Nebel im August (2016) von Kai Wessel – Die Geschichte von Ernst Lossa

Im Rahmen des Filmstöberns entdeckt und somit wenig Ideen gehabt, was dort auf mich zukommt. Nebel im August ist ein berührendes Drama, dass mit starken Schauspielern aufwartet und den Blick auf einen Teil der deutschen Geschichte lenkt, der zwar bekannt, aber nicht so häufig bebildert ist.

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La La Land (2016) von Damien Chazelle – Etwas zu viel lala

Vörreed: Wer nicht einmal debil grinsend in diesem Film sitzt, hat kein Herz oder gerade andere Sorgen. Man muss allerdings aufpassen, nicht an der all der Zuckerwatte zu erticken. Klebriges Zeug, das.
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Ich, Daniel Blake (2016) von Ken Loach oder Ich und die Hilflosigkeit

Huh, nur schnell raus aus dem Kino, mit dem Taschentuch an der Nase. So erging es wohl einigen nach diesem Film. War er aber tatsächlich einer goldenen Palme würdig?

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The Neon Demon (2016) von Nicolas Winding Refn – Stilisierter Horror

The Neon Demon umgarnt, lockt und konsumiert genüsslich. Beauty is vicious.

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Inception (2010) von Christopher Nolan – Ein Totem für ein Leben

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Einmal die Penrose Stairs entlang, um doch wieder am Anfang zu stehen. Der verschachtelte Irrgarten hinterlässt unweigerlich seine Spur, nur um dann genüsslich in seinem Genre Platz zu nehmen.

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Paprika (2006) von Satoshi Kon – Deine Träume gehören mir

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Kennt ihr das? Das Duschbad oder die Shampoo-Flasche ist vom Drücken so eingedellt, dass beim erneuten Drücken nichts mehr herauskommt. Der Trick: Man drückt mit der Hand auf die beiden, nicht eingedellten Seiten, so das Luft eingesogen wird. Was dann meist beim Loslassen folgt, ist vorzeitiger Shampoo-Erguss in Reinform. So ungefähr muss man sich das mit Paprika vorstellen. Man drückt an ein paar Stellen und ein Schwall von nicht dosiertem Wahnsinn ergießt sich über den Bildschirm. Aber lest selbst.

—Spoilerfrei—

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Wiener Dog (2016) von Todd Solondz – Die Weltanschauung eines wachsenden Geschwürs

Verwirrung nach dem Film: Ist Gelb die richtige Farbe für einen Dackel? Gehört hier wirklich der Dackel an die Leine? Wie viel Dackel für jeden? Was sich existenziell anhört, ist es auch: Wiener Dog fühlt sich an, wie die  leibhaftige Beerdigung im Kinosessel. Mit einem Dackel, der freundlich die Schaufel hält.Weiterlesen »

High Rise (2016) von Ben Wheatley ist der konsequentere Snowpiercer

High-Rise zu sehen, war ein Erlebnis der im besten Fall liederlichen Art. Oft wurde in den letzten Wochen der Film Snowpiercer (2013) von Bong Joon-ho zum Vergleich herangezogen. Zugegeben, es bietet sich an, denn allein als gekippte Bezugsfläche funktioniert diese Vorstellung sehr gut. Nichtsdestotrotz unterscheiden sich beide Filme in wichtigen Punkten. Während Snowpiercer die Notwendigkeit verkörpert, verbleibt High-Rise im Opportunen. Am Ende ist man sich jedoch einig: Der Mensch als soziales Wesen, darf dabei nicht gut wegkommen.

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12 Years a Slave (2013) von Steve McQueen

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©Tobis

 

Kurzinhalt

1841 ist Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) ein freier Afroamerikaner in New York. Während der Abwesenheit seiner Frau, bekommt er ein lukratives Angebot zweier Geschäftsmänner, die sein Geigenspiel zu schätzen wissen und für ihre Vorstellungen nutzen wollen. Nach dem Treffen findet sich Solomon in einem Verlies in Ketten wieder, in Vorbereitung auf die Einreise nach New Orleans und der damit einhergehenden Versklavung. Dort angekommen, wird er fortan Platt genannt und verkauft. Noch in zivilisierter Gesellschaft des Plantagenbesitzers Ford (Benedict Cumberbatch), ist die Lage Northups nicht ganz so niederschmetternd, wie befürchtet. Dies soll sich nach Streitigkeiten mit dem Aufsher John Tibeats (Paul Dano) schlagartig ändern, nach diesen Platts an Edwin Epps (Michael Fassbender) verkauft wird, da Ford nicht mehr für seine Sicherheit gewährleisten kann. Auf diesem Streifzug durch die dunklere amerikanische Geschichte, beginnt ein schicksalhafter Verlauf.

Kontrastreiche Adaption

Steve McQueen und John Ridley adaptierten die Romanvorlage Solomon Northups, welcher die erlebten Gräuel autobiografisch niederschrieb und nach dessen Bekanntwerden Redner abolitionistischer Bewegungen wurde. McQueen, der bereits durch Hunger und Shame für seine nervenaufreibende und tiefergehende Erzählweise bekannt wurde, lässt auch hier nicht locker. Nahezu jede Nahaufnahme in 12 Years a Slave lässt keinen Zweifel daran, dass der Zuschauer emotional anwesend und aufgeweckt sein soll. Sinnliche und betörende Landschaftsaufnahmen wecken den Ruf nach Freiheit und Ferne, während den Menschen schweiß- und angstbeladene Szenen zuteilwerden.

Chiwetel Ejiofor meistert hier durchgehend diesen Spagat zwischen wahrgenommener Ausweglosigkeit und Hoffnung und man kann ihm an den Augen ablesen, wie er mit sich und seiner Umgebung ringt.   Besonders beeindruckend ist das Zusammenspiel zwischen ihm und Plantagenbesitzer Edwin Epps, der in Alkoholeskapaden seiner Aggression und seinen sexuellen Neigungen freien Lauf lässt. Das weiße Gewissen hingegen kommt erstmals mit dem Tischler Samuel Bass (Brad Pitt), der Northups Hoffnung nährt, wieder nach Hause zu kommen. Diese gefühlsbeladene Talfahrt wird durch leise und hämmernde Töne sowie zeitweiligem Voice-Over vorangetrieben, welche den Kontrast zwischen schwarz und weiß, arm und reich, gefangen und frei deutlich machen. Musikalisch schöpferisch durfte hier Hans Zimmer sein Unwesen treiben. Er verweilt ebenfalls zwischen zwei Extremen: Trommelnden, dramatisch elektronischen Sounds und leisen Streichinstrumenten. Das ist noch gerade so innerhalb von „Geschmackssache“.

Eine Violine für die Hoffnung

—Spoiler—

Die Violine als Sinnbild der besseren Vergangenheit Platts, wird ihm ausgerechnet vom weißen Sklavenbesitzer Ford geschenkt, der sich bei ihm bedanken wollte. Es ist nicht Platt, der dem Zuschauer die Entwicklung unter widrigen Umständen mitteilt, sondern die identitätsstiftende Violine. Ein Musikinstrument als Instrument von Stolz, Kontrolle, Freiheit, aber auch Unterwerfung zu vergesellschaften, ist wahrlich ein Geniestreich. Zudem ist sie auch das Einzige, an dem Platt sich festhalten kann. Nahezu alle Umstände vereinen sich darin. Anfänglich noch der eigenen Unterhaltung dienlich, verkommt diese immer mehr zu einem Instrument der Unterdrückung und so ist es auch nicht verwunderlich, dass das endgültige Schicksal der Violine eng mit dem vielzitierten Blick Platts zum Zuschauer verbunden ist. Dieser Blick wird von eindringlicher und geräuschvoller Atmosphäre begleitet und markiert den eigentlichen Höhepunkt und Schluss des Films. Diese dramaturgischen Hilfsmittel sind auch notwendig, da einem die ansonsten zeitliche Wahrnehmung der verstreichenden 12 Jahre leider verwehrt bleibt

—Spoiler Ende—

Die Vielschichtigkeit der Sklaverei

Die Sklaverei ist, genau wie der Nationalsozialismus, ein Thema, dass übervorsichtig behandelt wird. Nicht nur, weil es empfindsam und zerbrechlich ist, sondern auch, weil es der Aufbereitungen vieler sind. Was kann man dem also noch hinzufügen? Wer sich nicht nur mit historischen Ausschnitten begnügt, bringt Einzelschicksale oder wieder aufflammende Nachwirkungen aufs Papier bzw. vor die Kamera, welches ein, gegen das Vergessen hinreichender und wichtiger Akt für mehr Menschlichkeit ist. Steve McQueen verfolgt hier einen ähnlichen Ansatz. Er zeigt auf der einen Seite die Abgründe der Sklaverei, die Kluft zwischen den Hautfarben und daraus resultierende Ängste und Misstrauen, geht dann aber einen kleinen Schritt weiter. Denn vielmehr behandelt dieser Film den Umgang mit dem eigenen Schicksal. Drastisch, aber dennoch nachvollziehbar. Denn schlecht geht es hier nicht nur dem Schwarzen.

Fazit

Die Abwärtsspirale der Sklaverei, die McQueen hier nachzieht, wird nicht nur durch die Figur des Platt, sondern auch aller anderen deutlich. Hier hadert jeder mit der historischen Fügung. Der eine mehr, der andere weniger. Das macht es nachvollziehbarer und lässt solch eine Aufarbeitung auch näher an den Zuschauer heran. Nichtsdestotrotz wird vor allem zum Ende hin ein wenig mit dem Holzhammer gearbeitet. Die Lehren und Belehrungen kommen zwar geschickt verpackt, nehmen einem aber die Arbeit ab, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ergibt man sich lieber oder hält man seinen Glauben an Gerechtigkeit dagegen, um schlicht weiterzuleben? Diese Antwort fiel mir stellenweise zu eindeutig ausgerichtet aus. Dafür verweilte man länger in äußerst brutalen Szenen, die nur den Zweck verfolgen konnten, aufzurühren. Sicherlich braucht es diese Filme, aber man muss sich schon fragen, ob es nicht längst an der Zeit ist, etwas kreativer und damit mutiger mit diesen Themen umzugehen.

In der zivilisierten Kultur ist diese Form der Sklaverei längst abgeschafft und gerät immer mehr in Vergessenheit. Umso präsenter sind dessen Vorstufen. Rassismus breitet sich wieder aus, und vieles, was wir dem kulturell entgegensetzen, geht nicht über Furchtappelle und Betroffenheitsszenarien hinaus. Ich wünsche mir einen frischen Blick auf diese Themen, denn auch der vorherrschende Rassismus ist mit Hilflosigkeit und vielen Schicksalen verknüpft und braucht daher neue und kreativere Antworten.

Regie: Steve McQueen

Drehbuch: Steve McQueen und John Ridley

Kamera: Sean Bobbit

Musik: Hans Zimmer

Darsteller: Chiwetel Ejiofor, Michael Fassbender, Brad Pitt, Scoot McNairy, Lupita Nyong’o, Quvenzhané Wallis, Sarah Paulson, Taran Killam, Benedict Cumberbatch, Paul Dano, Paul Giamatti, Garret Dillahunt, Alfre Woodard, Michael Kenneth Williams, Marcus Lyle Brown, Tom Proctor, Ruth Negga und weitere

Tatort (2016) Der hundertste Affe von Florian Baxmeyer

Bremen, Folge 987

Ob man heute Nacht als BremerIn ruhig schlafen kann? Es dürfte einem schwer fallen, denn der Bremer Tatort kommt wie fast immer mit den großen und beunruhigenden Themen. Dieses Mal wird die Stadt Bremen von Umweltterroristen bedroht, die die Trinkwasserversorgung der Stadt vergiften wollen und dies gestaltet sich nicht so abwegig, wie man vorerst vermuten mag.

Inhalt

Die Aktivistin Luisa Christensen (Friederike Becht) sieht gemeinsam mit ihrem Freund in Mali unschuldige Menschen an Pestiziden eingehen, die von der Firma Sachs vertrieben werden. In Rückblenden erfährt man den weiteren Verlauf dieser Geschichte. In der Gegenwart hat Christensen sich Komplizen gesucht, die Dr. Urs Render, einem Forscher von Sachs, aus dem Gefängnis freipressen wollen, um ihn zu einer Aussage über seine damaligen Forschungen zu zwingen. Der aber schweigt beharrlich. Helmut Lorentz (Barnaby Metschurat), der den einberufenen Krisenstab leitet, muss somit immer einen kühlen Kopf, in einer äußerst prekären Situation bewahren. Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Hauptkommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) sowie die Beamtin des BKA Linda Selb (Luise Wolfram) bekommen es hier nämlich mit einer mehr als idealistischen Überzeugung zu tun.

Endzeitstimmung in Bremen

Der Öko-Politthriller steht den Bremern hervorragend und dürfte in meiner Wahlheimat thematisch auf offene Ohren treffen. Die in einem angenehmen Tempo erzielte Endzeitstimmung, die Florian Baxmeier hier kreiert hat, lässt einem manchmal das Blut in den Adern gefrieren. Klare Linien, kontrastreiche Bilder und eine ausgewogene Erzählweise unterstützen diesen dunklen Ton. Dass dabei viel von Bremen zu sehen ist, lässt das Ganze noch realistischer erscheinen. Stefan Hansen, verantwortlich für die Musik, arbeitet mit harten elektonischen Clustern, die in der musikalischen Basis durch minimale harmonische Veränderungen gekennzeichnet ist. Stellenweise fühlte man sich sogar an Jóhann Jóhannssons in Sicario erinnert. Dies trägt maßgeblich zur gefühlten Dramatik in diesem Tatort bei, aber auch Friederike Becht, die die unterkühlte und abgeklärte Terroristin gibt, lässt dieses Szenario durchaus fassbar machen.

Wenn dann Inga Lürsen an der Sielwall-Kreuzung hilflos in die Luft guckt und sagt. „Wir haben es verbockt“, dann hat der Tatort schon mal eines richtig gemacht, denn nahezu jedes erfreuliche Ereignis in Bremen, erlebt an dieser Kreuzung seinen Höhepunkt. Aber auch die nicht überzogene und spannende Herangehensweise innerhalb der Stadt ist wahrlich sehr gut gelungen. Zum Ende hin kann diese Spannung leider nicht mehr ganz aufrechterhalten werden, was jedoch insgesamt zu verkraften ist. Auch die Merkel-Spitze von Lürsen („Aussitzen wie Mutti“) dürfte sich gut ins Szenario eingefügt haben.

Der hundertste Affe

Der hundertste Affe besagt, dass aus der Idee eines einzelnen erst ein allgemeines Verhalten entsteht, wenn es den Hundertsten erreicht hat, aus einer Idee also ein Bewusstsein schaffen zu wollen. Viel will man heutzutage erreichen. Terrorismus bekämpfen, die Umwelt wieder ausbalancieren, den Welthunger abschaffen, etc. Nur reicht hierzu der hundertste Affe wohl noch nicht aus. Dies zeigt dieser Tatort deutlich.

Regie: Florian Baxmeyer

Drehbuch: Christian Jeltsch

Kamera:  Peter Joachim Krause

Schnitt: Friederike Weymar

Musik: Stefan Hansen

Darsteller: Sabine Postel, Oliver Mommsen, Camilla Renschke, Manfred Zapatka, Matthias Brenner, Barnaby Metschurat, Luise Wolfram, Werner Wölbern, Anna Stieblich, Franz Pätzold, Jerry Hoffmann, Friederike Becht, Johannes Allmayer