Tatort (2016) Der hundertste Affe von Florian Baxmeyer

Bremen, Folge 987

Ob man heute Nacht als BremerIn ruhig schlafen kann? Es dürfte einem schwer fallen, denn der Bremer Tatort kommt wie fast immer mit den großen und beunruhigenden Themen. Dieses Mal wird die Stadt Bremen von Umweltterroristen bedroht, die die Trinkwasserversorgung der Stadt vergiften wollen und dies gestaltet sich nicht so abwegig, wie man vorerst vermuten mag.

Inhalt

Die Aktivistin Luisa Christensen (Friederike Becht) sieht gemeinsam mit ihrem Freund in Mali unschuldige Menschen an Pestiziden eingehen, die von der Firma Sachs vertrieben werden. In Rückblenden erfährt man den weiteren Verlauf dieser Geschichte. In der Gegenwart hat Christensen sich Komplizen gesucht, die Dr. Urs Render, einem Forscher von Sachs, aus dem Gefängnis freipressen wollen, um ihn zu einer Aussage über seine damaligen Forschungen zu zwingen. Der aber schweigt beharrlich. Helmut Lorentz (Barnaby Metschurat), der den einberufenen Krisenstab leitet, muss somit immer einen kühlen Kopf, in einer äußerst prekären Situation bewahren. Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel) und Hauptkommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen) sowie die Beamtin des BKA Linda Selb (Luise Wolfram) bekommen es hier nämlich mit einer mehr als idealistischen Überzeugung zu tun.

Endzeitstimmung in Bremen

Der Öko-Politthriller steht den Bremern hervorragend und dürfte in meiner Wahlheimat thematisch auf offene Ohren treffen. Die in einem angenehmen Tempo erzielte Endzeitstimmung, die Florian Baxmeier hier kreiert hat, lässt einem manchmal das Blut in den Adern gefrieren. Klare Linien, kontrastreiche Bilder und eine ausgewogene Erzählweise unterstützen diesen dunklen Ton. Dass dabei viel von Bremen zu sehen ist, lässt das Ganze noch realistischer erscheinen. Stefan Hansen, verantwortlich für die Musik, arbeitet mit harten elektonischen Clustern, die in der musikalischen Basis durch minimale harmonische Veränderungen gekennzeichnet ist. Stellenweise fühlte man sich sogar an Jóhann Jóhannssons in Sicario erinnert. Dies trägt maßgeblich zur gefühlten Dramatik in diesem Tatort bei, aber auch Friederike Becht, die die unterkühlte und abgeklärte Terroristin gibt, lässt dieses Szenario durchaus fassbar machen.

Wenn dann Inga Lürsen an der Sielwall-Kreuzung hilflos in die Luft guckt und sagt. „Wir haben es verbockt“, dann hat der Tatort schon mal eines richtig gemacht, denn nahezu jedes erfreuliche Ereignis in Bremen, erlebt an dieser Kreuzung seinen Höhepunkt. Aber auch die nicht überzogene und spannende Herangehensweise innerhalb der Stadt ist wahrlich sehr gut gelungen. Zum Ende hin kann diese Spannung leider nicht mehr ganz aufrechterhalten werden, was jedoch insgesamt zu verkraften ist. Auch die Merkel-Spitze von Lürsen („Aussitzen wie Mutti“) dürfte sich gut ins Szenario eingefügt haben.

Der hundertste Affe

Der hundertste Affe besagt, dass aus der Idee eines einzelnen erst ein allgemeines Verhalten entsteht, wenn es den Hundertsten erreicht hat, aus einer Idee also ein Bewusstsein schaffen zu wollen. Viel will man heutzutage erreichen. Terrorismus bekämpfen, die Umwelt wieder ausbalancieren, den Welthunger abschaffen, etc. Nur reicht hierzu der hundertste Affe wohl noch nicht aus. Dies zeigt dieser Tatort deutlich.

Regie: Florian Baxmeyer

Drehbuch: Christian Jeltsch

Kamera:  Peter Joachim Krause

Schnitt: Friederike Weymar

Musik: Stefan Hansen

Darsteller: Sabine Postel, Oliver Mommsen, Camilla Renschke, Manfred Zapatka, Matthias Brenner, Barnaby Metschurat, Luise Wolfram, Werner Wölbern, Anna Stieblich, Franz Pätzold, Jerry Hoffmann, Friederike Becht, Johannes Allmayer

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The Jungle Book (2016) [OV] von Jon Favreau

Kurzinhalt

Der Inhalt des Dschungelbuchs dürfte hinlänglich bekannt sein. Das Findelkind Mowgli (Neel Sethi) wird von Wölfen im Dschungel großgezogen, kann sich als Mensch aber nicht richtig in das Rudel einfügen, obwohl ihm Panther Bagheera (Ben Kingsley) stets weise zur Seite steht. Gefahr droht Mowgli von Shere Khan dem Tiger (Idris Elba), der in dem Jungen eine Bedrohung sieht. Als dessen Schonfrist für Mowgli abläuft, muss dieser vor dem Tiger flüchten. Dabei trifft er nicht nur auf den gefräßigen Bären Baloo (Bill Murray), sondern auch auf die listige Schlange Kaa (Scarlett Johansson) und dem Herrscher der Affen King Louie (Christopher Walken). Mowgli muss sich entscheiden, ob er Shere Khan entgegentritt oder zu den Menschen flüchtet.

Through the decades

Insgesamt sieben Erzählungen sind es, die die originale Geschichte um Mowgli („Der Frosch“) erzählen. Dessen britischer Autor Rudyard Kipling (1865 in Bombay geboren und 1936 in London verstorben) beschreibt darin das Heranwachsen Mowglis und wie er sich zum Gebieter der Tiere hin entwickelt. „The Jungle Books“ und „The Second Jungle Book“ verfasste er 1894/1895 kurz nach seiner Heirat, wonach er für einige Zeit in den USA lebte. Bereits mit 41 Jahren erhielt er dafür den Literaturnobelpreis und gilt bis heute als der jüngste Preisträger. In den Erzählungen (welche hier beim Projekt Gutenberg gelesen werden können), geht es natürlich sehr viel nüchterner zu als in der bekannten und in Deutschland am erfolgreichsten Zeichentrick-Verfilmung von 1967. Darin wurde besonders die herzliche und musikalische Darbietung bekannt, und es gibt sicherlich niemanden mehr, der nicht auf Anhieb „Ich wär so gern wie du“ oder „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“ anstimmen könnte.

Die Neuauflage kommt sehr viel düsterer, komplett animiert, übernimmt aber einzelne Stationen und Charakterzüge der bekannten Verfilmung. Über die FSK-Freigabe darf man deshalb auch geteilter Meinung sein. Ich schließe mich der Mehrheit ein und sage: Bitte? Ab 6 Jahre? Wer seine Kinder traumatisieren möchte, ist momentan im Kino gut aufgehoben… Spaß beiseite, und jetzt mal im Ernst: Ich halte den Film für Kinder für ungeeignet, auch in Begleitung Erwachsener.

Style…

Die durchgehende Animierung bekräftigt zuallererst die Leistung vin Jungdarsteller Neel Sethi. Während des Films ertappt man sich eventuell dabei, sich vorzustellen, wie er vor einem grünen Bildschirm hin- und herspringt. Beeindruckend. Da geht es über Bäume, durchs Wasser, durch vielfältige Kletterlandschaften und sattem Grün, wohin das Auge sieht. 3D hätte es da nicht gebraucht, und an manchen Stellen fand ich es sogar extrem störend, weil es doch recht unscharf wurde, wenn das Bild schnell wechselte. Auch die Tiere sind optisch liebevoll und detailliert gestaltet. Shere Khan sieht man die raue Seite des Dschungels an, während beim zotteligen Baloo jedes Haar zu erkennen ist. Schön ist ebenfalls die Farbgebung insgesamt, die einem das Gefühl gibt, außerhalb jeglicher Zivilisation zu sein.

… over Substance

Dafür holt einen die musikalische Untermalung auf den Boden der Tatsachen zurück, da man, zumindest nach der Musik zu urteilen, immer darauf vorbereitet sein sollte, dass gleich ein Affe explodiert, der Dschungel untergeht oder ein Raumschiff landet. Das bitte aber ganz dramatisch. Nicht so die einzelnen, neu produzierten Songs, die sich recht stimmig einfügen. Ob es an der röhrenden Musik oder der im Kontrast stehenden schleppenden Erzählung lag, kann ich nicht sagen, es fügte sich für mich jedenfalls nicht. Eigentlich besteht der Film aus drei, für sich stehenden Teilen. Einem inhaltlichen, einem visuellem und einem musikalischem.

Und auch der Inhalt glänzt wenig bis gar nicht. Man hat sich damit begnügt, die einzelnen Stationen abzuarbeiten sich aber nicht darum bemüht, sie zu verbinden. Manchmal hat das fast schon einen episodischen Charakter. Auch das Humoristische ist stellenweise schlecht getimed und deplatziert, vor allem Bär Baloo macht da keine gute Figur. Wer aber durchweg gut wegkommt, ist Shere Khan bzw. Idris Elba. Wenn er dem Wolfsnachwuchs erklärt, wie sich ein Kuckuck verhält, läuft einem durchaus ein Schauer über den Rücken.

Fazit

The Jungle Book begnügt sich mit wirklich schönen Bildern und verlässt sich ganz auf seinen Hauptdarsteller. Dies gelingt jedoch nur stellenweise und offenbart dadurch große erzählerische Hohlräume. Auch einen erzählerischen Bezugspunkt lässt der Film dadurch deutlich missen.

 

Cowspiracy (2014) – Das Geheimnis der Nachhaltigkeit von Kip Andersen und Keegan Kuhn

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Der etwas reißerisch geratene Titel, führt bereits zum Kern dieser Umwelt-Dokumentation. Das Thema Nachhaltigkeit dürfte wohl schon jedermann aus den Ohren hängen, obwohl sicherlich nicht mal die Hälfte genau weiß, wovon man eigentlich spricht. So auch Dokumentarfilmer Kip Anderson, der sich zwar umweltpolitisch beteiligt, aber von den Informationen der großen Umweltorganisationen abhängig ist, wie wir alle. Dieser nimmt uns mit auf einen Streifzug durch die amerikanische Nahrungsmittelindustrie und erklärt uns die Hauptproblematik der Nachhaltigkeitsdebatte. Das Problem ist auch hier natürlich der Mensch, aber, etwas differenzierter, ist es hier vor allem die Agrarwirtschaft des Menschen. In kurz: Wir sind zu viele und entnehmen mehr als wir zurückgeben. Nichts Neues? Doch! Denn wir Menschen entnehmen auch unter dem Siegel der Nachhaltigkeit zu viel. Wer sich als darauf ausgeruht hat, Fisch aus nachhaltigerer Fischerei zu kaufen oder aufgrund von Energiesparlampen erst mal im Dunkeln zu sitzen, tut sicherlich etwas für (bzw. gegen) die jeweiligen Bereiche, hier Massentierhaltung und Energieverbrauch, trägt aber wenig zum Thema Nachhaltigkeit bei.

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Auch „glückliche Kühe“ benötigen Land, für das Platz geschaffen werden muss (Regenwald weg), benötigen Wasser (extremer Wasserverbrauch), werden durch Getreide ernährt (Wasserverbrauch hoch, Land weg), produzieren Unmengen an Methan und Dung (Umweltverschmutzung hoch), und werden schlussendlich geschlachtet (Refund: wenig bis gar nicht). Weiterhin wird durch den rasanten Bevölkerungszuwachs immer mehr Vieh benötigt, um die durchschnittlichen Anforderungen zu bedienen, was nicht nur zu den genannten Problemen führt, sondern auch zur Verdrängung  anderer Arten führt und damit das gesamte Ökosystem kippen lässt. Warum nun Cowspiracy? Die beiden Produzenten gehen dem Problem der Offenlegung nach, denn sie fragen sich, warum offenbar viele Organisationen, die sich der Umwelt verschrieben haben (wie z.B. Greenpeace),  wissen, dass wir schlicht und ergreifend zu viel Fleisch essen, jedoch keine dieses als Kernthema aufnimmt, geschweige denn etwas dagegen tut. Die Antwort ist hier, wie überall die gleiche. Lobbyismus, Geld und Druck von oben.

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Andersen und Kuhn produzierten das Ganze und finanzierten es ursprünglich durch Crowdfunding auf Indiegogo. Der in San Francisco lebende Andersen ist unter anderem Unternehmer und Yoga-Lehrer, welcher sich seit der Sichtung des Al Gore-Films „Eine unbequeme Wahrheit“ für den Umweltschutz engagiert. Er gründete AUM Films and Media, eine gemeinnützige Organisation, die sich mit Filmbeiträgen dem Mitgefühl und der Harmonie aller Lebewesen verschrieben hat. Keegan Kuhn stammt ebenso aus San Francisco und ist Video- sowie Dokumentarfilmer. Auch er setzt sich für soziale Belange ein und interessierte sich vor allem für soziale Gerechtigkeit. Beiden ist somit ein Interesse gemein, für ein soziales Gleichgewicht zu sorgen und Missstände innerhalb dessen aufzudecken. Zu Wort kommen in Cowspiracy unter anderem Dr. Richard Oppenlander („Food Choice and Sustainability“), Michael Pollan („The Omnivore’s Dilemma“ uvm.), Dr. Will Tuttle („The World Peace Diat“), Howard Lyman (Ehemaliger Viehzüchter und Tieraktivist), Will Potter (Journalist; „Green Is the New Red“) und Will Anderson (Greenpeace), welche alle den Grundton der Ausgeglichenheit aufgreifen, den die beiden Produzenten anbringen.

Natürlich geht es darum weniger Fleisch zu essen, sehr viel weniger und davon noch mal die Hälfte, aber es geht eben auch um etwas anderes. Wie will der Mensch sich selbst begreifen? Sind wir ein Teil dieses Ökosystems oder verwerten wir es nur? Wir sind dafür geschaffen, mit der Natur und ihren Ressourcen im Gleichgewicht zu leben, nicht sie zu verdrängen. Unsere Einstellung gegenüber der Umwelt muss sich massiv ändern, nicht die gegenüber Umweltverschmutzung. Es geht nicht nur darum, wie man dagegenwirkt, sondern wie man sich als Teil des Ganzen begreift. Anders: Wer in der Lage ist Hühnchen zu essen, sollte auch in der Lage sein, das Huhn zu halten, es dann zu schlachten, es auszunehmen, zu rupfen, zu zerlegen und zuzubereiten (schon allein dieser zeitliche Aufwand sollte zum Denken anregen). Denn dies wäre der natürliche Weg mit unseren Ressourcen umzugehen. Wir alle kennen Mitgefühl gegenüber Lebewesen, welches nicht umsonst in uns verankert ist. Damit ist nicht gemeint, deshalb auf Fleisch zu verzichten und alle Tiere ganz, ganz lieb zu haben, sondern im Verbrauch ein wenig auf dieses Gefühl zu vertrauen. Der Fleischkonsum würde sich  drastisch reduzieren, wenn wir mehr mit unserer Natur umgehen müssten, als wir es heute tun.

Cowspiracy spricht dies durchaus auch an, fokussiert sich aber eher auf Umweltorganisationen, die sich davor scheuen diese Hauptproblematik mit aufzunehmen. Dabei werden viele Fakten genannt, die uns sachlich vor Augen führen, wie wenige dieser Informationen doch letztlich auf unserem Teller landen und wer letztlich Herr und Verursacher der Lage ist. Stellenweise tritt Kip Andersen etwas zu sehr in den Vordergrund und auch die Aufmachung kommt sehr selbstinszenatorisch daher, woran man sich erst einmal gewöhnen muss. Nichtsdestotrotz und vielleicht auch gerade deshalb, brennen sich manche Fakten förmlich ein und regen sicherlich zum Nachdenken an, was bekanntlich manchmal auch in Verhaltensänderungen mündet. Hoffentlich.

DVD-Infos

Verleih: Polyband Medien GmbH

VÖ-Datum:18.03.2016

FSK: 6

Laufzeit: ca. 86 Minuten

Bildformat:16×9 anamorph (2,35:1)

Sprache: Deutsch Dolby Digital 2.0 Englisch Dolby Digital 2.0

Untertitel: Deutsch

Ländercode:2

Anzahl Discs:1 Verpackung: Softbox in O-Card

Bonus: Originaltrailer Land: USA

Regie: Kip Andersen, Keegan Kuhn

Darsteller: Kip Andersen, Keegan Kuhn

Ponyo – Das große Abenteuer am Meer (2008) von Hayao Miyazaki

Wer eine abgewandelte und ernstzunehmendere Form von „The Little Mermaid“ sehen möchte, ist mit „Ponyo- Das große Abenteuer am Meer“ („Gake no ue no Ponyo“) wirklich mehr als bedient. Innerhalb eines Schwarms von Goldfischen individualisiert sich hier die kleine Brünnhilde entgegen aller Widerstände. Widerstände, die nicht nur von der Umwelt im Allgemeinen, sondern von Ihresgleichen und dem Menschen ausgehen. Rührig und entwaffnend zeigt ein kleiner Goldfisch zwei Seiten der Menschheit aus der Perspektive eines Kindes. Mit Drohgebärden beschwört sie Naturgewalten, wann immer sie sich durchsetzen möchte und nimmt sich zurück, wenn sie Liebe erfährt. Mit viel Herz und Durchsetzungsvermögen entfesselt das kleine Goldfischmädchen nicht nur die Herzen der dort lebenden Menschen, sondern auch uns Zuschauer.

Lieben und respektieren wir die Natur, so wie sie ist, auch wenn sie sich mal hässlich gibt und geben wir dies vor allem an unsere Kinder weiter. Das ist die Kernaussage von Ponyo. Und es ist ein Kinderlachen, dass sie trägt.