Her Love Boils Bathwater (2016) von Ryōta Nakano – Mit der Suppenkelle nach vorn und immer weiter

Vörred: Wie ich bereits schrieb, habe ich es am Dienstag der Nippon Connection nicht mehr in den Eröffnungsfilm geschafft, da ich aber am Wochenende noch eine Pause hatte, habe ich mir Her Love Boils Bathwater im Vorführraum angesehen. Gut so. Diese fehlende Sichtung hätte ich tatsächlich bereut – für mich der schönste und auch traurigste Film der Woche.

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Nebel im August (2016) von Kai Wessel – Die Geschichte von Ernst Lossa

Im Rahmen des Filmstöberns entdeckt und somit wenig Ideen gehabt, was dort auf mich zukommt. Nebel im August ist ein berührendes Drama, dass mit starken Schauspielern aufwartet und den Blick auf einen Teil der deutschen Geschichte lenkt, der zwar bekannt, aber nicht so häufig bebildert ist.

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Elle OmU (2017) von Paul Verhoeven – „Not bad, huh?“

Vörreed: In Elle war ich am selben Tag, wie in The Salesman von Asghar Farhadi. Eigentlich würde es einen ganzen Blogeintrag rechtfertigen, die beiden Werke zu vergleichen, da sie einen ähnlichen Bezugsrahmen haben. Ein Fazit wäre sicherlich, dass Paul Verhoeven den Zuschauer sprachloser und verstörter zurücklässt. Selten habe ich so viele Ausrufe in einem Film erlebt.
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Joy (2015) von David O. Russell – Der emanzipierte Feudel

Produzent und Regisseur David O. Russel holt seine Stammschauspielerschaft Lawrence, Cooper und De Niro hervor. Nein: Nicht Silver Linings und auch American Hustle ist nicht gemeint. Joy – Alles außer gewöhnlich (Orig.: Joy), heißt dieses, nun bereits dritte Werk des filmischen Quartetts. Und darin tummelt sich eine Hausfrau mit Erfindungsgeist. Doch als Hausfrau will sich diese nicht so recht einfügen. Schade eigentlich, denn nach diesem Film brauchen wir alle nur brav auf die Karriereleiter zu warten.Weiterlesen »

Eraserhead (1977) von David Lynch – Die Befruchtung der Angst

Dieser Film wird im Rahmen der Themenwochen: Mark My Mood: Schäumende Träume besprochen. 

Lange bin ich um Eraserhead herumgetanzt, weil ich mich allgemein schwer mit Lynchschen Auswüchsen tue. Nach dem zweiten Anlauf klappte es dann aber. Ob es sich gelohnt hat? Ja, wenn das Vergnügen auch eher zweifelhafter Natur war…

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Toni Erdmann (2016) von Maren Ade – Nackt durch die Globalisierung

Während ich damit beschäftigt war, mir Tränen aus dem Gesicht zu wischen, befand ich mich gleichzeitig in einem der nicht seltenen Lachanfälle. Es folgten viele ‚uh‘ – ‚uuoh‘, – ’nicht doch‘ – Momente. Bis zum Schluss bedacht, unausgeglichene Körperfunktionen wieder wegzusortieren, stellte ich mit Argwohn Bekleidung fest.

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Tatort (2016) Das Recht, sich zu sorgen von Andreas Senn

Tatort Nürnberg, Folge 988

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BR/ Claussen + Putz GmbH/ Hagen Keller

Nach „Der Himmel ist ein Platz auf Erden“, nun der zweite Tatort aus Nürnberg. Hauptkommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel; mittig im Bild) und Kollege Felix Voss (Fabian Hinrichs; links im Bild) bekommen es dieses Mal gleich mit 2 ½ Fällen zu tun. In einem Wirtshaus findet Steffi Schwinn (Barbara Prakopenka), die Tochter des Wirts Holger Schwinn (Jörg Witte) ihre Mutter erwürgt auf. Alles deutet sofort auf ihren eigenen Vater hin. Beim zweiten Fall handelt es sich um eine Ermittlung in Anatomie-Kreisen, wo ein Schädel nicht zum Skelett passt und sich Professor Magdalene Mittlich (Sibylle Canonica) vom Anatomischen Institut der Würzburger Universität große Sorgen um ihren Ruf macht. Sorgen macht sich auch eine andere Mutter: Lydia Eichbaum (Tessie Tellmann), die Tag für Tag vor dem Präsidium auftaucht und am Empfang darum bittet, ihren Sohn suchen zu lassen, der seit drei Monaten verschwunden ist und schließlich vor dem Präsidium campiert.

Der zweite Tatort aus Nürnberg kommt mit thematischen Überbau, der drei lose Geschichten miteinander zu verbinden sucht. Als Überschrift deklamiert der Titel das Recht, sich Sorgen zu machen. Und Sorgen sind es viele. Die Wirtstochter, die die elterliche Ehe auseinanderbrechen sieht, ein Paar, das sich um die Aufdeckung ihres Geheimnisses sorgt, die Anatomie-Professorin und schließlich besagte Mutter, die sich um ihren Sohn sorgt. Am Anfang noch nicht miteinander verbundene Ausschnitte verbinden sich zum Ende hin zu einem Ganzen. Gelingt die anfängliche Verknüpfung noch gut (großartig: „I can‘t stand the rain…“), wird zum Ende hin die Luft abgelassen, um der Thematik mehr Raum zu geben, was nur bedingt gelingt, aber ein schöner Ansatz ist. Überhaupt dürfte der Tatort Nürnberg, sofern er noch eine fränkische Schippe oben drauf legt, sehr sehenswert sein, da dieses Team wesentlich besser und unaufgeregter miteinander harmoniert, als andere.

Als Antwort auf all die Sorgen wird in diesem Tatort letztlich das Recht zu trauern angeführt, da fast alle Beteiligten an etwas festhalten, dass sie innerlich aufreibt. So lautet das schöne, aber auch etwas schwermütige Fazit: Manchmal muss man sich von etwas trennen oder lösen, um wieder Fuß fassen zu können.

Regie: Andreas Senn

Drehbuch: Beate Langmaack

Kamera: Holly Fink
Schnitt: Vera von Appeldorn
Musik: Fabian Römer

Darsteller: Dagmar Manzel, Fabian Hinrichs, Eli Wasserscheid, Andreas Leopold Schadt, Matthias Egersdörfer, Stefan Merki, Benjamin Griebel,  Jan Krauter, Frank Scharrer, Sibylle Canonica, Theresa Hanich, Tania Carlin, Nils Strunk, Yohan Kirschner, Karolina Lodyga, Lotti Kreitmeyr, Barbara Prakopenka, Jörg Witte, Sonja Tille, Tessie Tellmann, , Nadine Badewitz