Rubinrot (2013) von Felix Fuchssteiner – Mir fehlen die Worte

Wie das manchmal so ist. Man liegt wach, kann nicht schlafen. Kurz durch die Streaming-Dienste huschen und gucken, was im Angebot ist. Etwas Leichtes sollte es sein, aber auch etwas, was ich noch nicht gesehen hatte. So kam mir Rubinrot auf den Bildschirm und ich dachte so: Leichte Fantasy, naja, kann man nun nicht soviel verkehrt machen. Außerdem meinte ich mich zu erinnern, dass die Bücher sehr erfolgreich waren.

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Elle OmU (2017) von Paul Verhoeven – „Not bad, huh?“

Vörreed: In Elle war ich am selben Tag, wie in The Salesman von Asghar Farhadi. Eigentlich würde es einen ganzen Blogeintrag rechtfertigen, die beiden Werke zu vergleichen, da sie einen ähnlichen Bezugsrahmen haben. Ein Fazit wäre sicherlich, dass Paul Verhoeven den Zuschauer sprachloser und verstörter zurücklässt. Selten habe ich so viele Ausrufe in einem Film erlebt.
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Die Taschendiebin (2016) von Chan-wook Park zieht euch die (Hand-)schuhe aus

Vörreed: Das ist mir auch noch nie im Kino passiert. Im Zuge meines neulich gefassten Neujahrsvorsatzes habe ich im Vorfeld nicht viel über den Film gelesen. Da sitze ich nun in meinem Kinosessel und lasse mich von der malerischen Handlung der Taschendiebin einfangen, als sich plötzlich die Gewissheit einstellt, das alles schon mal gesehen zu haben.
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Mysterious Skin – Unter die Haut (2004) von Gregg Araki

© 2010 Antidote Films
© 2010 Antidote Films

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Mysterious Skin klebt am Zuschauer wie süßer und übelkeitverursachender Zucker. Nichtsdestotrotz sollte man dies, wenn man es noch nicht hat, billigend in Kauf nehmen, um ein thematisch rundum gelungenen Film zu sehen. Momentan auch bei Netzkino verfügbar. 

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Erinnerungen an Marnie (2014) von Hiromasa Yonebayashi

Anna ist 12 Jahre alt und ein in sich gekehrtes Mädchen. Zudem hat sie Asthma, was zu ihrer verquerten Sicht führt, dass sie eine Belastung für andere Menschen darstellt. Immer mehr zieht sie sich zurück, was zur Sorge ihrer Pflegemutter Yoriko beiträgt. Diese schickt sie daraufhin zur Erholung zu ihren Verwandten Kiyomasa und Setsu nach Hokkaidō. Dort angekommen durchstreift sie die Gegend und findet bald eine alte Villa, die sie in ihren Bann zieht. Zwischen Traum und Realität schwankend, entfaltet sie die Geschichte Marnies, eines kleinen blonden Mädchens aus der Villa und freundet sich mit ihr an.

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Der Marsianer-Rettet Mark Watney (2015) von Ridley Scott

„Der Marsianer“ fußt auf dem gleichnamigen Roman von Andy Weir und handelt von Mark Watney (Matt Damon), einem Astronauten und Botaniker. Dieser bleibt während einer Mars-Mission am Tag 18 (Sol 18) unter unglücklichen Umständen zurück und muss, auf sich allein gestellt, sein Überleben sichern. Mittels persönlichem Logbuch und Selbstgesprächen erfahren wir von seinem Plan, sich 4 Jahre lang über Wasser zu halten, um am Ende dieser, die Raumstation Ares IV zu erreichen und mit der dortigen Crew wieder zur Erde zu kommen. Es soll ein langer Weg werden.

Als einziger Mensch auf dem roten Planeten, zeigt sich Watney sofort von seiner derben Seite. Das einzige, was ihm in seiner Erkenntnis noch zu sagen bleibt, ist: „Fuck“. In Anbetracht der Lage mehr als angemessen und nahezu gemäßigt. Statt zu verzweifeln, überlegt er sich nun aber, wie er zu Nahrung und Wasser kommt. Ist es beim Wasser noch ein komplizierter Prozess, wird es beim Essen schon einfacher. Mars-Erde + Crew-Exkremente= Kartoffeln. Durchkalkulierte, auf 4 Jahre ausgelegte Feldarbeit.

Mittels eines persönlichen Logbuchs zeichnet er diese und andere Vorhaben auf. So ersinnt er im Laufe vorüberziehender Sols auch einen Weg mit der NASA zu kommunizieren, was nicht nur der NASA gefällt, sondern der ganzen Welt, die nun an dieser Misere teilhaben darf. Allein auf einem Planeten und die ganze Welt fiebert mit.

(Wer sich dafür interessiert, was Watney der NASA in der Romanvorlage übermittelte, nachdem sie ihn darauf hinwiesen, gemäßigtere Worte zu finden, der wird am Ende fündig)

Diese ganze Szenerie wirkt vorerst so unwirklich, dass man meinen könnte, man stecke in einem Wunschbild von Watney, der davon träumt Astronaut zu werden oder einem Traum der NASA, die fortan nur noch Bauern ins All schießt. Denn die Erwägung des Survival-Dramas kontert hier mit flotten Sprüchen, menschlichem Geschick und viel Erfindungsreichtum, ganz gemäß des hochgelobten technischen Feingefühls der Romanvorlage. Durch die anhaltende filmische Umsetzung selbiger, befindet man sich in einem immerwährenden Kontrast, der einem ein inneres Schmunzeln aufzwingt. Alles verkommt zur Farce, ohne jemals surreal zu sein. Selbst Anspielungen auf Fantasy-Verfilmungen wirken hier nicht deplatziert, genauso wenig wie Watney, der eben auf einem Planeten hockt und darauf wartet, dass ihn jemand abholt.

Sich dieser komischen Situation durchaus bewusst, verhält er sich nur folgerichtig und sorgt nicht nur bei der NASA für viel Erheiterung. Vor allem deshalb, verliert dieser Film nicht an Authentizität, sondern bildet ungehemmt eine mögliche Realität ab.

Die Rettung von Mark Watney ist großes Unterhaltungskino, das nicht auf profane Effekte setzt, sondern Einfallsreichtum, vor sich hinschleichende Spannung und subtilen bis frechen Humor in den Vordergrund stellt. Die homerische Odyssee bekommt hier einen aktuelleren Anstrich und wird über Schmerzgrenzen hinaus ausgereizt. Das Leben ist manchmal schrecklich banal und überdies vernetzt. Man kann nur damit umgehen und aufpassen, dass man nicht in seine eigenen Exkremente tritt.

„Seht mal da! Zwei Titten! –› (.Y.)“

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: Drew Goddard

Darsteller: Matt Damon, Jessica Chastain, Kate Mara, Kristen Wiig, Sean Bean, Sebastian Stan,Chiwetel Ejiofor, Mackenzie Davis, Benedict Wong, Donald Glover

Beitragsbild: © Twentieth Century Fox of Germany GmbH

 

Persuasion (2007) von Adrian Shergold

Verführung. Was macht einen starken Charakter aus? Inwieweit darf dieser sich beeinflussen oder verführen lassen? Wie wird er verführt und wodurch?

Im Allgemeinen haben alle Fragen in diesem Zusammenhang eines gemeinsam: Die Gunst oder das Wohlwollen liegen beim Verführer selbst. In der selbst gewählten Unterordnung löst sich die Schuldigkeit, im Aufbegehren lädt sich Gewissensschuld für das eigene Handeln auf. Es ist auch Schuld, die die Heldin hier mit sich herumträgt, genauer: Die Schuld einmal im Leben eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Gezeigt werden die Folgen, die aus Verführung und Schuld erwachsen können. So müssen alle Figuren sich stets selbst fragen, ob sie sich beugen oder aufbegehren. Ob es um gesellschaftliche Konventionen, Gefühle oder das eigene Handeln geht, stets wird unter Umgehung der Schuld oder Schuldigkeit gesellschaftliches Leben abgehandelt. Die Freiheit existiert nur in Gedanken und dieser Käfig wird nur allzu deutlich, wenn verletzter Stolz und Eitelkeit diesen vor der Wirklichkeit verriegeln.

Persuasion oder auch Verführung/Überredung ist ein relativ unbeachtetes und das letzte vollendete Buch von Jane Austen. Man darf sich also eigentlich freuen, wenn die BBC sich dessen annimmt. Allerdings erfährt die Verfilmung nicht sonderlich viel Beachtung. Hektisch werden mittels inflationär eingesetzter Wackelkamera alle Stationen abgearbeitet, dass einem schwindelig wird. Bevor man die Chance bekommt, sich auf eine Figur einzulassen, wird man mit dröhnendem Sound davongejagt. Sally Hawkins interpretiert die Figur Anne Elliot recht eigenwillig und, wenn man jemals nach einem weiblichen Pendent für die redmaynsche bebende Unterlippe gesucht hat… Hier wird man durchaus fündig. Das fällt aber sicherlich unter Geschmackssache. Ein allgemeines overacting kann man dem Film aber dennoch nicht absprechen, weshalb die Grundthematik oft zu exzentrisch gerät. Verführung ist im Wortsinn selbst schon subtil und kann nicht einfach schreiend ausgestellt werden. Weniger ist manchmal eben mehr. Dass am Inhalt nicht viel verändert wurde ist positiv anzumerken, da man trotz der Umsetzung noch ein gutes Gefühl für die Kernthematik bekommen kann, welche sich ganz auf die Selbstbefreiung der Hauptfigur konzentriert.

Diese Frage nach Auto- und Heteronomie zieht sich oft durch die Romane Jane Austens, aber in keinem so deutlich wie hier. Die übrig gebliebene Eigenverantwortlichkeit wird hier als Motor für Veränderungen betrachtet, die nicht zwangsläufig mit allen Konventionen brechen muss. Im Spiegel seiner selbst kann man aus Vergangenem lernen und sich neu emanzipieren, wenn man bereit ist die Verantwortung dafür zu tragen. So zeichnet Persuasion ein sehr optimistisches Bild, welches die damalige und vielleicht auch heutige Gesellschaft als Zuflucht willkommen heißt.