesman von Asghar Farhadi. Eigentlich würde es einen ganzen Blogeintrag rechtfertigen, die beiden Werke zu vergleichen, da sie einen ähnlichen Bezugsrahmen haben. Ein Fazit wäre sicherlich, dass Paul Verhoeven den Zuschauer sprachloser und verstörter zurücklässt. Selten habe ich so viele Ausrufe in einem Film erlebt.
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Der Nachtmahr (2015) von AKIZ – Das Viech der Jugend

So ähnlich müsste wohl das schriftliche Gegenstück zu Der Nachtmahr eingeleitet werden:

WarnungDer folgende Text enthält Argumentation, die in Einzelfällen undifferenziert ausfallen, und zu verstörenden Eindrücken führen kann. WarnungDieser Text enthält außerdem isotonen Wahnsinn und multifokale Entgleisungen. Wie auch immer… …dieser Text sollte laut gehört-pardon-gelesen werden! 

Während ich mit Wahnsinn nur in Maßen dienen kann, möchte dieser Film von Anfang an mehr. 

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Inception (2010) von Christopher Nolan – Ein Totem für ein Leben

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Einmal die Penrose Stairs entlang, um doch wieder am Anfang zu stehen. Der verschachtelte Irrgarten hinterlässt unweigerlich seine Spur, nur um dann genüsslich in seinem Genre Platz zu nehmen.

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Waking Life (2001) von Richard Linklater – Ein Weckruf

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Es tut gut, ab und zu innezuhalten und darüber nachzudenken, wie man seinen Wachzustand verbringt. Waking Life ist hier als Titel wegweisend.

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Mysterious Skin – Unter die Haut (2004) von Gregg Araki

© 2010 Antidote Films
© 2010 Antidote Films

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Mysterious Skin klebt am Zuschauer wie süßer und übelkeitverursachender Zucker. Nichtsdestotrotz sollte man dies, wenn man es noch nicht hat, billigend in Kauf nehmen, um ein thematisch rundum gelungenen Film zu sehen. Momentan auch bei Netzkino verfügbar. 

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Her (2013) von Spike Jonze und die „Retterin Hollywoods“

© Warner Bros. Ent.
© Warner Bros. Ent.

Überbleibsel Melancholie

Her ist einer der besten Filme, die in jüngster Zeit über den großen Teich waberten. Will man in einen tiefen melancholischen See abtauchen und trotzdem atmen, ist man bei Her bestens aufgehoben. Theodore Twombly (Joaquín Phoenix) ist emotional noch mitten in der Scheidung von seiner früheren Jugendliebe. Während er beruflich gefühlvolle Texte verfasst, um anderen Menschen den Zugang zu ihren Gefühlen zu erleichtern, ist seit der Trennung kein Platz mehr für eigene. Diesen Platz räumt Theodore nach einem weiteren missglückten Date dann einer ganz besonderen Person ein. Seiner zukünftigen Gefährtin Samantha (Stimme: Scarlett Johansson) – einem Betriebssystem. Auch Theodores Real-Life Freundschaft Amy (Amy Adams) kann der digitalen Liebe nicht widerstehen und so geben sich beide einer künstlichen Beziehung hin.

Vernetzung ohne Verbindung

Her spielt in einer nicht näher bezeichneten Zukunft in der die Digitalisierung weiter fortgeschritten ist. Headsets weichen intelligenten In Ear-Komponenten, Neuentwicklungen dem Update, Individualität der Konformität. Die Weiterentwicklung ist nicht mehr erkennbar, sie ist angekommen. In Her sehen wir keine Dystopie im herkömmlichen Sinne, sondern eine nachvollziehbare, mögliche Ausbildung unserer heutigen Welt – traumwandlerische Gebilde unserer Entfremdung. Die spezielle Farbgebung im Film unterstreicht die Entfernung zueinander, die wir heute bereits deutlich spüren. Theodore, welcher die warmen Rottöne seiner Empfindungen durch seine Welt trägt, trifft dort auf kühles Gelb und fades Khaki. Ausdrücke seiner Empfindungen werden von Samantha abgespeichert, verwaltet und weiterentwickelt. Das Betriebssystem als Schnittstelle zwischen Körper und Gefühl des Benutzers.

Her – Red (Between Frames) from Between Frames on Vimeo.

In mehreren Ebenen nähert sich Her der Frage, wie Gefühle in voneinander abgekapselten Welten überleben. Die angestimmte, ruhige und fast einlullende Atmosphäre, passt zur gleichgültigen Akzeptanz einer von Technik beherrschten Welt. Während die Technik sich immer weiter und höher entwickelt, bleibt der Mensch nur ein Mensch. Das ist es auch was Her neben so vielen anderen Dingen zu einem wichtigen Film macht. Er stellt die kritisierte Künstlichkeit her, lässt sie aber gleichzeitig zu einem Erlebnis werden.

Möglich gemacht hat ihn Megan Ellison, Tochter des Oracle-Gründers und Multimilliardärs Larry Ellison. Ohne sie wäre der Film von Regisseur Spike Jonze wahrscheinlich nie realisiert worden.

Too risky for good old Hollywood?

Megan Ellison hat sich nach einem abgebrochenen Filmstudium aufs Filme produzieren verlegt. Mit ihrem Studio Annapurna Pictures bereichert sie einen in die Jahre gekommenen amerikanischen Filmmarkt. Die Filmografie ihres Studios liest sich wie das letzte Stück Kuchen auf dem Teller und wird auch genauso gern verschlungen. Eine Auswahl:

2012 

Lawless – Die Gesetzlosen (Lawless)
Killing Them Softly
The Master
Spring Breakers
Zero Dark Thirty

2013 

Her
American Hustle

2014

Foxcatcher

2015

Terminator Genisys

Joy

2016

Everybody Wants Some!

Sausage Party

Wiener Dog

Annapurna Pictures : 2012 – Present from APPICS on Vimeo.

Und genauso will sich Ellison wohl auch verstanden wissen. Innovative und mutige Filme stehen auf ihrer Agenda. Independent-Kino im Großformat. Kritische Stimmen hingegen machen sie mitverantwortlich für den drohenden Hollywood-Kollaps. Da der Großkonzern es sich nicht erlaubt, Filme zu produzieren, deren Einspielergebnis unklar ist, werden Filme wie Her von vornherein abgelehnt. Qualität hin oder her. Raise the stakes ist der Grundton in Hollywood. Warum? Weil es von den meisten Zuschauern erwartet wird. Das Problem daran sind die immer höher werdenden Kosten von Großprojekten, welche refinanziert werden müssen.

Annapurna ist die hinduistische Muttergöttin für Nahrung und Reichtum. Unter ihrem Wohlwollen soll niemand mehr Hunger und Elend erleiden und die Kochkunst beherrschen. Klarer könnte Ellison es nicht ausdrücken: Ihr pathetischer Unterbau für die Ziele ihres Studios lassen keinen Zweifel daran, was diese Dame kann und auch will.

Was sagt ihr zu einer solchen Entwicklung? Verderben mehre Köche den Brei (um bei der Nahrungsmittelmetapher zu bleiben…)? Begrüßenswert oder abstoßend?

 

Ex Machina (2015) von Alex Garland

Der Turing-Test soll künstliche Intelligenz auf ihre Menschlichkeit bzw. Gleichwertigkeit zum Menschen hin überprüfen. Ursprünglich ist ein Mensch als Vergleichsobjekt und ein Beobachter vorgesehen. Ex Machina treibt diese Konstellation auf die Spitze und auch wir dürfen Beobachter spielen. In einer ausnehmend komplexen Atmosphäre entfaltet sich ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Die Versuchsräume sind dabei künstlich, steril und abgeschottet von jedem Leben.

In der Nahrungskette ganz oben angekommen und nur noch sich selbst gegenüber rechtfertigend steht der Mensch. Behaupten kann er sich nur noch gegen sich selbst. Er ist mit sich allein. Er treibt Sport mittels künstlicher Objekte, aber nur solange er auch sie bezwingen kann, er entwickelt sich weiter und weiter und strebt Vollkommenheit an. Er kommuniziert und lebt durch anorganische Bindungen und füllt diese mit Leben. So entsteht auch die Künstliche Intelligenz in Form von Ava aus dieser künstlichen Welt. Und es ist Ava, eine Maschine, die uns zeigt, was es bedeutet menschlich zu sein, zu jeder Zeit, in ihrem ganzen Sein.

„One day the AIs are going to look back on us the same way we look at fossil skeletons on the plains of Africa. An upright ape living in dust with crude language and tools, all set for extinction.“

Ex Machina ist sicherlich nicht die erste Instanz, die diese und andere Fragen aufwirft, aber es ist eine der beachtenswertesten. Leicht wie eine Feder schweben Fragen über unsere Existenz, der Existenz von KI, selbst Fragen zur Gender-Debatte über unseren Köpfen. Was wäre, wenn unser Schaffen lebendig werden würde? Was wäre, wenn dieses Ergebnis lebendiger als wir selbst ist, uns überlegen ist? Haben wir diesen Zustand nicht schon längst erreicht? Und das sind bei Weitem nicht alle. Dabei verfällt Alex Garland angenehmerweise nie in Erklärungen. Er regt zur Diskussion an, die aber über die üblichen Fragen hinausgeht. Ex Machina besticht auf allen Ebenen und lässt einen nicht mehr los.