Happiness (2016) von SABU – Der Antrieb unserer Erinnerungen

Vörred: SABU-Filme wurden mir im Vorfeld als sehenswert angekündigt, weshalb ich auch beide, auf dem Nippon-Festival vertretende Filme mitgenommen habe. So ist der Regisseur mit Mr. Long und Happiness gleich zweimal repräsentiert gewesen. 

Döntjes: Happiness für mich -> Ich habe endlich einen zweiten Film für meine Kategorie zweckentfremdet gefunden!

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Die 5 BESTEN am DONNERSTAG #4

5 Filme, die ich gerne auf großer Leinwand gesehen hätte, erfragt von Gorana aus der Ergothek, die jeden Donnerstag die 5 BESTEN erhebt. Leider konnte ich die ersten Anläufe der 5 Besten nicht vollenden; solltet ihr dies also lesen können, hat es heute mal geklappt (ansonsten hebe ich den Einleitungstext einfach wieder bis nächste Woche auf…).

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Der Abend der Gaukler (1953) von Ingmar Bergman

Der Abend der Gaukler ist angebrochen, wenn alle sich in Make-Up und Kostüme geworfen haben und alten Glanz ausstrahlen. Der Abend der Gaukler ist angebrochen, wenn sich das Podest der Fähigkeiten zeigt. Der Abend der Gaukler ist angebrochen, wenn die Verstellung über der Demütigung steht. Die Manege ist rund und seit jeher gut einsehbar. Armut, Unterordnung und aufgesetzter Stolz werden offen zur Schau gestellt. Die Demut des Zirkus lässt den Außenstehenden größer wirken, der äußere Anstrich verbirgt die Gefahr der Herabwürdigung und hält mit brüchigem Stolz dagegen.

„Wir verachten euch, weil ihr im Zirkuswagen lebt und wir in schmutzigen Hotelzimmern, weil wir Kunst machen und ihr Kunststücke. Sehen sie, der Unbegabteste von uns, kann den Größten von euch anspucken. Wollen sie wissen aus welchem Grund? Weil euer Einsatz das Leben ist, uns genügt die Eitelkeit völlig.“

Der Zirkus, ein poröses Gefüge der Abgewiesenen und Außenseiter, unterhält die Eitelkeit der Zuschauer und lässt sie mit dem beständigen Anreiz des möglichen Scheiterns die Show genießen. Kein Schausteller kann sich erheben, ohne sich zu enttarnen und sich der Lächerlich preiszugeben, keiner sich wehren. Nur die Hingabe kann den Abend der Gaukler zu einem glorreichen Abend machen, denn die unaufgeforderte Aufopferung für die Kunst fasziniert und macht sie unerreichbar.

„Ja, wenn sie den Mut dazu hätten, würden sie uns noch lächerlicher finden, mit unserer halben Eleganz, unseren geschminkten Gesichtern und unserer unnatürlichen Sprache.“

Es sind fließende Grenzen von Stolz und Demütigung, die Ingmar Bergman hier umschifft. Man muss immer aufpassen, auf welcher Seite der Manege man sich gerade befindet und sich befinden möchte und was man opfern möchte, um die Seiten zu wechseln. Die düster absurde Atmosphäre des Zirkuslebens unterstreicht die Vorstellung der Gaukler, die Gebundenheit an den Zirkus und die Ausweglosigkeit aus der Demut.

Hereinspaziert, Manege frei.