I Killed My Mother (2009) von Xavier Dolan – Hass, Liebe, Hass, Liebe,…

Vörred: Xavier Dolan hatte offenbar das, was man eine schwierige Kindheit nennt, nimmt man seinen Regie-Erstling als einzige Referenz. Doch ganz so einfach ist es nicht, denn einige Zuschauer finden sich sicherlich an der ein oder anderen Stelle wieder.

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Sie nannten ihn Jeeg Robot (2015) von Gabriele Mainetti – Von Kleinkriminellen, Superhelden und Vanillepudding

An dieser Stelle führe ich mal klammheimlich Kurzkritiken ein. Mir fällt verstärkt auf, dass ich bei mir liebgewonnenen Filmen Unterschiede im Wortfluss mache und andere, die mit weniger Worten auskommen würden, deshalb gar nicht mehr berücksichtigt werden. So tummeln sich hier in letzter Zeit nur gute bis sehr gute Filme. Deshalb. Hier. Jetzt. In kurz und nicht ganz so toll. Das erste Strandgut.

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Der Nachtmahr (2015) von AKIZ – Das Viech der Jugend

So ähnlich müsste wohl das schriftliche Gegenstück zu Der Nachtmahr eingeleitet werden:

WarnungDer folgende Text enthält Argumentation, die in Einzelfällen undifferenziert ausfallen, und zu verstörenden Eindrücken führen kann. WarnungDieser Text enthält außerdem isotonen Wahnsinn und multifokale Entgleisungen. Wie auch immer… …dieser Text sollte laut gehört-pardon-gelesen werden! 

Während ich mit Wahnsinn nur in Maßen dienen kann, möchte dieser Film von Anfang an mehr. 

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Mysterious Skin – Unter die Haut (2004) von Gregg Araki

© 2010 Antidote Films
© 2010 Antidote Films

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Mysterious Skin klebt am Zuschauer wie süßer und übelkeitverursachender Zucker. Nichtsdestotrotz sollte man dies, wenn man es noch nicht hat, billigend in Kauf nehmen, um ein thematisch rundum gelungenen Film zu sehen. Momentan auch bei Netzkino verfügbar. 

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Sicario (2015) von Denis Villeneuve

Innerhalb des mexikanischen Drogenkrieges sind FBI-Agentin Kate Macer (Emily Blunt) und ihrem Partner Reggie (Daniel Kaluuya) die Hände gebunden. Je näher sie dem Drogensumpf kommen, desto mehr müssen sie auch um ihr Leben kämpfen. Frustriert und abgekämpft sehen sie aus, allen voran Kate. Schlabberlook, Augenringe und eine ausgemergelte Figur zeichnen die FBI-Agentin aus, aber auch ein nicht schweigender Idealismus treibt sie an sowie um. Innerhalb einer Task Force der CIA soll Kate nun ihre Chance bekommen, die Verantwortlichen zur Strecke zu bringen. Dies ist die grobe Rahmenhandlung von „Sicario“, aber im Kern geht es, wie so häufig, um etwas anderes.

Das Einsatzgebiet der Task Force erstreckt sich entlang der Grenze zwischen Arizona und Mexiko und konzentriert sich die Ciudad Juárez, welche auch im realen Leben für ihre Drogenkartelle berüchtigt ist. Wie eine Schlange und mit nervenbefeuerndem Sound (Oscar-Nominierungen für Jóhann Jóhannsson für die beste Filmmusik und Alan Robert Murray für den besten Tonschnitt) wälzt sich der Konvoi von schwarzen Spähern nach Juarez und wieder zurück. In einer atemberaubenden langen Einstellung sollen wir die ganze Willenskraft der Regierung zu spüren bekommen, aber auch die Verzweiflung Kates spüren, die mehr als deutlich wird. Es ist dieser erste Moment, die erste Konfrontation auf der Straße, welche enthüllt, was das eigentliche Thema ist. Hier werden keine Drogenkartelle bekämpft, hier bekämpfen sich Organisationen. Hier stehen Idealismus und Rechtschaffenheit gegen sich reproduzierende Gewalt. Gut gegen Böse in jedem selbst.

Sicario, wie einem am Anfang erklärt wird, steht für Auftragskiller. Bewusst wird dieser Hinweis durch den ganzen Film verfolgt. Dabei geht es schon lange nicht mehr um den hier namentlich mit Manuel Diaz (Bernardo P. Saracino) vertretenen Drogenboss, sondern um Ausgeburten von Gefügen, die sich einander immer mehr annähern. Nicht nur Kate, sondern auch der Zuschauer, wird lange im Dunkeln gelassen, worauf man sich hier eigentlich eingelassen hat. Die beiden Hauptverantwortlichen, der Leiter der Spezialeinheit Matt (Josh Brolin) und der kolumbianische Staatsanwalt Alejandro (Benicio del Toro) verkörpern die geballte Schlagkraft und die Undurchsichtigkeit von Regierungen, denen jedes Mittel recht ist, um die Waagschale wieder in ihre Richtung zu bewegen.

Denis Villeneuves Filme zeichnen sich nicht gerade durch Schnelllebigkeit aus, aber durch eine langanhaltende subtile Spannung, die genau dadurch aufgebaut wird. Filme wie „Prisoner“ und „Die Frau, die singt-Incendies“ wirken lange verstörend, nur um dann mit menschlichen Abgründen zu konfrontieren. In Sicario gelingt das bedingt. Die schnellen Sprünge auf der einen Seite (v.a. in der Charakterentwicklung), und die langsame Erzählweise auf der anderen Seite, machen es einem manchmal nicht leicht am Ball zu bleiben und wollen sich nicht so recht in stimmiges Bild fügen. Aber das, was Sicario mindestens sehenswert macht, sind seine Schauspieler. Benicio del Toro und Emily Blunt müssen hier besonders hervorgehoben werden. Es ist fast eine Befriedigung Alejandro auf seinem Rachefeldzug zu begleiten, dabei aber immer auch Bedauern zu empfinden. Egal, auf welcher Seite man steht, man ist im Recht.

—Spoiler—

Im letzten Satz Alejandros: „Jetzt lernst du Gott kennen“ wird eine Warnung sowie auch Hoffnung deutlich. Hier gibt es nur einen Richter. Dieser wird über uns richten, aber nicht im Leben. Chance auf Erlösung aus diesem Kampf, kann es nur im Tod geben, niemand kann gewinnen.

Zu der visuellen Gestaltung kann ich folgendes Video (Englisch) nur wärmstens empfehlen: