Swiss Army Man OV (2016) von Daniel Scheinert & Daniel Kwan – Ein Furz für den Hausgebrauch

Schon mal ein Gurkenglas mit einer Leiche zu öffnen versucht? Nein? Ich auch nicht (keine Bange). Aber nun weiß ich, dass es nicht unmöglich ist und der Tod längst nicht alles konserviert. 

—spoilerfrei—

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Öffne die Augen (1997) von Alejandro Amenábar – Sieh genau hin

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen.

Heute eher durch seinen Nachfolger Vanilla Sky von Cameron Crowe bekannt, ist Öffne die Augen mehr als nur einen Blick dahinter wert. Ich hatte vergessen, wie sehr mir Abre Los Ojos (Orig. Titel) schon beim ersten Sehen gefallen hat. Und auch beim zweiten Mal lässt einen dieser Film nicht kalt und man kommt man nicht umhin, zu fragen: Bin ich? 

—Enthält Spoiler—

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Tatort: Fünf Minuten Himmel von Katrin Gebbe

Event-Tatort Freiburg, Folge 981

Wenn die ARD ankündigt, dass es noch nicht feststeht, ob der Tatort in dieser Konstellation fortgesetzt wird (womöglich in einer anderen Stadt), muss dieser, Murphy’s Law gemäß, sehenswert sein.

Wir befinden uns in Freiburg und blicken auf die schwangere Hauptkommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch), die ihren Einstand im Freiburger Kommissariat gibt. Kommissariatsleiter Volker Gaus (Holger Kunkel) und Kommissar Hendrik Koch (Max Thommes) empfangen sie badisch. Der Einstand bezieht sich auf den Todesfall Holger Kunath (Michael Moritz), der als Sachbearbeiter im Job-Center nicht nur seinem Job nachgeht. Familie Mai ist auf Kunath angewiesen gewesen, da dieser dafür verantwortlich war, pünktlich die Mietschuld für die Sozialwohnung auszugleichen, was in rechtlicher Konsequenz in einen drohenden Rauswurf mündet. Cornelia (Julika Jenkins) und ihre Tochter Melinda Mai (Rosemarie Röse), die noch den Verlust des Ehemann und Vater betrauern, müssen nun Angst um ihre Bleibe haben, während ihr Nachbar Herr Kunani (Grandios: André Benndorff) mit Aaalen in der Badewanne, bereits die bevorstehende Apokalypse ankündigt. Investor Rüdiger Fest hingegen freut es, da er mit dem Grundstück schon andere Pläne hat. Abseits der Immobilien-Rangelei lässt sich Melinda mit dem Sohn Titus Kunath (Oskar Bökelmann) des Toten ein und zieht sich damit den Zorn seiner Freundin Harriett (Anna-Lena Klenke) zu. Dies wird erst richtig komplex, als Fronten innerhalb der Clique gewechselt werden und der soziale Brennpunkt seinen Abdruck zeigt. Hauptkommissarin Ellen Berlinger trifft nach fünfzehn, in London verbrachten, Jahren wieder auf ihre Mutter Edelgard Berlinger (Angela Winkler), die alles andere als erfreut über die Rückkehr ist. So kämpft in diesem Tatort jeder mit alten Bindungen, die mit voller Härte zuzuschlagen wissen.

Puh, was für Verstrickungen. Solch komplexe Handlungsstränge hat man nicht oft am Sonntagabend. Dieser Tatort folgt zwar einfach dem Verlauf der Ermittlungen, weiß dabei aber eine Geschichte zu erzählen (Skript: Thomas Wendrich), die hängen bleiben dürfte. So bleiben doch einige offene Fragen nach Schluss, die es noch zu beantworten gälte. Regisseurin Katrin Gebbe setzt dabei auf voll auf ihre Schauspieler und weiß diese gut in Szene zu setzen. Heike Makatsch spielt einfach geraderaus und findet eine schöne Balance zwischen beruflichem Durchsetzungsvermögen und ihrer familiären Geschichte. Der Hintergrund dieser Geschichte hat Spuren hinterlassen, und nichts an Wirkung eingebüßt. Die badische Mundart, die ihr aus dem Kommissariat entgegenkommt, lässt sie nur noch fremder und abseitiger wirken, was ihrer Rolle. Über die Kommissarin und ihre Kollegen erfährt man nicht viel, dafür umso mehr über Beteiligten am Mordfall.

Der ein wenig breit angelegte rotzige Jugendsprech hätte an mancher Stelle etwas kürzer treten können, aber alles in allem verkörpern die Schauspieler, vor allem Anna-Lena Klenke und Rosemarie Röse, ihre Rollen emotional nachvollziehbar, was dazu führt, dass die Jugendlichen weitestgehend die vorherrschenden Umstände aufzeigen, atmosphärisch stimmungsvoll und bedrückend. Trauer und Kompromisslosigkeit herrschen in dem Viertel der Jugendlichen, aber auch von außen kommt nicht viel Gutes, sodass Türen nicht nur sinnbildlich verschlossen bleiben.

Freiburg in seiner hässlichsten Seite beeindruckt mit fast schon nebensächlicher Armut und Hinterhofstimmung. Die Dramatik der vergessenen Sozialhilfeempfänger verdichtet sich durch die Zeit, die hier für jeden anders ticken müsste. So braucht es bei einem ein Jahr der Ohnmacht, bei dem anderen fünfzehn, bei wieder einem anderen eine gänzlich andere Definition. Ämter und Behörden kennen diesen Stillstand nicht und geben für schlechter Eingestimmte kompromisslos eine Abwärtsspirale vor. Die Folgen davon kann man eindringlich hinter den Fassaden Freiburgs sehen: Bio-Kiffen für fünf Minuten Himmel.

Regie: Katrin Gebbe
Drehbuch: Thomas Wendrich
Darsteller: Heike Makatsch, Angela Winkler, Emilia Bernsdorf, Max Thommes, Holger Kunkel, Christian Kuchenbuch, Julika Jenkins, Rosemarie Röse, Pierre Siegenthaler, Jörg Pose, Jochanah Mahnke, Tabea Hug, Michael Moritz, Oskar Bökelmann, Anna-Lena Klenke, Michaela Caspar, André Benndorff

Before Night Falls (2000) von Julian Schnabel

Was „Before Night Falls“ letztendlich doch zum vielsagenden Film macht, ist eindeutig die Leistung von Javier Bardem. Man sagt immer, dass ein Schauspieler einen Film getragen hat, hier hat er ihn durch und durch gelebt. Das Bild von Kuba, es ist ein chaotisches. Die sexuelle Revolution macht aus jungen Wilde Halbstarke, die Revolution selbst aus Gewinnern Verlierern. Zwischen kubanischer Tradition, abgeschotteten Werten und einer förmlich zu spürenden Lebenslust und Freiheit, lernt man den 19-jährigen Reinaldo Arenas kennen, welcher mit einer ansteckenden Begeisterung und Gelassenheit durch das Leben geht und damit den starken Kontrast zwischen Freiheit und Ideologie herstellt.

Inspiration und Furcht liegen im Film immer klar beieinander. Klar, hält sich hier leider auch die Kritik in Grenzen. Überhaupt ist in dem ganzen Durcheinander und all der Länge kein Bezugspunkt, was vielleicht die Zeit damals widerspiegelt, in der Länge aber ab und an anstrengend gerät. Die Poesie, welche sich durch den Film zieht vermag es, einen mitzunehmen, aber oft unterbricht sie die emotionale Tiefe und Beziehungen der Charaktere.

Sehenswert ist „Before Night Falls“ dennoch, allein schon der Leistung Javier Bardems wegen, aber auch, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Freiheit sich in Unterdrückung verwandelt.

Grüne Tomaten (1991) von Jon Avnet

Wie oft habe ich gehört, dass man grüne Tomaten gesehen haben muss… Und das meistens von Menschen, die nicht jeden Tag Filme schauen. Ein Film fürs Herz, sagt man dann. Ein Film den man einfach gut finden muss. Was für den Frauenabend bis hin zu, ein Frauenfilm. Alles Aussagen, die die Skepsis des per se vorerst nicht abgeneigten Filmfreundes vielleicht ein wenig steigen lassen. Ich würde nun sagen: Grüne Tomaten erinnert uns daran, dass es ein Privileg des Zuhörers/Zuschauers ist, an anderen Lebensentwürfen teilhaben zu dürfen und sich damit ein bisschen Mut für die spröde Welt außerhalb von Whistle Stop anzutrinken. Ein Film, der vielleicht nicht das Rad neuerfunden hat, aber soviel Liebe, Tränen und Gefühl mit dem Zuschauer teilt, dass das nun auch wirklich sowas von scheißegal ist! Towanda!