Tatort (2016) Das Recht, sich zu sorgen von Andreas Senn

Tatort Nürnberg, Folge 988

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BR/ Claussen + Putz GmbH/ Hagen Keller

Nach „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“, nun der zweite Tatort aus Nürnberg. Hauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel; mittig im Bild) und Kollege Felix Voss (Fabian Hinrichs; links im Bild) bekommen es dieses Mal gleich mit 2 ½ Fällen zu tun. In einem Wirtshaus findet Steffi Schwinn (Barbara Prakopenka), die Tochter des Wirts Holger Schwinn (Jörg Witte) ihre Mutter erwürgt auf. Alles deutet sofort auf ihren eigenen Vater hin. Beim zweiten Fall handelt es sich um eine Ermittlung in Anatomie-Kreisen, wo ein Schädel nicht zum Skelett passt und sich Professor Magdalene Mittlich (Sibylle Canonica) vom Anatomischen Institut der Würzburger Universität große Sorgen um ihren Ruf macht. Sorgen macht sich auch eine andere Mutter: Lydia Eichbaum (Tessie Tellmann), die Tag für Tag vor dem Präsidium auftaucht und am Empfang darum bittet, ihren Sohn suchen zu lassen, der seit drei Monaten verschwunden ist und schließlich vor dem Präsidium campiert.

Der zweite Tatort aus Nürnberg kommt mit thematischen Überbau, der drei lose Geschichten miteinander zu verbinden sucht. Als Überschrift deklamiert der Titel das Recht, sich Sorgen zu machen. Und Sorgen sind es viele. Die Wirtstochter, die die elterliche Ehe auseinanderbrechen sieht, ein Paar, das sich um die Aufdeckung ihres Geheimnisses sorgt, die Anatomie-Professorin und schließlich besagte Mutter, die sich um ihren Sohn sorgt. Am Anfang noch nicht miteinander verbundene Ausschnitte verbinden sich zum Ende hin zu einem Ganzen. Gelingt die anfängliche Verknüpfung noch gut (großartig: „I can‘t stand the rain…“), wird zum Ende hin die Luft abgelassen, um der Thematik mehr Raum zu geben, was nur bedingt gelingt, aber ein schöner Ansatz ist. Überhaupt dürfte der Tatort Nürnberg, sofern er noch eine fränkische Schippe oben drauf legt, sehr sehenswert sein, da dieses Team wesentlich besser und unaufgeregter miteinander harmoniert, als andere.

Als Antwort auf all die Sorgen wird in diesem Tatort letztlich das Recht zu trauern angeführt, da fast alle Beteiligten an etwas festhalten, dass sie innerlich aufreibt. So lautet das schöne, aber auch etwas schwermütige Fazit: Manchmal muss man sich von etwas trennen oder lösen, um wieder Fuß fassen zu können.

Regie: Andreas Senn

Drehbuch: Beate Langmaack

Kamera: Holly Fink
Schnitt: Vera von Appeldorn
Musik: Fabian Römer

Darsteller: Dagmar Manzel, Fabian Hinrichs, Eli Wasserscheid, Andreas Leopold Schadt, Matthias Egersdörfer, Stefan Merki, Benjamin Griebel,  Jan Krauter, Frank Scharrer, Sibylle Canonica, Theresa Hanich, Tania Carlin, Nils Strunk, Yohan Kirschner, Karolina Lodyga, Lotti Kreitmeyr, Barbara Prakopenka, Jörg Witte, Sonja Tille, Tessie Tellmann, , Nadine Badewitz

Tatort (2016) Der hundertste Affe von Florian Baxmeyer

Bremen, Folge 987

Ob man heute Nacht als BremerIn ruhig schlafen kann? Es dürfte einem schwer fallen, denn der Bremer Tatort kommt wie fast immer mit den großen und beunruhigenden Themen. Dieses Mal wird die Stadt Bremen von Umweltterroristen bedroht, die die Trinkwasserversorgung der Stadt vergiften wollen und dies gestaltet sich nicht so abwegig, wie man vorerst vermuten mag.

Inhalt

Die Aktivistin Luisa Christensen (Friederike Becht) sieht gemeinsam mit ihrem Freund in Mali unschuldige Menschen an Pestiziden eingehen, die von der Firma Sachs vertrieben werden. In Rückblenden erfährt man den weiteren Verlauf dieser Geschichte. In der Gegenwart hat Christensen sich Komplizen gesucht, die Dr. Urs Render, einem Forscher von Sachs, aus dem Gefängnis freipressen wollen, um ihn zu einer Aussage über seine damaligen Forschungen zu zwingen. Der aber schweigt beharrlich. Helmut Lorentz (Barnaby Metschurat), der den einberufenen Krisenstab leitet, muss somit immer einen kühlen Kopf, in einer äußerst prekären Situation bewahren. Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Hauptkommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) sowie die Beamtin des BKA Linda Selb (Luise Wolfram) bekommen es hier nämlich mit einer mehr als idealistischen Überzeugung zu tun.

Endzeitstimmung in Bremen

Der Öko-Politthriller steht den Bremern hervorragend und dürfte in meiner Wahlheimat thematisch auf offene Ohren treffen. Die in einem angenehmen Tempo erzielte Endzeitstimmung, die Florian Baxmeier hier kreiert hat, lässt einem manchmal das Blut in den Adern gefrieren. Klare Linien, kontrastreiche Bilder und eine ausgewogene Erzählweise unterstützen diesen dunklen Ton. Dass dabei viel von Bremen zu sehen ist, lässt das Ganze noch realistischer erscheinen. Stefan Hansen, verantwortlich für die Musik, arbeitet mit harten elektonischen Clustern, die in der musikalischen Basis durch minimale harmonische Veränderungen gekennzeichnet ist. Stellenweise fühlte man sich sogar an Jóhann Jóhannssons in Sicario erinnert. Dies trägt maßgeblich zur gefühlten Dramatik in diesem Tatort bei, aber auch Friederike Becht, die die unterkühlte und abgeklärte Terroristin gibt, lässt dieses Szenario durchaus fassbar machen.

Wenn dann Inga Lürsen an der Sielwall-Kreuzung hilflos in die Luft guckt und sagt. „Wir haben es verbockt“, dann hat der Tatort schon mal eines richtig gemacht, denn nahezu jedes erfreuliche Ereignis in Bremen, erlebt an dieser Kreuzung seinen Höhepunkt. Aber auch die nicht überzogene und spannende Herangehensweise innerhalb der Stadt ist wahrlich sehr gut gelungen. Zum Ende hin kann diese Spannung leider nicht mehr ganz aufrechterhalten werden, was jedoch insgesamt zu verkraften ist. Auch die Merkel-Spitze von Lürsen („Aussitzen wie Mutti“) dürfte sich gut ins Szenario eingefügt haben.

Der hundertste Affe

Der hundertste Affe besagt, dass aus der Idee eines einzelnen erst ein allgemeines Verhalten entsteht, wenn es den Hundertsten erreicht hat, aus einer Idee also ein Bewusstsein schaffen zu wollen. Viel will man heutzutage erreichen. Terrorismus bekämpfen, die Umwelt wieder ausbalancieren, den Welthunger abschaffen, etc. Nur reicht hierzu der hundertste Affe wohl noch nicht aus. Dies zeigt dieser Tatort deutlich.

Regie: Florian Baxmeyer

Drehbuch: Christian Jeltsch

Kamera:  Peter Joachim Krause

Schnitt: Friederike Weymar

Musik: Stefan Hansen

Darsteller: Sabine Postel, Oliver Mommsen, Camilla Renschke, Manfred Zapatka, Matthias Brenner, Barnaby Metschurat, Luise Wolfram, Werner Wölbern, Anna Stieblich, Franz Pätzold, Jerry Hoffmann, Friederike Becht, Johannes Allmayer

Tatort (2016): Ein Fuß kommt selten allein von Thomas Jauch

Münster, Folge 986

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Tatort: Der treue Roy (2016) von Gregor Schnitzler

 

Tatort: Weimar, Folge 984

Der Lederhosen-Schlitzer

Roy Weischlitz (Florian Lukas) ist in 600 Grad heiße Hochofenschlacke gefallen und tot, so zumindest stellt sich der Tatort dar, denn da qualmts noch neben den Knochen. Siegrid Weischlitz (Fritzi Haberlandt), die ihren Bruder schlafend wähnte, kanns gar nicht fassen. Erst der Ärger mit Schmöller und dann das. Karsten Schmöller (Thomas Wodianka ) nämlich, heißt nun Flamingo. Auch Schlacke. Nur das eine Bein. Was darauf folgte, war die Katze. Waschmaschine. Flamingo ist nun Totengräber und Tankstellenbewohner mit einem Hang zum Alkohol. Kumpel und Zuhälter Frank (Sebastian Hülk) und seine tschechisch sprechende Prostituierte Vanessa Fink (Nadine Boske) trieben es indes bunt mit Roy. Denn Roy hatte im Lotto gewonnen. 3 Millionen Zinnsoldaten. Hauptkommissar Lessing (Christian Ulmen) und Hauptkommissarin Dorn (Nora Tschirner) sind derweil mit der Eigenheim-Suche befasst, können aber auch noch Mord nebenbei und auch der Lederhosen-Schlitzer wird endlich gefasst.Hach, wo ist nur der Hochofen, wenn man ihn braucht.

Murmel Clausen und Andreas Pflüger sorgten auch hier für das Drehbuch und damit für einnehmend pointierten und intelligentem Humor und schräge Vögel. Unterstützt durch teils extreme Perspektiven verkommt dieser Tatort zu einem Fest der Absurditäten. Da knallts auch mal im Hintergrund an den Mülltonnen oder Plattenbauten ragen wie Elfenbeintürme nach oben. Kann man mögen, muss man aber nicht. Tschirner und Ulmen scheinen sich erst richtig warmzulaufen und nehmen immer mehr Fahrt auf, genau wie das Team um sie herum. Gregor Schnitzler hat hier ein Händchen fürs Abwegige sowie für sein Team. Nimmt man den Münsteraner Tatort als Maßstab für das Komödiantische, hat er mit diesem Tatort ernste Konkurrenz.

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Der Dackel vor der Flinte

Wenn Opa Weischlitz (Carl Heinz Choynski), seines Zeichen Jäger, mit einem toten Dackel angelaufen kommt, seine Enkelin brüllt, „Der Roy is tot!“, Opa daraufhin antwortet, er habe immer noch Augen wie ein Luchs und Lessing kontert: „Und Ohren wie ein Lachs!“, dann ist man in Weimar angekommen. Den Letzten beißen die Hunde, oder ähm, Spinnen, oder wie war das. Auch Johann Ganser (Matthias Matschke) hats nicht leicht.  Dass die Geschichte völlig aus der Realität entgleitet, rechne ich diesem Tatort hoch an, denn Mut zahlt sich manchmal aus. Hier wirkt nichts bemüht, nichts gestellt, sondern läuft alles wie am Schnürchen. Bierernst hauen die Kommissare hier ein Ding nach dem nächsten raus, und während das beim Tatort aus Sachsen zwar auch ganz schön war (Skript: Ralf Husmann von Stromberg), zieht die Geschichte hier gleich mit. Und das funktioniert dann auch auf allen Ebenen. Mehr davon bitte!

 

Regie:  Gregor Schnitzler

Drehbuch: Murmel Clausen, Andreas Pflüger
Musik: Christopher Bremus
Kamera: Ralf Noack
Schnitt: Kai Schröter

Darsteller: Nora Tschirner, Christian Ulmen, Thorsten Merten, Matthias Matschke, Florian Lukas, Arndt Schwering-Sohnrey, Nadine Boske, Sebastian Kowski, Johann Jürgens, Ralf Finke, Sebastian Hülk, Fritzi Haberlandt, Carl Heinz Choynski, Katrin Wolter, Katrin Jaehne, Thomas Wodianka

Tatort (2016) Die Geschichte vom bösen Friederich von Hermine Huntgeburth

Frankfurt, Folge 983

„Der Friederich, der Friederich

Das war ein arger Wüsterich

Er fing die Fliegen in dem Haus

Und riß ihnen die Flügel aus.

Er schlug die Stühl‘ und Vögel tot,

Die Katzen litten große Not.

Und höre nur, wie bös er war:

Er peitschte, ach, sein Gretchen gar!“

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Tatort: Fünf Minuten Himmel von Katrin Gebbe

Event-Tatort Freiburg, Folge 981

Wenn die ARD ankündigt, dass es noch nicht feststeht, ob der Tatort in dieser Konstellation fortgesetzt wird (womöglich in einer anderen Stadt), muss dieser, Murphy’s Law gemäß, sehenswert sein.

Wir befinden uns in Freiburg und blicken auf die schwangere Hauptkommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch), die ihren Einstand im Freiburger Kommissariat gibt. Kommissariatsleiter Volker Gaus (Holger Kunkel) und Kommissar Hendrik Koch (Max Thommes) empfangen sie badisch. Der Einstand bezieht sich auf den Todesfall Holger Kunath (Michael Moritz), der als Sachbearbeiter im Job-Center nicht nur seinem Job nachgeht. Familie Mai ist auf Kunath angewiesen gewesen, da dieser dafür verantwortlich war, pünktlich die Mietschuld für die Sozialwohnung auszugleichen, was in rechtlicher Konsequenz in einen drohenden Rauswurf mündet. Cornelia (Julika Jenkins) und ihre Tochter Melinda Mai (Rosemarie Röse), die noch den Verlust des Ehemann und Vater betrauern, müssen nun Angst um ihre Bleibe haben, während ihr Nachbar Herr Kunani (Grandios: André Benndorff) mit Aaalen in der Badewanne, bereits die bevorstehende Apokalypse ankündigt. Investor Rüdiger Fest hingegen freut es, da er mit dem Grundstück schon andere Pläne hat. Abseits der Immobilien-Rangelei lässt sich Melinda mit dem Sohn Titus Kunath (Oskar Bökelmann) des Toten ein und zieht sich damit den Zorn seiner Freundin Harriett (Anna-Lena Klenke) zu. Dies wird erst richtig komplex, als Fronten innerhalb der Clique gewechselt werden und der soziale Brennpunkt seinen Abdruck zeigt. Hauptkommissarin Ellen Berlinger trifft nach fünfzehn, in London verbrachten, Jahren wieder auf ihre Mutter Edelgard Berlinger (Angela Winkler), die alles andere als erfreut über die Rückkehr ist. So kämpft in diesem Tatort jeder mit alten Bindungen, die mit voller Härte zuzuschlagen wissen.

Puh, was für Verstrickungen. Solch komplexe Handlungsstränge hat man nicht oft am Sonntagabend. Dieser Tatort folgt zwar einfach dem Verlauf der Ermittlungen, weiß dabei aber eine Geschichte zu erzählen (Skript: Thomas Wendrich), die hängen bleiben dürfte. So bleiben doch einige offene Fragen nach Schluss, die es noch zu beantworten gälte. Regisseurin Katrin Gebbe setzt dabei auf voll auf ihre Schauspieler und weiß diese gut in Szene zu setzen. Heike Makatsch spielt einfach geraderaus und findet eine schöne Balance zwischen beruflichem Durchsetzungsvermögen und ihrer familiären Geschichte. Der Hintergrund dieser Geschichte hat Spuren hinterlassen, und nichts an Wirkung eingebüßt. Die badische Mundart, die ihr aus dem Kommissariat entgegenkommt, lässt sie nur noch fremder und abseitiger wirken, was ihrer Rolle. Über die Kommissarin und ihre Kollegen erfährt man nicht viel, dafür umso mehr über Beteiligten am Mordfall.

Der ein wenig breit angelegte rotzige Jugendsprech hätte an mancher Stelle etwas kürzer treten können, aber alles in allem verkörpern die Schauspieler, vor allem Anna-Lena Klenke und Rosemarie Röse, ihre Rollen emotional nachvollziehbar, was dazu führt, dass die Jugendlichen weitestgehend die vorherrschenden Umstände aufzeigen, atmosphärisch stimmungsvoll und bedrückend. Trauer und Kompromisslosigkeit herrschen in dem Viertel der Jugendlichen, aber auch von außen kommt nicht viel Gutes, sodass Türen nicht nur sinnbildlich verschlossen bleiben.

Freiburg in seiner hässlichsten Seite beeindruckt mit fast schon nebensächlicher Armut und Hinterhofstimmung. Die Dramatik der vergessenen Sozialhilfeempfänger verdichtet sich durch die Zeit, die hier für jeden anders ticken müsste. So braucht es bei einem ein Jahr der Ohnmacht, bei dem anderen fünfzehn, bei wieder einem anderen eine gänzlich andere Definition. Ämter und Behörden kennen diesen Stillstand nicht und geben für schlechter Eingestimmte kompromisslos eine Abwärtsspirale vor. Die Folgen davon kann man eindringlich hinter den Fassaden Freiburgs sehen: Bio-Kiffen für fünf Minuten Himmel.

Regie: Katrin Gebbe
Drehbuch: Thomas Wendrich
Darsteller: Heike Makatsch, Angela Winkler, Emilia Bernsdorf, Max Thommes, Holger Kunkel, Christian Kuchenbuch, Julika Jenkins, Rosemarie Röse, Pierre Siegenthaler, Jörg Pose, Jochanah Mahnke, Tabea Hug, Michael Moritz, Oskar Bökelmann, Anna-Lena Klenke, Michaela Caspar, André Benndorff

Tatort: Hamburg (2016) Zorn Gottes von Özgür Yildirim

Tatort Hamburg, Folge 980

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Tatort: Kleine Prinzen (2016) von Markus Welter

Tatort Luzern, Folge 979

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Tatort: Auf einen Schlag (2016) von Richard Huber

Tatort Dresden, Folge 978

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Tatort: Kartenhaus (2016) von Sebastian Ko

Tatort Köln, Folge 977

„Like the sand can seep right through your fingers so can all your days

As those days go by you’ll have me there to help you find the way.

The way I feel with you I know it’s got to last forever.

And when the rain begins to fall

you’ll ride my rainbow in the sky

And I will catch you if you fall

you’ll never have to ask me why.

And when the rain begins to fall I’ll be the sunshine in your life

You know that we can have it all and everything will be all right.”

Kartenhaus heißt der treffende Titel des heutigen Tatorts.

Die, kurz vor ihrem 18. Geburtstag stehende Laura Hartmann (Ruby O. Fee) baut sich selbiges, wenn sie in ihrem Zimmer tanzenderweise ihren Träumen nachhängt. Nebenan sticht ihr vorbestrafter Freund Adrian Tarrach (Rick Okon) schonungslos auf ihren Stiefvater ein. Ihre Mutter schwelgt zur gleichen Zeit in Madame Butterfly und wartet auf selbigen. Während das Pärchen schnell verschwindet, findet Fr. Hartmann ihren toten Mann auf dem Küchenfußboden. Laura selbst hat von alledem nichts mitbekommen und denkt, dass Adrian und sie verreisen werden. Die daraufhin anrückenden Hauptkommissare Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Schenk (Dietmar Bär) werden nicht lange brauchen, um den Täter zu ermitteln. Schnell sind sie dem Pärchen auf der Spur.

„Sie lügt – er träumt.“ „Gefährliche Mischung.“

Dieser Tatort lebt durch die zwei flüchtigen jungen Menschen und schnell eröffnet sich dem Zuschauer die zugrunde liegende Dynamik der beiden. Pseudologia phantastica trifft auf verklärte Liebe.

Mit einer großen Portion Leidenschaft im Rücken steht der Roadmovie-Romantik hier nichts mehr im Weg und wird von den zwei Beteiligten beherzt umgesetzt. Mit schönen bildhaften Übergangen und einem annehmbaren Tempo reift diese Jagd zu einem Abgesang auf die üblichen Fesseln jugendlicher Liebe, die sich nur noch über Technik definiert. Freiheit, Liebe und Sex entgegen aller Widerstände. Rhythmisch durch die Plattenbauten ziehend, dürfen wir auf ein Ende hin mitfiebern, das unweigerlich einen konsequenten Abschluss finden muss. In diesem Tatort ist das gleichsam schön, wie schade. Wunderbar!

“Here I go out to sea again

The sunshine fills my hair

And dreams hang in the air

Gulls in the sky and in my blue eyes

You know it feels unfair

There’s magic everywhere

Look at me standing

Here on my own again

Up straight in the sunshine

No need to run and hide

It’s a wonderful, wonderful life

No need to laugh and cry

It’s a wonderful, wonderful life”

Regie: Sebastian Ko

Drehbuch: Jürgen Werner

Darsteller: Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Patrick Abozen, Bettina Stucky, Sami Asfour, Joe Bausch, Julika Jenkins, Thomas Bastkowski, Ruby O. Fee,  Aleksandru Cirneala, Rick Okon, Janos Tiborcz, Rainer Galke, Marie Bendig, Juri Rother