Wonder Woman (2017) von Patty Jenkins – Episch, schwungvoll strauchelnd

Vörred: Am Montag ganz beschwingt in die Sneak und siehe da… Die Ankündigung gab das Genre Fantasy vor, vorausgehend: überschwängliche Bewertungen – da blieb nicht mehr viel zur Auswahl (eher gar nichts) – und so gab es zu Beginn des Films dann auch keine große Überraschung. Die folgenden Sätze lassen ein gewisses Frustrationsniveau meinerseits erkennen unter dessen Einfluss die Sichtung ein wenig gelitten hat.

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Die Kirche bleibt im Dorf (2012) von Ulrike Grote

I fasch desch ma kurz zusamme… Totschlach, Unnerlaschene Hilfeleischtung, Körperverleschtzung, Hosfreidnsbruch, Betruch, un Alkoholmischbrauch… Un desch allesch uf Schwäbisch!

Wo sie sind? In Ober- und Unterrieslichen! Und die beiden Ortschaften trennen eigentlich nur zwei Dinge. A Kirsch un a Friedhoff. Denn diese beiden Stätten muss sich der gemeine Rieslinger teilen, was ihm schon mal so gar nicht gefällt.

Die Oberrieslinger haben die Kirche und die Unterrieslinger den Friedhof, aber eines haben sie gemeinsam: Ein Schlagloch. Dieses liegt genau zwischen den beiden Gemeinden und wird der Verantwortungslosigkeit überlassen bzw. ist der jeweils andere, wenn überhaupt, verantwortlich. Dumm nur, dass Oma Häberle aus Oberrieslingen nun ausgerechnet dieses mitnimmt und gemeinsam mit ihrem Motorrad das Zeitliche segnet bzw. hats sies dohin bräzelt. Aber das ist nicht das einzige Problem:

Denn jetzt kommt auch noch Robert Redford, um die Kirche zu kaufen! Ob das gut geht…

Ulrike Grote nimmt hier im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön Fahrt auf, dass einem das Herz ab- und aufgeht. In typisch dörfischen Stereotypen wird hier geschwäbelt, was das Zeug hält, Wortwitz und Verwechslung reichen sich genauso die Hand, wie Vorurteile und Zänkerei. Die verschwörerische Pseudo-Mystery-Story umrahmt das Ganze, und driftet damit in völlig andere, manchmal aber auch unnötige Sphären ab. Skurril, frisch, locker und vor allem urkomisch kommt diese Komödie nicht nur um die Ecke, sondern auf dem Trekker angezappelt, dass einem ab und an der Riesling durch die Nase läuft.

Dabei werden alle Klischees bedient, die ein Dorf so hergibt, allen voran schwäbische! Oin dudla, Bemmbra und  buabala. Wer schon immer mal, mit Omi im Grab Schlittenfahren üben wollte, Shakespeare-Strümpfelbach-Vergleiche nicht scheut oder wirklich wissen möchte, was es heißt, die Kirche im Dorf zu lassen, ist hier goldrichtig. Und wer nachhaltig Spaß hatte, kann die Fortsetzung vom SWR in Serie betrachten.

Nur düstern Frieden bringt uns dieser Morgen.

Die Sonne scheint, verhüllt vor weh, zu weilen.

Zur richtigen Aussprache gehäuft vorkommender Wörter sei eine kleine Einführung empfohlen.

Außerdem zur Einstimmung auf diese Komödie dringend zu empfehlen:

 

Ganz herzlich bedanke ich mich an dieser Stelle bei Liegeradler von der Seite Kinogucker, der mir diese DVD freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat! 

Regie: Ulrike Grote

Drehbuch: Ulrike Grote

Darsteller: Rolf Schübel, Karoline Eichhorn, Natalia Wörner, Ulrich Gehbauer, Hans Löw, Christian Pätzold, Dietz Werner Steck, Peter Jordan, Stephan Schad, Julia Nachtmann, Elisabeth Schwarz, Hans-Joerg Frey, Dominik Kuhn, Gary Francis Smith

The Big Short (2015) von Adam McKay

Der Leiter der „Scion Capital LCC Hedge Funds“ Michael Burry (gespielt von einem großartigen Christian Bale) verwaltet zuverlässig das Kapital seiner Kunden. Er soll der erste sein, der von der Immobilienblase Wind bekommt und handelt. Belächelt von den Banken und seinen Kollegen, hält er in stoischer Ruhe an seiner Meinung fest, dass der Imobilienmarkt und die gesamte Weltwirtschaft zusammenbrechen. In Burrys Büro hören wir eine donnernde Andeutung, von dem was da auf uns zugerollt kommt: Krachender Heavy Metal begleitet von Burrys leisen Drumsticks. Sie sollen im Laufe des Films lauter werden, wie auch der Rest.

Jared Vennett (Ryan Gosling) geleitet uns dabei durch den Film und dient als roter Faden. Steve Carell, der den Hedgefond-Manager Mark Baum verkörpert, unterstreicht die Abhängigkeit von diesem System und lässt uns an seiner Entwicklung innerhalb dieses Systems teilhaben. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Einer, der sich abgefunden hat und einer, der sich noch abfinden muss. Mittendrin noch zwei Garagen-Nerds, die ebenfalls ihre Chance sehen und die Unschuld von aufstrebenden Genies verkörpern. Ben Hockett (Brad Pitt), der schon raus ist aus dem Geschäft, aber doch nicht loslassen kann und als mahnender Zeigefinger dient, rundet das Ensemble aus seinem Ökoparadies heraus ab.

Ein aufklärender Film, der nie erklärend wirkt, aber dafür dokumentarisch, gleichsam reißerisch, aber nie aufdringlich erscheint. So oder so ähnlich müsste man „The Big Short“ zusammenfassen. Dass Charles Randolph und Adam McKay es nicht nur schaffen, die angeblich sperrige Vorlage in ein ergreifendes Drehbuch zu verwandeln, sondern die Erklärung der Weltwirtschaft im Ganzen und der amerikanischen im Speziellen sogar zu einer Art Manier erheben, bringt den beiden vielleicht auch den Oscar für das beste adaptierte Drehbuch ein.

Diese Erklärungen werden ironisch und teils herablassend direkt an den Zuschauer gerichtet, denn sie werden von Stars und Sternchen und Köchen vorgetragen, also jenen, die unsere Interessen widerspiegeln sollen. Popstars, nackte Blondinen und Kochsendungen. Dabei sind die Erklärungen nicht nur sachdienlich, sondern bringen einen auch aus dem sich abzeichnenden Abwärtsstrudel der Wirtschaftsszenerie raus. Der Strudel selbst wird mit eben solchen Bildern unterfüttert. Bilder, die sich im Laufe des Films anpassen und Ansichtskarten unserer Bedeutungs- und Ahnungslosigkeit darstellen. Die Wackelkamera unterstreicht das Chaos indem sich keiner mehr zurechtfindet. Dabei bekommt der Zuschauer auch nur die Informationen, die er benötigt um weiter mitzukommen. Es ist letztlich somit die menschliche Gier die hier zurückgespiegelt wird, denn auch in der Finanzwelt kann der normale Mensch nur noch mitlaufen, weil er gar nicht mehr versteht, wovon dort eigentlich gesprochen wird, Vertrauen vorausgesetzt. Bezeichnend ist hier das Krokodil im Swimmingpool.

Der Zuschauer sitzt mit Fassungslosigkeit und blankem Entsetzen vor der Wahrheit, die der Film rausbrüllt. Mit fast diebischer Freude erwartet man den gerechtfertigten Untergang, weil alle sich rigoros davor verschließen und an ihren Betrügereien festhalten. Wäre da nicht der mahnende Zeigefinger Bens, der uns brutal an die Wirklichkeit erinnert. Obdachlosigkeit, Armut und dieses für lange Zeit gebrochene Vertrauen. Fakten, die am Ende noch mal mehr als deutlich werden und die bis heute nichts verändert haben. Es gibt in dieser ganzen Geschichte letztlich nur eine Person, die wirklich den Durchblick hat und auch behält, und das ist Michael Burry.

Michael Burry hat mutmaßlich das Asperger Syndrom, ist eigenbrötlerisch, fremden Menschen gegenüber nicht emotional zugewandt und scheint auch Schwierigkeiten zu haben, generell mit menschlichen Signalen umzugehen, die nicht in Codes verpackt sind (wie z.B. Sprache). Kontakt mit seinen Kunden hält er beispielsweise ausschließlich per Mail. Auch Zahlen sind codierte Signale. Es ist deshalb bezeichnend, dass nur er es ist, der dieses System aus Zahlen versteht und auch entlarvt. Dieser Film ist unter anderem auch eine hervorragende Grundlage für die Debatte, ob psychische Einschränkungen wirklich als solche gesehen werden sollten oder nur die Umwelt nur nicht mit ihnen umzugehen weiß bzw. die Vorteile dieser Persönlichkeiten nicht einzusetzen/ zu schätzen weiß.