Wonder Woman (2017) von Patty Jenkins – Episch, schwungvoll strauchelnd

Vörred: Am Montag ganz beschwingt in die Sneak und siehe da… Die Ankündigung gab das Genre Fantasy vor, vorausgehend: überschwengliche Bewertungen – da blieb nicht mehr viel zur Auswahl (eher gar nichts) – und so gab es zu Beginn des Films dann auch keine große Überraschung. Die folgenden Sätze lassen ein gewisses Frustrationsniveau meinerseits erkennen unter dessen Einfluss die Sichtung ein wenig gelitten hat.

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A Tale of Two Sisters (2003) von Kim Jee-woon – Rot ist das Leid

Im Rahmen der Original-vs.-Remake-Aktion von Magos Filmtipps möchte ich den wunderbaren The Tale of Two Sisters (OT: Janghwa, Hongryeon) hier noch mal extra ausführen. Es gibt Filme, die müssen besprochen werden und schon an dieser Stelle eine klare Empfehlung von mir.

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Apocalypto (2006) von Mel Gibson – Ein bisschen Hirn bitte

Ich habe für ein paar Jahre genug Blut gesehen. Spätestens nach 30 Minuten Laufzeit weiß man, dass Mel Gibson für diesen Film verantwortlich ist.

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Sie nannten ihn Jeeg Robot (2015) von Gabriele Mainetti – Von Kleinkriminellen, Superhelden und Vanillepudding

An dieser Stelle führe ich mal klammheimlich Kurzkritiken ein. Mir fällt verstärkt auf, dass ich bei mir liebgewonnenen Filmen Unterschiede im Wortfluss mache und andere, die mit weniger Worten auskommen würden, deshalb gar nicht mehr berücksichtigt werden. So tummeln sich hier in letzter Zeit nur gute bis sehr gute Filme. Deshalb. Hier. Jetzt. In kurz und nicht ganz so toll. Das erste Strandgut.

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Dr. Strange (OV/2016) von Scott Derrickson und der Cloak of Disability

Strange: Im Cinemaxx meiner Heimat ist es offenbar ein Problem O-Ton und 3D gleichzeitig zur Verfügung zu stellen.

Warum das eine, wenn man das andere hat?!? Marvel scheint eine ähnliche Ansicht zu haben… Wer, wie ich, die Befürchtung hat, Benedict Cumberbatch im Originalton nicht verstehen zu können, der sei beruhigt. Der Brite hat sich einen schnörkellosen amerikanischen Akzent zugelegt, der sich vom sherlockschen Gemurmel deutlich unterscheidet. „Penguin“ kann er mittlerweile auch aussprechen.Weiterlesen »

real time = mean time

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© by geralt

Schön, dass gerade jetzt wieder ein Video-Essay zum Thema Geschwindigkeit kommt, wo doch gerade so viel darüber diskutiert wird. Die genaue Rede ist von der variablen Geschwindigkeit im Sehen. Schon einmal Serien auf 1.60 geguckt? Jeff Guo, ein Autor des Wonkblogs der Washington Post, hält es nämlich so. Sein Argument, neben einigen anderen: Es gäbe mittlerweile soviel Content, dass man nicht hinterherkommen würde. Mit 160% Geschwindigkeit geht da schon einiges mehr. 

Schneller, noch schneller, besser?

Viel wurde darüber diskutiert, sich empört und stellenweise auch erörtert. Können wir denn überhaupt noch langsam? Hochdrehen kann man bei Youtube standardmäßig schon lange, aber wer gewisse Videokanäle abonniert hat, dem dürfte schon mal aufgefallen sein, dass einige bereits in schnell geliefert werden. Kleines Beispiel? 

Erstaunlicherweise gewöhnt man sich jedoch schnell an Geschwindigkeit. Regelmäßigen Konsumenten dürfte das gar nicht mehr auffallen. Was aber auffällt, ist Langsamkeit. Sie strengt an, ist unbequem und ein Feind unserer Zeit. Unserem Erinnerungsvermögen bzw. der Merkfähigkeit dürfte dieser Rausch auch nicht gut tun. Es ist durchaus fraglich, ob unser Gehirn noch in der Lage ist, neben den ganzen Aufmerksamkeitsprozessen, die es dabei anwirft, noch Reserven für etwas anderes aufzubringen. Oder kann sich tatsächlich noch jemand an den genauen Inhalt erinnern? Aber was macht das schon. Heute ist eben nichts mehr für die Ewigkeit. Dafür gibt es das Aufmerksamkeitsdefizit gratis zum Erlebnis dazu. Auch daran ist man heute gewöhnt. Methylphenidat gibts ja auch schon an jeder Ecke. Klingt bitter und spießig? Ist es das? Ich weiß es wirklich nicht und überlasse deshalb Kevin B. Lee das Wort, beziehungsweise das visuelle Feld.

Wie sich die Kampf-Szenen in lediglich 5 Jahren verändert haben, am Beispiel der Bourne-Reihe.

How the Bourne Movies Changed Film Fights from Fandor Keyframe on Vimeo.

Um seine Frage zu klauen und der oberen Ausführung anzustellen: Geht das zu weit? Gehen Filmemacher zu weit? Oder müssen wir aufholen? Ist ein schnellerer Genuss (paradox!) ein Zeichen der Zeit?

1896- Großbritannien, der erste Filmkuss und das Genie George Méliès

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Gesneakt: Eddie the Eagle – Alles ist möglich (2016) von Dexter Fletcher

Das auf wahren Begebenheiten beruhende Biopic Eddie the Eagle handelt von Eddie Edwards (Tom Courtenay), dessen Wunsch es ist, zur Olympiade zu fahren. Mit welcher Sportart? Egal, Hauptsache Olympiade. In jungen Jahren, ist sein Knie zu instabil, weshalb er eine Schiene tragen muss, die seine Ärzte zu der Aussage nötigt, er möge doch lieber das Lesen anfangen und nicht mehr an Sport denken. Es ist allerdings ausgerechnet ein Buch über olympische Erfolge, dass dem jungen Eddie in die Hände gerät und aufgrund dessen man ihm den Wunsch, Olympia-Teilnehmer zu werden, nicht mehr ausreden kann. Der Schiene bald entledigt, enden mehrere Fehlversuche im Garten, mit leichten materiellen Schäden, aber nichts Ernstem. Während seine Mutter nicht bereit ist, ihn zu entmutigen, drängt sein Vater ihn dazu, Maurer zu werden und den Unsinn endlich sein zu lassen. Eddie aber denkt gar nicht daran aufzugeben und so landet er, mit den Ersparnissen der Eltern sowie deren Wohnmobil, in Deutschland, mit dem nun endgültigen Wunsch, Ski-Springer zu werden, da aufgrund seines Rauswurfs, Abfahrtsski nicht mehr in Frage kam.

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The Revenant von Alejandro González Iñárritu

Vorweg vielleicht: Alejandro González Iñárritus Filme sind sicherlich in vielen Hitlisten von Filmliebhabern sehr weit oben. Und mit „Birdman- Die unverhoffte Macht der Ahnungslosigkeit“ fand dies letztes Jahr seinen Höhepunkt. Sämtliche Preise überschütteten die vor sich hinstampfende Hollywood-Kritik und Iñárritu kam endlich zu der Aufmerksamkeit, die er schon mit seinen ersten Filmen verdient hatte. In Birdman selbst dreht sich viel um die Kritik an Hollywood oder an der Branche an sich:  Wie sie die Macht hat, Leben zu zerstören oder jemanden in die Höhe zu heben und davon, dass das Inszenieren immer zwischen Angst und Erfolgswahn pendelt und nach ewigem Ruhm strebt, weil sonst nur leere Hülle bleibt.

„The Revenant“ ist nun der Film nach Birdman. Und er ist etwas komplett Anderes. Eingeleitet mit der wohl atemberaubensten Jagd, die eine Kinoleinwand jemals zeigen durfte, sitzt der Zuschauer schon mal schwankend im Sattel. Von Kameraarbeit kann keine Rede mehr sein, nachdem was Emmanuel Lubezki dort betreibt. Kamera-Macht, Kamera-Stunts oder visuelles Kunstgefüge, so oder anders sollte man das bezeichnen. Emmanuel Lubezki erfindet sich nicht neu, er schafft ein neues Genre des Visuellen. Wenn er Ende Februar seinen dritten Oscar in den Händen hält, wird man nicht umhin kommen, zu denken, dass es für ihn eine ganz neue Kategorie geben müsste. Denn besagtes Schwanken im Sattel, es ist real, genau wie alles andere. Die überall zitierte und berühmte Grizzly-Szene, sie wird in die Filmgeschichte eingehen. Noch nie war einem die Natur näher, noch nie entfernter, noch nie hat man sich mit ihr so klein gefühlt. An dieser Stelle müsste man mit Superlativen um sich werfen, denn der ganze Film weiß dies zu bewirken.

Diese Superlative sind es nun, die einen zwischenzeitlich aufmerken lassen. Was gucke ich mir da eigentlich an? Dies fragt man sich ab der zweiten Hälfte, aber dazu später.

Sprechen muss man hier nämlich auch von Iñárritu. Ja, er gerät bei aller Virtuosität von Lubezki in Vergessenheit. Interessanterweise kann man dieses Phänomen auch bei anderen Filmen beobachten, für die sich der Kameramann verantwortlich zeigt. Children of Men und Birdman sind hiervon wohltuende Ausnahmen. In diesen Beispielen zeigt sich, wie sich Genies verbinden und etwas Großes, etwas Neues schaffen. The Revenant fällt nicht darunter. Iñárritu, auch verantwortlich für das Script, fügt einen simplen Racheplot in das Geschehen, was dramaturgisch durchaus nachvollziehbar ist, aber unter Lubezki eben total verblasst. Es ist der Film eines Kameramanns und nicht eines Regisseurs. Lubezki, er lässt uns die Natur spüren, Iñárritu, er stellt sie lediglich zur Schau. Die Ausgewogenheit, wie sie sich in Birdman präsentierte, existiert hier nicht. Diese Meta-Ebenen, die Iñárritu durch den Trapper Hugh Glass oder die Natur anspricht, sie existieren nicht logisch. Was wäre das für ein mutiger und überragender Film gewesen, hätte man diesen Plot nicht so ausgereizt. Ganz simpel: Der Trapper Hugh Glass versucht wieder nach Hause zu kommen, nicht mehr, aber in dieser visuellen Wucht eben auch nicht weniger. Verleiht man eben dieser Wucht einen so minimalistischen Denkansatz, dann folgt daraus konsequenterweise ein wahrgenommenes Missverhältnis. Es fügt sich nicht ineinander und daran krankt auch der letzte Teil des Films. Im Kino konnte man an den Stellen, an denen Hugh Glass sich gleichzeitig als Mensch und Übermensch präsentiert, die Zuschauer lachen hören, was dafür spricht, aber auch durchaus beruhigend ist, vor allem, wenn man sich den letzten Kritikpunkt ansieht.

Was sehe ich mir da eigentlich an?

Wenn man aus diesem Film rausgeht, beschleicht einen ein merkwürdiges Gefühl, beinahe ein schlechtes Gewissen. Wie im Rausch versucht man nach diesem Erlebnis die Orientierung wiederzufinden. Geht es nicht aber genau darum? Geht es nicht um das visuelle Berauschen im Kino. Ja. Aber wie auch bei anderen konsumierbaren Drogen sind die Grenzen fließend. The Revenant sei „Pain Porn“ schreibt Carole Cadwalladr im Guardian. Und sie hat bedingt Recht. Sie vergleicht diesen Film unter anderem mit IS-Videos, was zu weit gegriffen ist und vom Thema wegführt, die Diskussion aber im Kern trifft. Der Zuschauer berauscht sich an Totschlag, Vergewaltigung und Siechtum und das rein visuell. Es existiert keine Erklärung für diese hemmungslose Gewalt. Bei Pornos ist es der schnell zugängliche Sex, der einem körperliche Befriedigung verschafft, aber nichts darüber hinaus. Sollen wir uns also durch Gewalt befriedigen? Diese Frage birgt schon einen Widerspruch in sich.

Iñárritu ist hier meiner Meinung nach seiner eigenen vorjährigen Kritik erlegen oder vielleicht einem selbst auferlegten Zwang, etwas noch Größeres schaffen zu müssen. Es muss jeder für sich selbst beantworten, wie real Film sein kann und sein sollte. Sehenswürdigkeit kann man dem Film nicht absprechen, dennoch sollte man diese Fragen nicht außer Acht lassen.

Es begab sich im Jahre 1895, dass in einem der ersten Filme („L’Arrivée d’un train à la Ciotat“) „Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat“ besichtigt werden konnte. Der Zug fuhr entfernt aus dem rechten Bildrand, näherkommend, auf den linken Bildrand zu.

Heute lachen wir darüber, damals sind die Menschen panikartig aus dem Kino gerannt.

Quellenangaben:

Cadwalladr, C. (2016). The Revenant is meaningless porn pain. Zugriff am 09.02.2016 unter http://www.theguardian.com/commentisfree/2016/jan/17/revenant-leonardo-dicaprio-violent-meaningless-glorification-pain