IT OV (2017) von Andy Muschietti – Crazy Clown Time

Vörred: Kommt es nur mir so vor oder werden die Werbebeiträge in den großen Kinos immer länger? Nach gefühlten Stunden (inklusive Vor-Ort-Eisverkauf) begann dann auch endlich der erste Teil der Neuauflage von Stephen Kings ES.

Wie jedes Jahr steht der Oktober im Zeichen des Schreckens und des Gruselns. Alle weiteren Informationen könnt ihr hier bei der Cinecouch nachlesen. Ich habe mir keine Liste im Vorfeld gesetzt (wir wissen ja, wie das endet…) und werde ganz al gusto schauen und/ oder schreiben.

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Nebel im August (2016) von Kai Wessel – Die Geschichte von Ernst Lossa

Im Rahmen des Filmstöberns entdeckt und somit wenig Ideen gehabt, was dort auf mich zukommt. Nebel im August ist ein berührendes Drama, dass mit starken Schauspielern aufwartet und den Blick auf einen Teil der deutschen Geschichte lenkt, der zwar bekannt, aber nicht so häufig bebildert ist.

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Wiener Dog (2016) von Todd Solondz – Die Weltanschauung eines wachsenden Geschwürs

Verwirrung nach dem Film: Ist Gelb die richtige Farbe für einen Dackel? Gehört hier wirklich der Dackel an die Leine? Wie viel Dackel für jeden? Was sich existenziell anhört, ist es auch: Wiener Dog fühlt sich an, wie die  leibhaftige Beerdigung im Kinosessel. Mit einem Dackel, der freundlich die Schaufel hält.Weiterlesen »

Pelo Malo (2013/OmU) von Mariana Rondón #Favourites Filmfestival Bremen

pelo-malo-poster-01Pelo Malo oder Bad Hair steht für die Haare des neunjährigen Junior (Samuel Lange Zambrano), der sich nichts sehnlicher wünscht, als eine glatte Fönfrisur. Dies gestaltet sich jedoch schwieriger als gedacht, denn die wabenähnlichen Wohnsiedlungen Caracas in Venezuela haben für Ästhetik eher wenig Platz. Juniors Mutter Marta (Samantha Castillo) ist hingegen darauf aus aus Junior einen Mann zu formen, der der Gegenwart gewachsen ist. So betrachtet sie seine Hinwendung zum Äußeren mit Sorge und seine Ambitionen anders zu sein mit gezielter Abneigung. Feuer und Flamme für die Pläne des Enkels ist hingegen Juniors Oma Carmen (Nelly Ramos). Sie hat eigene Vorstellungen von dessen Zukunft und föhnt diesem manchmal heimlich die Haare oder singt mit ihm, während Juniors Mutter wieder auf Jobsuche ist, um ihn und seinen kleinen Brude Bebé versorgen zu können. Seinem Traum, einmal anders auszusehen, kann Junior zudem noch mit seiner Freundin Niña (María Emilia Sulbarán) nachhängen, welche für das anstehende Schulfoto schon das passende Kleid ausgewählt hat, während er von seinem Traum als Sänger zu posieren, noch viele Überredungsversuche weit entfernt ist.

Pelo Malo konnte auf dem Torino Film Festival in Italien den Publikumspreis ergattern und überzeugte sicherlich mit der Mischung aus Herz und Sozialstudie. Regisseurin Mariana Rondón wählte für die Dreharbeiten die Metropole Caracas aus, welche noch 2015 als gefährlichste Stadt der Welt galt. So hört man beim Spielen der Kinder oftmals Schüsse, die mit einer Mischung von Gewohnheit und Vorsicht spielerisch weggelächelt werden. Spiele, welche sich zwangsweise auf die riesigen Wohnblöcke erstrecken und durch deren soziale Umgebung geprägt sind. So reden beide Kinder häufig von der Möglichkeit  vergewaltigt zu werden oder davon, wie andere in diesem Teil der Stadt leben. Wie Gefängnisse oder Käfige erstrecken sich auch, die durch Wäschestücke verhängten Wohnungen würfelförmig in die Höhe. Dessen Bewohner, Produkt von Gewalt, Drogenhandel und Armut, können die Aussicht auf ein besseres Leben in der Sicht auf Nachbargebäude gleichgültig begraben, denn ein Entrinnen scheint hier unmöglich. So wackelt sich die Kamera von Micaela Cajahuaringa durch überfüllte Straßen, Dauerstaus und heruntergekommene Bauten, die wie auch andere in Vergessenheit geraten sind. Das Elend wabert über jeder Situation und man fragt sich schnell, wie hier Kinder unbeschwert aufwachsen sollen.

—Milde Spoiler—

In Pelo Malo geht es vor allem um Identitätsfindung und dem Wunsch eines Jungen, für einen kurzen Moment anders zu sein. Die Kluft zwischen Schutzsuche auf der einen und Entfaltung auf der anderen Seite kann jedoch nur in einer kompromisslosen Entscheidung resultieren. Folgen oder Untergehen sind die einzigen Alternativen, zwischen denen man in Caracas auswählen kann und so strahlt Martas ganzes Wesen die Härte einer Gesellschaft aus, der Junior nur mit wachen Kinderaugen begegnen kann, welche zwar unnachgiebig alles verfolgen, aber nicht sprechen dürfen.

Regie: Mariana Rondón
Drehbuch: Mariana Rondón
Produktion: Marité Ugás
Kamera: Micaela Cajahuaringa
Schnitt: Marité Ugás
Ton: Lena Esquenazi
Musik: Camilo Froideval
Szenenbild: Matías Tikas
Darsteller: Samuel Lange Zambrano, Samantha Castillo, Nelly Ramos, María Emilia Sulbarán

Vom 25.-29.05.2016 fand in Bremen das vierte Favourites Filmfestival statt. Dieses zeigt ausgewählte Filme, welche zuvor einen Publikumspreis von anderen Festivals erhalten haben , und spiegelt somit die Gunst der Zuschauer wider. Einen Nachschlag gibt es in Berlin, im September diesen Jahres. Mit dabei waren in Spielfilmlänge (Kurzfilme standen ebenfalls zur Auswahl):

Publikumspreis Giornate degli Autori – Venice Days, Italien:

Publikumspreis Torino Film Festival, Italien:

Publikumspreis Filmfest Amiens, Frankreich:

Publikumspreis Festival du Film Français d’Helvétie, Schweiz:

Publikumspreis Festival du Cinéma Espagnol de Nantes, Frankreich:

Publikumspreis Olhar de Cinema – Curitiba International Film Festival, Brasilien:

Extract – I AM THE PEOPLE by Anna Roussillon from hautlesmains prod on Vimeo.

Publikumspreis Sundance Film Festival, USA:

Publikumspreis Paris Cinema International Film Festival, Frankreich:

The Jungle Book (2016) [OV] von Jon Favreau

Kurzinhalt

Der Inhalt des Dschungelbuchs dürfte hinlänglich bekannt sein. Das Findelkind Mowgli (Neel Sethi) wird von Wölfen im Dschungel großgezogen, kann sich als Mensch aber nicht richtig in das Rudel einfügen, obwohl ihm Panther Bagheera (Ben Kingsley) stets weise zur Seite steht. Gefahr droht Mowgli von Shere Khan dem Tiger (Idris Elba), der in dem Jungen eine Bedrohung sieht. Als dessen Schonfrist für Mowgli abläuft, muss dieser vor dem Tiger flüchten. Dabei trifft er nicht nur auf den gefräßigen Bären Baloo (Bill Murray), sondern auch auf die listige Schlange Kaa (Scarlett Johansson) und dem Herrscher der Affen King Louie (Christopher Walken). Mowgli muss sich entscheiden, ob er Shere Khan entgegentritt oder zu den Menschen flüchtet.

Through the decades

Insgesamt sieben Erzählungen sind es, die die originale Geschichte um Mowgli („Der Frosch“) erzählen. Dessen britischer Autor Rudyard Kipling (1865 in Bombay geboren und 1936 in London verstorben) beschreibt darin das Heranwachsen Mowglis und wie er sich zum Gebieter der Tiere hin entwickelt. „The Jungle Books“ und „The Second Jungle Book“ verfasste er 1894/1895 kurz nach seiner Heirat, wonach er für einige Zeit in den USA lebte. Bereits mit 41 Jahren erhielt er dafür den Literaturnobelpreis und gilt bis heute als der jüngste Preisträger. In den Erzählungen (welche hier beim Projekt Gutenberg gelesen werden können), geht es natürlich sehr viel nüchterner zu als in der bekannten und in Deutschland am erfolgreichsten Zeichentrick-Verfilmung von 1967. Darin wurde besonders die herzliche und musikalische Darbietung bekannt, und es gibt sicherlich niemanden mehr, der nicht auf Anhieb „Ich wär so gern wie du“ oder „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ anstimmen könnte.

Die Neuauflage kommt sehr viel düsterer, komplett animiert, übernimmt aber einzelne Stationen und Charakterzüge der bekannten Verfilmung. Über die FSK-Freigabe darf man deshalb auch geteilter Meinung sein. Ich schließe mich der Mehrheit ein und sage: Bitte? Ab 6 Jahre? Wer seine Kinder traumatisieren möchte, ist momentan im Kino gut aufgehoben… Spaß beiseite, und jetzt mal im Ernst: Ich halte den Film für Kinder für ungeeignet, auch in Begleitung Erwachsener.

Style…

Die durchgehende Animierung bekräftigt zuallererst die Leistung vin Jungdarsteller Neel Sethi. Während des Films ertappt man sich eventuell dabei, sich vorzustellen, wie er vor einem grünen Bildschirm hin- und herspringt. Beeindruckend. Da geht es über Bäume, durchs Wasser, durch vielfältige Kletterlandschaften und sattem Grün, wohin das Auge sieht. 3D hätte es da nicht gebraucht, und an manchen Stellen fand ich es sogar extrem störend, weil es doch recht unscharf wurde, wenn das Bild schnell wechselte. Auch die Tiere sind optisch liebevoll und detailliert gestaltet. Shere Khan sieht man die raue Seite des Dschungels an, während beim zotteligen Baloo jedes Haar zu erkennen ist. Schön ist ebenfalls die Farbgebung insgesamt, die einem das Gefühl gibt, außerhalb jeglicher Zivilisation zu sein.

… over Substance

Dafür holt einen die musikalische Untermalung auf den Boden der Tatsachen zurück, da man, zumindest nach der Musik zu urteilen, immer darauf vorbereitet sein sollte, dass gleich ein Affe explodiert, der Dschungel untergeht oder ein Raumschiff landet. Das bitte aber ganz dramatisch. Nicht so die einzelnen, neu produzierten Songs, die sich recht stimmig einfügen. Ob es an der röhrenden Musik oder der im Kontrast stehenden schleppenden Erzählung lag, kann ich nicht sagen, es fügte sich für mich jedenfalls nicht. Eigentlich besteht der Film aus drei, für sich stehenden Teilen. Einem inhaltlichen, einem visuellem und einem musikalischem.

Und auch der Inhalt glänzt wenig bis gar nicht. Man hat sich damit begnügt, die einzelnen Stationen abzuarbeiten sich aber nicht darum bemüht, sie zu verbinden. Manchmal hat das fast schon einen episodischen Charakter. Auch das Humoristische ist stellenweise schlecht getimed und deplatziert, vor allem Bär Baloo macht da keine gute Figur. Wer aber durchweg gut wegkommt, ist Shere Khan bzw. Idris Elba. Wenn er dem Wolfsnachwuchs erklärt, wie sich ein Kuckuck verhält, läuft einem durchaus ein Schauer über den Rücken.

Fazit

The Jungle Book begnügt sich mit wirklich schönen Bildern und verlässt sich ganz auf seinen Hauptdarsteller. Dies gelingt jedoch nur stellenweise und offenbart dadurch große erzählerische Hohlräume. Auch einen erzählerischen Bezugspunkt lässt der Film dadurch deutlich missen.

 

Ponyo – Das große Abenteuer am Meer (2008) von Hayao Miyazaki

Wer eine abgewandelte und ernstzunehmendere Form von „The Little Mermaid“ sehen möchte, ist mit „Ponyo- Das große Abenteuer am Meer“ („Gake no ue no Ponyo“) wirklich mehr als bedient. Innerhalb eines Schwarms von Goldfischen individualisiert sich hier die kleine Brünnhilde entgegen aller Widerstände. Widerstände, die nicht nur von der Umwelt im Allgemeinen, sondern von Ihresgleichen und dem Menschen ausgehen. Rührig und entwaffnend zeigt ein kleiner Goldfisch zwei Seiten der Menschheit aus der Perspektive eines Kindes. Mit Drohgebärden beschwört sie Naturgewalten, wann immer sie sich durchsetzen möchte und nimmt sich zurück, wenn sie Liebe erfährt. Mit viel Herz und Durchsetzungsvermögen entfesselt das kleine Goldfischmädchen nicht nur die Herzen der dort lebenden Menschen, sondern auch uns Zuschauer.

Lieben und respektieren wir die Natur, so wie sie ist, auch wenn sie sich mal hässlich gibt und geben wir dies vor allem an unsere Kinder weiter. Das ist die Kernaussage von Ponyo. Und es ist ein Kinderlachen, dass sie trägt.