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Steve Jobs (2015) von Danny Boyle

Steve Jobs ist ein Biopic, welches auf drei Stationen des Apple-Mitbegründers Steve Jobs (Michael Fassbender) basiert. Dabei handelt es sich um Veröffentlichungen bzw. Produktpräsentationen: Denen des Macintosh 1984, des NeXT 1988 und des iMac 1998. Innerhalb dieser einzelnen Stationen , wird der Weg hinter der Bühne bis zur Aufführung nachgezeichnet. Jobs schlägt sich mit allerlei Problemen rum, die vor der Präsentation ganz natürlich auftauchen oder Kennzeichen seiner schwer zugänglichen Persönlichkeit sind. So lernt man im Verlauf seine uneheliche Tochter Lisa (erwachsen: Perla Haney-Jardine) und ihre Mutter Chrisann Brennan (Katherine Waterston) näher kennen sowie die Assistentin Joanna Hoffman (Kate Winslet). Garagenfreund und Mitentwickler Steve Wozniak (Seth Rogen), Präsident und CEO von Apple John Sculley (Jeff Daniels) und Softwareentwickler Andy Hertzfeld (Michael Stuhlbarg) sind ebenfalls ein präsenter Teil des Ausschnitts.

Danny Boyle verfilmte hier die Biographie von Walter Isaacson, welche Jobs zu Lebzeiten autorisiert haben soll. Aaron Sorkins entwickelte daraufhin das Drehbuch. Bereits 2013 kam mit “Jobs“ (Ashton Kutcher in der Hauptrolle) eine Filmbiographie auf den Markt, welche eher einer Hommage entsprach, während sich diese Verfilmung ganz auf die schwierige Persönlichkeit Steve Jobs fokussiert und dabei sein Umfeld mit einbezieht. Der Cast insgesamt ist nicht nur hervorragend besetzt, sondern leistet auch Erstaunliches. Kate Winslet, die den Oscar für die beste Nebendarstellerin für sich verbuchen konnte, agiert nicht nur als Jobs Assistentin, sondern auch als eine Art jobsche Dolmetscherin. Vor allem in der angespannten und negativen Beziehung zu Chrisann und ihrer gemeinsamen Tochter Lisa, ist Joanna Hoffman als Vermittlerin ein Segen. Seth Rogen, der den großen „Woz“ gibt, verschafft seiner Figur viel Sympathie und zeigt sich publikumsnah, indem er Michael Fassbender als stillen und aufrichtigen Helden begleitet, aber nie in dessen Schatten steht, was man von den Menschen, die sie spielen, nicht behaupten kann. Zum Apple CEO John Sculley, pflegte Steve Jobs anfänglich auch real eine lange Freundschaft. Er war es, der ihn überzeugte zu Apple zu kommen(Sculley arbeitete damals als Vizepräsident von Pepsi Cola), mit dem heute berühmten Zitat:

„Do you want to sell sugared water for the rest of your life? Or do you want to come with me and change the world?“

Jeff Daniels schafft es, John Sculley als langjährigen und sehr vertrauten Freund Jobs zu installieren, was bei der vorherrschenden Schnelllebigkeit bis zum Zerwürfnis der beiden, für die eher ruhigeren Momente sorgt. Auch die visuell beeindruckenden Rückblenden in die Vergangenheit laden zum Verschnaufen ein.

Musikalisch bewegt man sich zwischen den, der technischen Entwicklung angepassten instrumentalen, orchestralen bis hin zu digitalen Sounds, was für einen gewissen Fluss in der Charakterzeichnung und im Leben Jobs sorgt. So heißt das erste Stück des Soundtracks auch passend: „The Musicians Play Their Instruments?“, was aus einem Streitgespräch Jobs und Wozniaks herrühren dürfte, indem Jobs sinngemäß sagte, dass seine Aufgabe wäre das Konzert zu leiten, nach dem Wozniak ihm vorwarf, er könne nichts selbst auf die Beine stellen. Auch der von Jobs verehrte Bob Dylan findet sich auf dem Album wieder, welches genauso durchdacht ist, wie der Rest des Films.

Steve Jobs muss, gemessen an beiden Filmen, ein komplexer Mensch gewesen sein. So schnell wie der Aufstieg, so schnell ist auch Danny Boyles Inszenierung, was gleichzeitig Fluch und Segen ist. Zum einen hält der Film ein enormes Tempo, welches der Branche angemessen ist und Michael Fassbender als Steve Jobs eine äußerst realistische Ausstrahlung gibt, auf der anderen Seite, ist man schnell von all den Wortgefechten erschöpft. Wenn sie sich auch nicht immer in ein Ganzes fügen: Die inhaltlichen und technischen “Konzertteilnehmer“ sind durchgehend grandios arrangiert. Ob die visuelle Gestaltung durch die verschiedenen Zeitebenen, die genannte musikalische Ausstattung oder die intelligent platzierten Dialoge Sorkins, die Jobs als Ekel ausweisen:  Die Gestaltung ist angepasst und durchdacht.

So ist es dieser Inszenierung zu verdanken, dass Steve Jobs hier als Mensch gezeigt wird, der seinen Maschinen und deren Kommunikation untereinander manchmal näher war, als den Menschen um ihn rum, zu denen er keinen Zugang hatte.

Regie: Danny Boyle
Drehbuch: Aaron Sorkin
Musik: Daniel Pemberton
Kamera: Alwin H. Küchler
Darsteller: Michael Fassbender, Kate Winslet,nSeth Rogen, Katherine Waterston, Jeff Daniels, Sarah Snook, Michael Stuhlbarg, John Ortiz, Makenzie Moss, Ripley Sobo, Perla Haney-Jardine, Adam Shapiro

Frank (2014) von Lenny Abrahamson

Jon Burroughs (Domhnall Gleeson) ist ein Träumer. Wo er auch steht und geht, textet und feilt er an seinen Songs. Dabei ist alles, was ihm über den Weg läuft Bestandteil seiner fiktiven Kompositionen, während sein Leben eher Teil des Twitter-Universums ist. Als er den Keyboarder der Gruppe Soronprfbs, beim Versuch sich zu ertränken sieht, wird ihm von Doug (Scoot McNairy), auch ehemaliger Keyboarder und nun eine Arte Manager der Band, angeboten, an einem abendlichen Gig teilzunehmen, was er natürlich sofort annimmt. Frontmann Frank (Michael Fassbender), der sein Gesicht zu jeder Zeit unter einem Pappmaché-Kopf versteckt, bittet Jon daraufhin zu bleiben. Die anderen Band-Mitglieder, Clara (Maggie Gyllenhaal), Baraque (François Civil) und Nana (Carla Azar) sind davon allerdings weniger begeistert, während Jon sich im siebten Band-Himmel wägt. Gemeinsam fahren sie nach Irland in eine abgelegene Hütte, wo sie ihr Album aufnehmen wollen, währenddessen Jon die Aufnahmen der Gruppe dokumentiert, sie ins Netz stellt und sich an wachsenden Besucherzahlen erfreut. Die Stimmung ihm gegenüber wird jedoch nicht besser und so wird die bestehende Gruppendynamik auf eine seelische Probe gestellt.

Die musikalische Komödie Frank hatte seine Premiere auf dem Sundance-Festival. Regisseurs Lenny Abrahamson inszenierte hier nicht nur die Memoiren von Jon Ronson, einem Band-Mitglied des 2010 verstorbenen Musikers und Komikers Christopher Mark Sievey (Alias Frank Sidebottom), sondern auch Einflüsse anderer Musiker fanden im Drehbuch ihren Platz. Alle im Film zu hörenden Songs sind vom Cast selbst eingesungen. Die fantastische musikalische Leistung und das Drehbuch (Peter Straughan & John Ronson) überzeugten auch bei den British Independent Film Awards.

Der Zuschauer ist hier ganz bei den Bildern und seltsamen Gestalten, die allesamt Außenseiter mit brüchigem Verhalten und emotionaler Instabilität darstellen, aber innerhalb ihrer Gruppierung einen Umgang damit gefunden haben. Jon, der sich nichts sehnlicher wünscht, als mit seiner Musik bekannt zu werden, transportiert diesen Wunsch in die Band und ignoriert dabei völlig diese vorherrschenden Strukturen.

Aber vor allem die exzentrische und unkontrollierte Clara, verkörpert von Maggie Gyllenhaal, gibt der Formation die emotionale Ausdruckskraft, die eine Abneigung gegenüber Unwägbarkeiten und fremden Einflüssen nach außen hin präsentiert.

Frank hingegen zieht es seit langer Zeit vor, seinen Ausdruck zu verbergen und lässt andere für sich sprechen. Der künstlerisch herrschende, aber völlig von der Außenwelt abgeschottet, existierende Freigeist hat das Talent sich durch alles und jeden zu inspirieren und daraus etwas Schönes und Besonderes entstehen zu lassen, etwas, das Jon an ihm bewundert und selbst gern für sich hätte. Um diese Kombination aus zerbrechlicher und feingeistiger Natur durch eine Maske zu transportieren, braucht es Michael Fassbender, auf den wie eigentlich immer, nicht nur Verlass ist. Auch Domhnall Gleeson als Identifikationsfigur transportiert diese Mischung aus träumerischer und unbeirrbarer Persönlichkeit hervorragend.

Wie die Figur Frank, so ist auch der Film etwas ganz Besonderes. Es wird Menschen geben, die nicht ein einziges Mal lachen, aber innerlich brüllen müssen und umgekehrt, beides aber spricht für diese Kleinod. Frank verbindet in seiner Sonderstellung tragikomische Aspekte mit skurrilem Charme, die musikalischen Perspektiven und stets sehr andersartigen Klänge schaffen eine unverwechselbare Stimmung, die diesen Film so fremdartig und gleichzeitig anziehend wirken lassen. Trotz fehlendem klaren Aufbau oder gerade deshalb, schafft Frank es, über den gesamten Verlauf, seine sanfte Spannung aufrechtzuhalten. Die sich zuspitzende Lage in der Band und die, dem gegenüberstehende Erfüllung Jons, schaffen einen unverklärten Blick auf fragile Persönlichkeiten, die in der Summe alle nicht für den Weg nach oben bestimmt zu sein scheinen. Ein mitreißender und unanständig charmanter Außenseiter.

Und falls noch jemand an das Gleiche wie ich gedacht hat… Hier kommt die Anleitung 🙂

Regie: Lenny Abrahamson

Drehbuch: Jon Ronson & Peter Straughan

Musik: Stephen Rennicks

Kamera: James Mather

Darsteller: Michael Fassbender, Domhnall Gleeson, Maggie Gyllenhaal, Scoot McNairy, François Civil, Carla Azar

Ex Machina (2015) von Alex Garland

Der Turing-Test soll künstliche Intelligenz auf ihre Menschlichkeit bzw. Gleichwertigkeit zum Menschen hin überprüfen. Ursprünglich ist ein Mensch als Vergleichsobjekt und ein Beobachter vorgesehen. Ex Machina treibt diese Konstellation auf die Spitze und auch wir dürfen Beobachter spielen. In einer ausnehmend komplexen Atmosphäre entfaltet sich ein Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Die Versuchsräume sind dabei künstlich, steril und abgeschottet von jedem Leben.

In der Nahrungskette ganz oben angekommen und nur noch sich selbst gegenüber rechtfertigend steht der Mensch. Behaupten kann er sich nur noch gegen sich selbst. Er ist mit sich allein. Er treibt Sport mittels künstlicher Objekte, aber nur solange er auch sie bezwingen kann, er entwickelt sich weiter und weiter und strebt Vollkommenheit an. Er kommuniziert und lebt durch anorganische Bindungen und füllt diese mit Leben. So entsteht auch die Künstliche Intelligenz in Form von Ava aus dieser künstlichen Welt. Und es ist Ava, eine Maschine, die uns zeigt, was es bedeutet menschlich zu sein, zu jeder Zeit, in ihrem ganzen Sein.

„One day the AIs are going to look back on us the same way we look at fossil skeletons on the plains of Africa. An upright ape living in dust with crude language and tools, all set for extinction.“

Ex Machina ist sicherlich nicht die erste Instanz, die diese und andere Fragen aufwirft, aber es ist eine der beachtenswertesten. Leicht wie eine Feder schweben Fragen über unsere Existenz, der Existenz von KI, selbst Fragen zur Gender-Debatte über unseren Köpfen. Was wäre, wenn unser Schaffen lebendig werden würde? Was wäre, wenn dieses Ergebnis lebendiger als wir selbst ist, uns überlegen ist? Haben wir diesen Zustand nicht schon längst erreicht? Und das sind bei Weitem nicht alle. Dabei verfällt Alex Garland angenehmerweise nie in Erklärungen. Er regt zur Diskussion an, die aber über die üblichen Fragen hinausgeht. Ex Machina besticht auf allen Ebenen und lässt einen nicht mehr los.